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Galopp bis zum Horizont

Da bin ich schon seit einer knappen Woche im Hinti-Gebirge unterwegs. Eben haben wir ein Tal am Fuße eines Passes erreicht. Blühende Wiesen erstrecken sich über das Hochplateau, die Sonne scheint, sanfter Wind weht: „Yiieeg!“ Ohne zu zögern fallen die Pferde in einen ausgelassenen Galopp und ich schwenke meinen Hut vor Begeisterung.

Mongolei / Ritt im Gelände

Wo sonst kann man bis an den Horizont galoppieren? Ohne ihnen Hilfen geben zu müssen, setzen unsere Pferde elegant über Hecken und sehen sogar beim Springen am Boden die Eingänge der Bauten zahlreich hier vorkommender Murmeltiere. Andernorts wären diese für Pferd und Reiter Verderb – Takkis hingegen ändern selbst im Sprung ihre Richtung. Nie habe ich mich auf einem Pferd sicherer gefühlt.

Wohin mit dem Zelt?

Auch, als wir das Hochmoor erreichen. Träge, wie in Wellen, bewegt sich der Boden, um irgendwo wieder aufzubrechen. Sumpfdotterblumen und Schilf schwanken mit. Ist es nicht unmöglich, hier ein Zelt für die Nacht zu errichten? Tsoogoo lächelt. „Hagin Nuur“, sagt er und weist nach vorne. Und tatsächlich vergeht keine Viertelstunde, bis sich der dichte Wald öffnet und der „Schwarze See“ vor uns liegt. Wie kreisrunde Wolken liegen Jurten an seinem Ufer, zwischen ihnen weiden Herden von Ziegen, Pferden, Schafen, Rindern und Yaks.

Ein paar Tropfen Kymuss für die Geister

Als wir näher kommen, öffnet sich die buntbemalte Tür eines der Rundzelte und eine Frau tritt heraus. Sie trägt eine Kanne Kymuss – frisch vergorener Stutenmilch – und ein Tablett mit getrocknetem Yoghurt und Käse. Sie heißt uns also willkommen, Gäste sind in dieser Einöde rar. Vor dem Trinken schnippe ich ein paar Tropfen über die Schulter und lasse ein paar Krümel fallen: eine Gabe an die Geister. Aus der Jurte plärrt das Jingle eines Werbespots – Ruski TV ist mit dem Abendprogramm on air. Beim abendlichen Fernsehkonsum wollen wir nicht stören und verabschieden uns nach ein paar Floskeln; vor den Jurten stehen schon gepackte Kisten. Die sind untrügliche Zeichen dafür, dass die Familie ihre Habe zusammenpackt und in Kürze zu ihrem Winterquartier aufbrechen wird.

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