Mosambik
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Kurzportrait Ob es eine gute Idee war, über das tansanische Dar-es-Salaam anzureisen, um Mosambik zu durchqueren und von Maputo via Johannesburg heimzureisen, blieb in der Reisegruppe noch lange umstritten. Dem alptraumhaften Verkehrsgetümmel der Millionenmetropole nach viel Geschrei und Gehupe im angemieteten Minibus glücklich entkommen, entpuppte sich die „B2“, immerhin Tansanias wichtigste Verkehrsader Richtung Mosambik, als ein Flickenteppich aus Teerstrecken, Baustellen und Sandpisten. Spätestens hier dämmerte es dem Letzten, dass Reisen in Afrika anderen Gesetzen folgen. Und dann unerwartet hinter Mtwara ein ganz passabler Straßenabschnitt bis zum Grenzfluss Rio Rovuma. Dort die nächste Überraschung: Die Autofähre – die einzige am ganzen Fluss – wartet schon und noch ein Glücksfall: Sie hat auch genug Wasser unter dem Kiel, da gerade die Flut vom Indischen Ozean den Flusspegel ansteigen lässt. Für viele Reisende (und noch mehr Gewerbetreibende) gibt es die frohe Botschaft, dass seit Ende 2009 nach endlosen Verzögerungen die „Unity Bridge“ weiter im Landesinnern als einzige Autobrücke an der 650 km langen Flussgrenze beide Länder miteinander verbindet.
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Arabische Kaufleute hatten im 10. Jahrhundert neben Ibo noch weitere Handelsposten entlang der mosambikanischen Küste errichtet. Bantuvölker im Binnenland waren ihre Geschäftspartner. Von ihrer Vorarbeit profitierten später die Portugiesen, nachdem ihr Nationalheros Vasco da Gama 1498 das Fernhandelspotential der Küstenstädte entdeckt hatte. Auf Kosten der Araber konnten sie ihren Einfluss ins Innere des Landes ausdehnen und besonders während der Blütezeit des Sklaven- und Elfenbeinhandels im 17. bis 19. Jahrhundert der multinationalen, räuberischen Unternehmerelite der „Prazeiros“ zu großem Reichtum verhelfen. Als Portugal es den anderen Kolonialmächten nachmachte und in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts so etwas wie ein Kolonialkonzept erdachte, änderte sich manches, nur nicht zum Guten. Neue Kolonialgesellschaften ersetzten das alte Machtsystem. Da das Mutterland seine Kolonie nicht gewinnbringend zu nutzen verstand, wurden englischen und südafrikanischen Gesellschaften weit gehende Rechte eingeräumt. Ihr Kapital beherrschte das Land und all die stolzen Kolonisten und Kaufleute mit portugiesischen Wurzeln waren letztlich Abhängige und Angestellte ausländischer Firmen. Die chaotische Kolonialpolitik der Monarchie wurde mit der Einführung der Republik (1910) keinen Deut besser. Salazars ständisch-autoritäres Regime schränkte die rechtliche und wirtschaftliche Position der Afrikaner noch weiter ein. Während andere Mächte schon Vorbereitungen für die Unabhängigkeit ihrer Kolonien trafen, ernannte Portugal seine Überseeterritorien zu Provinzen des Mutterlands. In dieser Zeit großer innerer Spannungen entstand die FRELIMO, der es 1974 gelang, die Portugiesen aus dem Land zu werfen und ein sozialistisches Experiment zu wagen, das unter den Schlägen der RENAMO und ihrer mächtigen Helfer und unter dem Eindruck des weltpolitischen Wandels aufgegeben wurde. Die Folgen des innermosambikanischen Machtkampfs sind noch nicht überwunden. Wie institutionalisiert wirkt das heutige Machtgefüge: FRELIMO regiert, RENAMO opponiert – ohne das Land wirklich voranzubringen die eine und ohne überzeugende Alternative die andere.
Foto: © Thomas Iwainsky - Fotolia.com Die Reisegruppe hat sich derweil akklimatisiert und brütet über Karten der Nachbarprovinz Niassa. Dass „4WD“ (Four Wheel Drive, Allradantrieb) Reisende in dieser Weltgegend am zuverlässigsten ans Ziel bringt, hat sich herumgesprochen. Doch man entscheidet sich für den Flug von Pemba zur Provinzkapitale Lichinga, damit möglichst viel Zeit bleibt für den Besuch des Niassa-Reservats und für einen Abstecher zum Niassa-See. Das Reservat ist eine der letzten großen, ursprünglichen Wildnisse Afrikas. Mit einer Fläche von 42.000 km² reicht es an die Größe der Schweiz heran. Atemberaubend seine Landschaft und unvorstellbar sein Tierreichtum! Allein auf 12-13.000 schätzt man die Zahl der Elefanten und an die 10.000 Gabelantilopen durchstreifen die Savanne in Gesellschaft von Elenantilopen und Gnus, Wasserböcken und Impalas, belauert von Löwen und Leoparden und einer großen Population des Afrikanischen Wildhunds. Inselberge, spektakuläre Felsformationen aus Granit, überragen Feuchtzonen und Savannen, Miombo-Wälder und Flusslandschaften. Überwältigend auch der Niassa-See, den man in den Nachbarländern Malawi-See nennt. Das riesige Binnengewässer, wegen seines unvorstellbaren Fischreichtums zum „Aquarium Gottes“ erklärt, ist 560 km lang, bis zu 80 km breit und über 700 m tief. Unzählige Seeadler kreisen über dem kristallklaren Wasser, Krokodile und Flusspferde wuchten ihre schweren Körper aufs Ufer, Fischer gehen auf Buntbarsch- und Welsjagd. Mancherorts hat sich an den schönen Seestränden eine anspruchsvolle touristische Infrastruktur entwickelt mit originellen Lodges und Camps. Ein mächtig lärmender, kleiner Flieger übernimmt die Reisegesellschaft und schaukelt mit ihr über Buschland mit imposanten Granitbergen und tiefgrüne Teeplantagen hinweg nach Nampula in der gleichnamigen Provinz. In flotter Fahrt auf guter Teerstrasse geht es von dort weiter an die Küste, wo eine zwei, drei Kilometer lange Brücke die Reisenden an einen außergewöhnlichen Ort bringt, auf die Ilha de Moçambique - für viele einer der Höhepunkte ihrer Mosambik-Reise. Ähnlichkeiten mit Ibo sind nicht zufällig. Beide Inseln waren Bestandteil eines mittelalterlichen indisch-arabisch-afrikanischen Handelsnetzes, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen übernommen und, im Fall der Ilha de M., zu einem maritimen Stützpunkt an der portugiesischen Route nach Ostindien ausgebaut wurde. Zum Schutz der Anlagen entstand zwischen 1558 und 1620 das Fort São Sebastião im Stil der italienischen Militärarchitektur der Renaissance. Die große Mehrheit der Bauten folgte südportugiesischen Architekturvorbildern, hier und da unterbrochen von dekorativen arabischen und indischen Fassaden. Ilha de M. profitierte wie alle dortigen Küstenstädte vom aufblühenden Sklavenhandel. Sie wird Hauptstadt der Kolonie, später amtiert hier sogar ein deutscher Konsul und Faktoreien deutscher Handelshäuser siedeln sich an. Dann wendet sich das Blatt. Die ökonomische Basis gerät ins Wanken, als der Sklavenhandel in Verruf gerät (nach 1840) und die Eröffnung des Suezkanals (1869) die profitablen Ostindienrouten weit nach Norden rückt. 1898 schließlich sticht Lourenço Marques (das heutige Maputo) die Ilha als Kolonialmetropole aus.
Kapelle Santo Antonio auf der Ilha de Mocambique Die schmale Insel hat gerade `mal eine Fläche von 1,5 km². Einfache, dicht bevölkerte Quartiere mit Dächern aus Palmblättern umringen, was von einstiger „Kolonialherrlichkeit“ die Zeiten überdauerte. Und das ist so bedeutend, dass die UNESCO das Städtchen 1991 in die Liste des Weltkulturerbes aufnahm. Herausragend die Capela de Nossa Senhora do Baluarte, erbaut 1522 und vermutlich das älteste europäische Gebäude in der südlichen Hemisphäre, das schon erwähnte Fort São Sebastião, der Palacio de São Paulo von 1674, einst Gouverneurssitz, die Moschee und der Hindu-Tempel, die Kirche der Miseriacordia von 1535, heute Museum, und als Erinnerung an einen großen Landsmann die Statue des Luís de Camões, der hier um 1570 das portugiesische Nationalepos „Os Lusíadas“ (Die Lusiaden) vollendete. Sein Thema: Vasco da Gamas Entdeckung der Seeroute nach Indien. Den artenreichen Gilé-Nationalpark im Schatten des steilwandigen Gilé-Inselbergs und das Büffel-Reservat von Marromeu nahe dem Sambesi-Delta wird die Reisegruppe auslassen. Auch die ursprünglich geplante Tour am Sambesi hinauf in die Provinz Tete zum Cabora-Bassa-Stausee muss aus Zeitgründen ausfallen. Noch einmal auftanken im Schatten von Kasuarinen-Bäumen am herrlich weißen Sandstrand Praia da Zalala, dann ertönt das Signal zum Aufbruch. Entlang riesiger Kokosnußpflanzungen und vorbei an Teeplantagen durchquert der Konvoi auf dem Weg in die Hafenstadt Beira die zentrale Provinz Sofala. Beira, 1891 als Endpunkt der Eisenbahnlinie von Harare und Mutare in Simbabwe gegründet, konnte eine Prise portugiesischen Kolonialflairs bis in die Gegenwart bewahren, besonders spürbar noch rund um den Kern der Altstadt. Attraktive Strände sind ganz nahe, doch im Vordergrund steht jetzt die günstige Flugverbindung zu einem der berühmtesten Nationalparks im Süden Afrikas, dem Gorongosa. Im April 2008 wurde er nach den Bürgerkriegswirren und anschließender Neubelebung für das Publikum wieder geöffnet. Seine früheren Bestandszahlen sind noch nicht erreicht, aber das Management ist zuversichtlich. Tiertransporte u. a. aus südafrikanischen Reservaten werden fortgesetzt, der Schutz der unterschiedlichen Ökosysteme verstärkt und die Einführung des Ökotourismus zur Bewahrung der natürlichen Grundlagen des Parks und um der lokalen Bevölkerung Einkommensquellen zu eröffnen, gilt als weiteres vorrangiges Ziel. Über 400 Vogelarten leben im Gelände. Die Zahl der Elefanten lag 2007 bei 300 (mit deutlicher Aufwärtstendenz!), Hunderte von Flusspferden und Tausende von Antilopen wurden gezählt: Gorongosa ist wieder ein Erlebnis!
Foto: © colibri - Fotolia.com Die stundenlange Fahrt von Gorongosa nach Vilankulo führt durch abgelegene Dörfer zurück an die endlosen Sandstrände am Indischen Ozean. Hier kann man in kleinen „casitas“ (Holzchalets) und ganz passablen Hotels Quartier beziehen oder zu den am Horizont treibenden Bazaruto-Inseln übersetzen. Der Archipel ist populär unter Gutbetuchten in Johannesburg und Durban, in Swasiland und natürlich Maputo, die bequem über den kleinen internationalen Airport von Vilankulo einschweben können. Die fünf Inseln werden stärker frequentiert als der Qirimbas-Archipel, doch in der Hand des Jetsets südafrikanischer Prägung sind sie nicht. Noch ist die Natur weitgehend intakt. Es gibt kilometerlange Strände und riesige Sanddünen, eine artenreiche Vogelwelt, prachtvolle Korallenbänke und eine Unmenge Meeresbewohner. Hotels gibt es auch, nicht viele und nur vom Feinsten, mit eigenem „airstrip“ und auch nur auf Bazaruto Island und Benguerra Island, die drei anderen Inseln sind klein bis winzig und bieten keine Unterkünfte. Wer am (fast) leeren Strand entspannen möchte, hat mit den Bazarutos die richtige Wahl getroffen. Auch Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, Taucher zumal, denn gerade Bazaruto Island zählt zu den besten geschützten Tauchrevieren Afrikas. Das Städtchen Inhambane liegt gut drei Stunden Fahrzeit südlich von Vilankulo. Hier war es, wo Vasco da Gama im Januar 1498 zum ersten Mal seinen Fuß auf ostafrikanischen Boden setzte. Der alte arabische Handelsposten entwickelte sich unter portugiesischer Kontrolle rasch zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Sklaven und Elfenbein. Wie die Überlieferung berichtet, wurden von hier unvorstellbare Menschenmengen nach Übersee verschleppt – von 15.000 in manchen Spitzenjahren ist die Rede. Für Freunde portugiesischer Kolonialarchitektur ist Inhambane ein Highlight wegen seiner Vielzahl historischer Bauwerke. Wer sich dagegen am Wasser entspannen will, hat die Wahl zwischen einigen der schönsten mosambikanischen Sandstrände. Für einen Abstecher ins Binnenland, in die Nachbarprovinz Gaza, gibt es gute Gründe, denn hinter dem Namen Great Limpopo Transfrontier Park verbirgt sich ein zukunftsweisendes Projekt in Gestalt eines länderübergreifenden Wildparks, der ursprünglich den südafrikanischen Krüger Nationalpark und den simbabwischen Gonarezhou Nationalpark sowie die mosambikanischen Nationalparks Zinave und Banhine umfassen sollte. Mittlerweile wurde das Projekt gestutzt und wird fürs Erste statt der geplanten 100.000 km² nur etwa 35.000 km² Gelände einbeziehen, darunter Landschaften von eigenwilliger Schönheit wie flussnahe Galeriewälder, hügeliges Buschland, Sandzonen, Mopane-Wälder. Zumeist ist das Terrain unwegsam und nur mit dem Geländewagen zu erkunden. Eine gute Kondition sollte man schon mitbringen. Doch die artenreiche Tierpopulation - allen voran die „big five“ - lässt alle Strapazen vergessen.
Nach einem 15-Minuten-Hüpfer mit dem Kleinflugzeug noch einmal einen halben Tag an den Stränden der Inhaca Insel die Seele baumeln lassen, ehe Maputo die Reisegruppe mit einem packenden Kontrastprogramm begrüßt. Hässliche sozialistische Wohnblocks und himmelstürmende Glasfronten begegnen selbstherrlicher Architektur der portugiesischen Kolonialzeit und der einst geometrisch angelegte Stadtkern, die „cidade de cimento“ (Zementstadt) der Wohlhabenden stößt übergangslos an ein Meer von Wellblech- und Strohdächern der Habenichtse in der „cidade de caniso“ (Strohstadt). Schöne Plätze, Grünanlagen, großzügige Alleen schaffen Freiraum, einer der besten Naturhäfen Ostafrikas boomt und die Slums und Notquartiere platzen aus allen Nähten, eine wache Latino-Kultur mit viel Musik und Kunst und einem im südlichen Afrika unerreichten Nachtleben setzt selbstbewußte Akzente. Blendend weiß strebt die katholische Kathedrale an der Praca de Independencia in die Höhe, nebenan weht die grün-schwarz-gelbe Nationalflagge mit den revolutionären Symbolen Hacke, Buch, Kalaschnikow über der Statue des Samora Machel, des langjährigen Chefs der FRELIMO und ersten Staatspräsidenten des Landes. Ein paar Straßen weiter hat sich kein geringerer als Gustave Eiffel mit der „casa do ferro“, dem Eisenhaus, verewigt, das eigentlich nicht in dieses Klima passt – man sieht es ihm an – und das meinte auch der portugiesische Gouverneur, der hier eigentlich residieren sollte. Und auch der phantastische Bahnhof, der wohl schönste Afrikas und siebentschönste der Welt, wie „Newsweek“ herausfand, soll Eiffels Werk sein. Baubeginn 1908, eingeweiht 1910, selbst das ist strittig und die Urheberschaft Eiffels sowieso, drei portugiesische Architekten sollen es gewesen sein. Wie es war, früher in Lourenço Marques, erfährt man in der Fortaleza, dem Fort von Maputo, und wer sich noch nicht für die Rückreise mit Andenken eingedeckt hat, stößt auf Unmengen kunstvoll Geschnitztes auf dem Mercado do Pau.
Eckart Fiene
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Reiseinfos Flugverbindungen: Ab Frankfurt/Main mit Anschlüssen von/nach allen deutschen Flughäfen mit dem Lufthansa-Star Alliance-Partner South African Airways via Johannesburg (Südafrika) nach Maputo, der Hauptstadt von Mosambik (reine Flugzeit ist 10,5 + 1,5 Stunden + Umsteigezeit in Johannesburg). Eine weitere Möglichkeit bietet die Verbindung der TAP Portugal (auch Star Alliance-Partner) von Frankfurt via Lissabon (hier sehr langer Zwischenstop) nach Maputo. Internationale Verbindungen nach Maputo bestehen auch von Nairobi/Kenia, Luanda/Angola und Dar-es-Salaam/Tansania. Zeitzone: Mosambik liegt in der Central Africa Time Zone (CAT). Zur mitteleuropäischen Sommerzeit besteht keine Zeitdifferenz. Während der mitteleuropäischen Winterzeit ist Mosambik eine Stunde voraus. Einreisebestimmungen: Für die Einreise ist ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass erforderlich. Außerdem benötigen Reisende ein Visum, das bei der Botschaft der Republik Mosambik in Berlin eingeholt werden kann. Um möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt es sich, Kinder ab sechs Jahre mit einem Europapass auszustatten. Wer von Mosambik aus einen Ausflug nach Südafrika (z. B. in den Krüger Nationalpark) oder in andere Nachbarländer plant, sollte eine Mehrfacheinreise („Visto Multiplo“) beantragen, da vor Ort ein Wiedereinreisevisum nicht ausgestellt werden kann. Sicherheitshinweise: Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit sind wegen des teilweise extrem schlechten Straßenzustands zu vermeiden. Besonders während der Regenzeit (Okt./Nov. bis etwa März/April) muß mit unpassierbaren Haupt- und Nebenstraßen gerechnet werden. Querfeldeinfahrten bergen hohe Risiken, da es noch immer zahlreiche markierte und unmarkierte Minenfelder aus der Bürgerkriegszeit gibt. Die Gewaltkriminalität ist in den größeren Städten stark angestiegen. Man sollte unterwegs nur soviel Bargeld mit sich führen, wie für den Tag benötigt wird. Geld und Wertgegenstände gehören in den Hotelsafe, am besten auch beglaubigte Kopien von Reisepass und Führerschein. Da in Mosambik Ausweispflicht herrscht, müssen Reisende ihren Pass und, wenn sie mit dem Wagen unterwegs sind, auch ihren Führerschein im Original mit sich führen. Geld/Währung: Am 1.7.2006 wurrde die alte Währungseinheit Metical durch den Neuen Metical im Verhältnis 1:1.000 ersetzt. 1 Metical (Plural: Meticais) = 100 Centavos. Statt Travellercheques empfiehlt sich die Mitnahme von Bargeld in US-Dollar oder südafrikanischen Rand. Der Euro wird außerhalb der Hauptstadt nur selten akzeptiert. Kreditkarten (vorzugsweise Visa) sind von sehr begrenztem Nutzen, weil nur große Hotels, Restaurants, Supermärkte sowie Mietwagenfirmen in Maputo und Beira darauf eingestellt sind. In größeren Städten kann man an Geldautomaten mit der Visa-Karte und zunehmend auch mit der EC-Karte Geld abheben. Telefon: Die Landesvorwahl von Mosambik ist 00258. Telefonieren mit dem Mobiltelefon (GSM Standard) ist möglich. Näheres weiß der Netzbetreiber. Netzspannung: 220 – 230 Volt Wechselstrom. Die Mitnahme eines Adapters für englische Steckdosen (dreipolig) ist ratsam. Klima/Reisezeit: Der Süden Mosambiks weist ein ausgeprägt subtropisches Klima auf mit relativ geringen Niederschlagsmengen wie in der Provinz Gaza (400 mm) oder in Maputo (800 mm). Nördlich des Save – Flusses macht sich zunehmend wechselfeucht tropisches Klima bemerkbar. Im nördlichen Hochland und in den gebirgigen Landesteilen an der Grenze zu Zimbabwe gehen bis zu 2.200 mm Regen nieder. Unter dem Einfluß des Nordost-Monsuns beginnt die Regenzeit im Oktober, manchmal auch erst im November. Im März/April setzt sich die trockene Saison durch, in der sich bis zum Einsetzen der Regenzeit die Temperaturen kräftig aufheizen können (bis 35 Grad) und vor allem in den südlichen und zentralen Regionen häufig Dürreperioden zur Folge haben, denen in den niederschlagsreichen Monaten nur allzu oft zerstörerische Zyklone und Überschwemmungen nachfolgen. Die beste Reisezeit sind die Monate April bis Oktober. Medizinische Hinweise: Der tropische Charakter großer Landesteile birgt eine Reihe von Risiken, die am besten in einer tropenmedizinischen Beratungsstelle oder mit Hilfe eines Tropen- bzw. Reisemediziners geklärt werden sollten. Eine Malariaprophylaxe steht sicher an erster Stelle. Auch ist wirksamer Schutz gegen das Dengue-Fieber und Chikungunya-Fieber (kompletter Mückenschutz) sowie Durchfallerkrankungen und Cholera (Hygienemaßnahmen, Desinfektion) unerläßlich. Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A zählt zu den Standardempfehlungen des Auswärtigen Amts. Da die medizinische Versorgung vor Ort unzureichend ist, sollte die persönliche Reiseapotheke gut ausgestattet sein sowie eine Auslandsreise-Krankenversicherung einschl. Reiserückholversicherung abgeschlossen werden. Landessprache: Portugiesisch, eingeführt von der früheren Kolonialmacht Portugal. Doch nicht jedem Mosambikaner ist die offizielle Landessprache geläufig. Besonders außerhalb der größeren Städte dominieren rund 40 Dialekte der großen Bantu-Sprachfamilie. Am meisten verbreitet sind Yao, Makonde, Lomwe, Ngoni, Sena, Zulu, Tsonga, Ndau. In größeren Städten und manchen Hotels kann man sich in Englisch verständigen, Deutsch dagegen wird kaum gesprochen.
Statistik Lage und Fläche: Das südostafrikanische Land an der Straße von Mosambik, einer Meerenge des Indischen Ozeans zwischen dem afrikanischen Kontinent und Madagaskar, ist mit 799.380 km² so groß wie Deutschland, Polen, Tschechien und die Slowakei zusammen. Seine Ost- und Südostküsten grenzen an den Indischen Ozean, der nördliche Landesteil an die Vereinigte Republik Tansania, der Nordwesten an Malawi und Sambia. Im Westen hat das Land gemeinsame Grenzen mit Simbabwe, im Südwesten und Süden mit der Republik Südafrika und Swasiland. Landschaftsformen: Mosambik weist eine ausgeprägte Tieflandzone auf, die von der Küste weit ins Landesinnere reicht. Sie nimmt den gesamten südlichen Landesteil ein, verengt sich nördlich des 20. Breitengrads in Höhe der Großstadt Beira zu einem immer noch 100 – 130 km breiten Tieflandstreifen, der die Küste bis zur tansanischen Grenze begleitet. Gestreckte Sandbuchten, Nehrungen, auch Klippen und hohe Dünen prägen die südlichen Küsten. Nördlich des Sambesi-Deltas sind es lange Sandstrände und vorgelagerte Korallenbänke, gelegentlich auch Steilküsten. Zahlreiche Flüsse queren das Tiefland. Während der Regenzeit lagern sie fruchtbare Sedimente in den Schwemmlandebenen ab. Ohne diesen alljährlichen Nährstoffeintrag wäre die Existenz der von der Landwirtschaft abhängigen Bevölkerung in Frage gestellt. Im Hinterland der Küstenebene steigt das Terrain stufenförmig an und bildet von markanten Inselbergen überragte Hochplateaus, die im Nordwesten in der Nachbarschaft zu Malawi und im Westen in Reichweite Simbabwes in steiles Bergland übergehen. Hier liegt mit dem Monte Binga (2.436 m) der höchste Gipfel des Landes. In Mosambik endet das Ostafrikanische Grabensystem, das 6.500 km weiter nördlich am Toten Meer beginnt. Die gebirgigen Regionen im Westen sind Teil seiner Randstufe und auch der zwischen Malawi und Mosambik geteilte Niassa-See zählt zum Grabensystem. Vegetation: Der tropische Regenwald ist auf dem Rückzug. Trockensavanne und Trockenwald bestimmen weitgehend die Vegetation. Niedrig wachsender und von Gräsern und Sträuchern durchsetzter Miombo-Trockenwald, der Schoten hervorbringt und in der Trockenzeit das Laub abwirft, dominiert in der Mitte und im Norden des Landes. Seine mosambikanischen Bestände bilden mit denen der Nachbarländer das größte, rund 5 Mio. km² umfassende Trockenwaldgebiet der Erde. Besonders in den Provinzen Tete, Cabo Delgado und Inhambane stößt man häufig auf den eigenartigen Baobab-Baum (Afrikanischer Affenbrotbaum), der in seinem gedrungenen, mächtigen Stamm Wasser für die Trockenzeit speichert. Gut gewappnet gegen Trockenphasen ist auch der für die südafrikanische Baumsavanne so typische Mopane-Baum. An Mosambiks Flußufern gedeihen Galeriewälder, im Dünengürtel der Küsten die genügsamen Kokosplamen und in den Buchten und Brackwasserzonen haben sich Mangroven angesiedelt, ein immergrünes Hartlaubgewächs, das die Flutwellen bändigt und so die Abtragung der Ufersande verringert. Man schätzt die Artenzahl der mosambikanischen Pflanzen auf über 5.600, wovon annähernd 250 als endemisch gelten. Tierwelt: Der Wildtierbestand in den Schutzgebieten wurde während des Bürgerkriegs vernachlässigt und durch Wilderei stark dezimiert. Inzwischen konnten sich die Bestände durch Reaktivierung der alten Reservate und Einrichtung Neuer gut erholen und so zählen Begegnungen mit Elefanten und Giraffen, Zebras und Antilopen, Löwen und Gnus wieder zu den großen Erlebnissen in diesem Land. Die Vogelwelt ist mit über 600 Arten vertreten, darunter so seltene wie der Grünkopfpirol oder der Klunkerkranich, Kapgeier und Olivkopfweber. 170 Arten Reptilien wurden gezählt und vierzig Amphibienarten. Gleich fünf der sieben Meeresschildkrötenarten nutzen die mosambikanischen Küstenstrände zur Eiablage (Echte und Unechte Caretta, Lederschildkröte, Oliv-Bastardschildkröte und die Suppenschildkröte). In den Gewässern des Bazaruto- und des Quirimbas-Archipels verbirgt sich eine schrumpfende Population der vom Aussterben bedrohten Dugongs (Seekühe). In riesiger Zahl dagegen bekommen Schnorchler und Taucher farbenprächtige Korallenfische zu Gesicht. Dazu gesellen sich Spinnerhai, Walhai und Buckelwal, Rochen, Travelli und Schwarzer Marlin. Staat und Politik: Die República de Moçambique hat als Regierungsform ein Präsidialsystem eingeführt. Es räumt dem vom Volk gewählten Präsidenten eine zentrale Position im Staat ein. Er ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef, Oberbefehlshaber der Streikräfte und Präsident des Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrats. Die Legislative liegt bei den 250 Abgeordneten der Assembleia da República, als Regierung (Exekutive) fungiert der Conselho de Ministros (Ministerrat), einschl. Staatspräsident und Premierminister. Die Verfassung von 2004 garantiert grundlegende Bürger- und Menschenrechte. Sie erklärt Dezentralisierung, Gewaltenteilung und ein Mehrparteiensystem zu Grundsätzen des Staates. Freilich bleibt das Parteiensystem zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsgegnern FRELIMO und RENAMO, die heute als politische Pateien agieren, polarisiert. Als sozialistische Befreiungsbewegung erkämpfte die FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique) 1975 die Unabhängigkeit von Portugal. Die unter einem antikommunistischen Cover operierende RENAMO (Resistência Nacional Moçambicana) stützte sich auf das südafrikanische Apartheidsregime und US-amerikanische Kreise. Die heute sozialdemokratisch orientierte FRELIMO stellt seit 1975 die Regierung, größte Oppositionspartei ist die RENAMO. Das Land gliedert sich in elf Provinzen: Cabo Delgado, Nampula und Niassa bilden die Nordregion, zur Zentralregion zählen Manica, Sofala, Tete und Zambésia. Aus Gaza, Inhambane, Maputo-Provinz und Maputo-Stadt setzt sich die Südprovinz zusammen. Hauptstadt: Maputo mit 1,1 Mio. Einwohnern (Census 2007) Bevölkerung: 20,5 Mio. Einwohner (Census 2007). Das jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei 1,95 %. 99 % der Mosambikaner gehören Bantu-Völkern an. Man unterscheidet 60 Gruppen, die in vier Großgruppen zusammengefaßt werden. In den größeren Städten lebt eine kleine Minderheit eingewanderter Inder und Chinesen sowie Portugiesen und Abkömmlinge aus portugiesisch-mosambikanischen Verbindungen. Angaben zur Religionszugehörigkeit beruhen auf Schätzungen, die ein unklares Bild vermitteln. Danach könnten bis zu 50 % der Mosambikaner Anhänger herkömmlicher Naturreligionen sein. Der Anteil der Muslime soll sich zwischen 10 und 20 % bewegen, die der Christen zwischen 37 und über 50 %. Verkehrsverbindungen: Ein von internationalen Geldgebern gestütztes Programa Integrado do Sector de Estradas soll bis 2011 das Straßennetz verbessern. Etwa 8.500 km werden dann asphaltiert sein. Die verbleibenden 22.000 km sind strapaziöse Pisten, für die ein Wagen mit Vierradantrieb die beste Lösung ist. Verläßlich, schnell und preiswert sind Fahrten mit Bussen. Sie verkehren bis in die letzten Winkel Mosambiks. Das Bahnnetz beschränkt sich fast ausschließlich auf Gütertransporte, ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Anrainerstaaten ohne eigenen Zugang zum Meer. Alle Strecken verlaufen in West-Ost-Richtung (von Sambia und Malawi zum Hafen Nacala, aus Simbabwe nach Beira, von Südafrika, Swasiland und Simbabwe zum Haupthafen Maputo). Nord-Süd-Verbindungen gibt es nicht. Wichtigster Flughafen ist Maputo (auch Beira gibt sich einen internationalen Anstrich). Der nationale Carrier LAM und kleine Regionalgesellschaften fliegen ca. 20 ausgebaute Flugplätze und über 100 unbefestigte Pisten an. Wirtschaft: Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Rund 50 % seiner Einwohner leben in absoluter Armut. Nach der marktwirtschaftlichen Umorientierung Anfang der 90er Jahre wurden zwar alljährlich eindrucksvolle Wachstumsraten verzeichnet, doch blieben Wohlstandseffekte für die große Mehrheit der Bevölkerung aus. Profiteure waren eine kleine einheimische Elite, ausländische Investoren und Abnehmer. Immer noch ist die Infrastruktur als Folge von Unabhängigkeitskampf und anschließendem Bürgerkrieg in einem desolaten Zustand. Das betrifft Straßen und Häfen genauso wie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Die Behörden arbeiten ineffizient, die Korruption blüht, 16 % der Erwachsenen gelten als HIV-infiziert, periodische Dürrephasen und Überschwemmungen schädigen immer wieder Anbauflächen und die landwirtschaftliche Infrastruktur, die Arbeitslosenquote liegt bei 50 %. Mosambik wird daher noch lange Zeit auf internationale Hilfe angewiesen sein bis eine Erfolg versprechende ökonomische Entwicklung in Gang kommt. 2009 traten 25 Staaten, acht multinationale Organisationen sowie elf UNO-Unterorganisationen als Geber auf. So erhält Mosambik als eines der ersten Länder weltweit im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine direkte und ungebundene Budgethilfe zum Staatshaushalt als Beitrag zur Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie. Andere (deutsche) Schwerpunkte sind Bildung, ländliche Entwicklung, Stärkung und Ausbau des Finanzsektors. Entwicklungsfähig ist die Landwirtschaft, zumal ausreichend fruchtbarer Boden vorhanden ist und 80 % der arbeitenden Bevölkerung hier ihren Lebensunterhalt verdienen, die neben der eigenen Ernährung auch schon „cash crops“ wie Rohrzucker, Cashew-Nüsse, Baumwolle, Tabak, Erdnüsse, Tee anbaut. Zukunft haben auch die Sektoren Rohstoffe, Bergbau und Energie, in denen vielversprechende exportorientierte Großprojekte entstanden bzw. geplant sind (Erdgas, Erdöl, Bauxit/Aluminium, Kohle). Das Problem: meist sind sie in der Hand ausländischer Investoren. Ungehobene Schätze sind die Vorkommen von Kupfer- und Eisenerz, Phosphat, Feldspat, Zirkonium, Mangan, Nickel. Firmen aus aller Welt zeigen daran großes Interesse. Zu den aussichtsreichen Wachstumssektoren zählt die Regierung den Tourismus als eine Art Schlüsselelement der Wirtschaftsentwicklung. Das Land, so die hochfliegenden Erwartungen, soll „die dynamischste Destination in Afrika“ werden! Binnenlandschaften und Meeresstrände, Tierwelt und Pflanzenvielfalt und nicht zuletzt Sehenswürdigkeiten wie das zum Weltkulturerbe gehörende Inselstädtchen Moçambique bilden die Basis für den Tourismus. Als Achillesferse erweist sich freilich die mangelhafte touristische Infrastruktur: Kleine und mittlere Dienstleister sind Mangelware, es existieren kaum angemessene Unterbringungsmöglichkeiten außerhalb der Urlaubshotels, Fachkräfte fehlen allenthalben, der Transportsektor harrt der Erneuerung etc. Höchstens ein Fünftel (das sind 100.000) der nach Mosambik Einreisenden definiert sich als „Tourist“. Etwa ein Drittel von ihnen sind Europäer. |