Das Erbe von Dschingis Khan
Mongolei: zwischen Taiga und Wüste Gobi
Text und Fotos: Elke Sturmhoebel

Bloß nicht auf die Türschwelle treten. Schließlich
will keiner von uns Unglück über die Familie bringen, nachdem
wir so freundlich in ihre Jurte gebeten wurden. Schnell werden noch ein
paar Sitzgelegenheiten für die Gäste herbei geschafft. Schovo,
das Oberhaupt, rafft seinen Deel, setzt sich an die Stirnseite gegenüber
der Tür und kreuzt die blanken Stiefel. Links von ihm nimmt seine
Frau Dulamsuren Platz. Und nun hocken wir alle auf den Betten und niedrigen
Hockern und schauen etwas verlegen in die Runde. Die Enkel der beiden Alten
beäugen neugierig die Fremden, die unerwartet kamen und nun den ganzen
Raum einzunehmen scheinen.
Die Jurte ist sparsam möbliert. Zwei Betten, Tisch und Hocker, ein
Regal mit ein paar Töpfen und wenig Geschirr, eine Kommode mit Familienfotos,
ein Hausaltar mit einer bronzenen Buddhastatue. In der Mitte der eiserne
Ofen. Wenn man alle zwei Wochen die Weide wechseln, samt Hausstand und
Dach über dem Kopf umziehen muss, kann man sich nutzlose Dinge nicht
leisten. In der Jurte ist nichts überflüssig und somit fügt
sie sich perfekt in die karge Landschaft ein. Denn weder Mauern noch Zäune
zerteilen die Steppe. Weder Fabrikschlote noch Hochspannungsmasten streben
in den blauen Himmel. Höchstens ein qualmendes Ofenrohr ragt aus der
Jurte.
Schovo, der Pferde und Jaks züchtet, zückt seine Schnupftabakflasche
und reicht sie weiter. Der Austausch dieses zumeist prächtig verzierten
Utensils ist Ritual unter Männern. Leider frönt keiner aus unserer
Gruppe diesem Laster. Daran schnuppern muss also genügen. Dann setzt
Schovo zu einer kleinen Begrüßungsrede an. Er betrachte es als
gutes Omen für seine Familie, dass Menschen aus einem so fernen Land
seine Jurte besuchen, übersetzt Tunga, unsere mongolische Begleiterin.

Tradition und Moderne
Nicht weit vom Touristencamp hat die Nomadenfamilie ihr Lager aufgeschlagen. Da bot es sich an, nach einer Wanderung dort einmal einzukehren. Schon von weitem blitzten die mit weißem Tuch verkleideten Behausungen aus Holz und Filz. Im Umkreis der Jurte sammelte ein kleiner Junge Dung für den heimischen Herd. Von einer jungen Frau wurden gerade die Stuten gemolken. Die Holztür der Jurte stand offen.
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