Viel mehr als Sandhaufen mit ein paar Wäldern und Kakteen obendrauf sind die fünf Bazaruto Inseln nicht. Unterirdisch, in Tiefen von sieben bis 300 Metern mit dem Festland verbunden, ist der Archipel erst 9000 Jahre alt, wobei differenziert werden muß, denn Bangue, mit knapp 30 Quadratmetern die kleinste des sandigen Quintetts, ist seit Mitte der 1990er Jahre sichtbar.

An ihrer Entwicklung zeigt sich die Fragilität des ökologischen Inselsystems, denn der Sand, aus dem Bangue langsam entsteht, wird offenbar von den zerbröselnden Dünen Bazarutos herübergeweht. Mit 103 Quadratkilometern noch die Größte der Inselgruppe und von 2500 Menschen bewohnt, bröckeln ihre Ränder dramatisch. Umherwandernde Menschen haben das schützende Flechtwerk aus Strandhafer und Kriechsukkulenten zertrampelt, während die frei umherlaufenden und sich ständig vermehrenden Ziegen der ohnehin nur mühevoll wachsenden Natur den Rest geben. (Margaruque ist 2,5 qkm klein und Paradise Island nur Null Komma Siebenundachtzig.) Auf Benguela, 25 Quadratkilometer groß und vom Rest der insgesamt knapp 4000 Köpfe zählenden Archipelbevölkerung bewohnt, ist derartiger Zerfall, wenn überhaupt vorhanden, noch nicht sichtbar. Milkwoodwald reicht bis zu den Säumen der Insel, die 180 Meter hohe Düne am Rande der beiden Süßwasserseen im Osten Benguelas scheint dem ständigen Wind vom Meer unverrückbar zu trotzen.
Am Fuß der Düne, der ein Teil des Strandes ist, haben Fischer ihre grobgeschnitzten Boote in den Schatten des Sandberges gezogen, umgedreht und nehmen auf den flachen Kielen ihre Tagesfänge aus. Hunderte von Seemöwen leisten ihnen Gesellschaft, sie arbeiten schweigsam, allein der dampfende Teekessel in der Glut eines mickrigen Feuers aus Treibholz vermittelt einen vagen, wenngleich dürftigen Eindruck von Lebensqualität. Inseltypisch, denn Grund allabendlich am Strand fröhliche Lieder zur Klampfe anzustimmen, haben diese Insulaner nicht.
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