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Monaco im Überblick

Die so gar nicht in die liebliche Landschaft der Côte d`Azur hineinpassende, eng gestaffelte Hochhauskulisse zwischen Nizza und der italienischen Grenze ist der Welt berühmtester Zwergstaat und einer ihrer reichsten Landstriche.

Monaco steht für Luxus und Glamour, für halbfeudale Herrschaftsstrukturen und Hightech, für umstrittene Finanzaktivitäten und „grüne“ Zukunftspläne, ist der Regenbogenpresse liebstes Kind, eine Hochburg fulminanter sportlicher und kultureller Events, für Glücksspieler die große Hoffnung und für Steuerflüchtlinge eine nicht minder große Versuchung, und seine Neubürger, die mutmaßlich Reichen und die vermeintlich Schönen betört das kleine Land im Süden Frankreichs mit den Attributen, auf die es von Beginn an gesetzt hat, auf Exklusivität, Sicherheit und Lebensqualität. Doch allen Vorhaben und Gedankenspielen kommt stets und ständig ein Umstand in die Quere, der jedem Besucher sofort ins Auge sticht: die widrige Topographie und eine beängstigende Raumnot.

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Altes Dilemma – neue Projekte

So kam, was kommen mußte. Man baute in die Höhe und das nicht besonders phantasievoll. Die schöne Vorstellung von einem romantischen Fürstensitz vergeht so manchem Reisenden schon beim Verlassen des in den Fels getriebenen Prachtbahnhofs von Monte Carlo, wenn man sich unvermittelt einfallslosen Hochhausfronten gegenübersieht und in einer ersten, heftigen Enttäuschung schon mal „verblüffende Ähnlichkeit mit den Plattenbauten von Berlin-Marzahn und der Gropiusstadt“ konstatiert. Die frühen Sünden des von den Superreichen der Welt angeheizten Baubooms sind mittlerweile einem überlegten Umgang mit der Gestaltung des Fürstentums gewichen. Baudichte und Bauhöhe sind festgelegt, im größten Teil Monacos besteht eine direkte Baugenehmigungspflicht des Fürsten. Noch unter Rainier III. entstand durch Landgewinnung (immerhin 32 ha) der westliche Stadtteil Fontvieille mit Stadion, Sporthalle, Universität, Industrieanlagen und Parks und nicht zu vergessen: neuen Yachtliegeplätzen im Port de Fontvieille unterhalb des Palastfelsens. Anfang des Jahrtausends wurde im benachbarten Port Hercule, mit Drehgelenk an der Spitze des Palastfelsens fixiert, eine 352 m lange Pier in Betrieb genommen, um endlich auch in Monaco die neue Generation der Kreuzfahrtschiffe begrüßen zu können. Die Verwirklichung eines anderen Megaprojekts steht in den Sternen, denn die verschärften Umweltauflagen können den geplanten, wie eine Ölplattform auf Stützen in der Bucht ruhenden Stadtteil „Le Portier“ (0,275 km²), noch scheitern lassen, ganz zu schweigen von utopischen Projekten wie dem 400 m hohen „Tour de la Mer“, einem schwimmenden Turmbau mit Wohn- und Geschäftsflächen, der draußen in den monegassischen Hoheitsgewässern dümpeln soll.     

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In der Abkehr von gigantischen Projekten und einer behutsamen und diskreten Umwandlung Monacos in ein grünes Musterländle, das sich nachhaltiger Entwicklung verschreibt und als vollwertiger Finanzplatz positioniert, sieht Fürst Albert II. offenbar die Zukunft seines Landes, das lange genug, jedenfalls nach dem Bonmot Somerset Maughams a sunny place for shady people war, ein sonniger Platz für zwielichtige Leute. Während Alberts Vater, Rainier III., über mehr als ein halbes Jahrhundert mit einer etwas anrüchigen Mischung aus Glamour und Geld den Wohlstand des Fürstentums mehrte und auch die eigene Familie dabei nicht vergaß (sie soll ein Vermögen von etwa 2 Mrd. Euro besitzen – etwas mehr als die englische Königin), will Albert II. mit einigen Praktiken der Vergangenheit brechen. Ethik ist nicht teilbar. Geld und Ehrenhaftigkeit müssen dauerhaft im Einklang stehen, sagte er im April 2005 anläßlich seines Amtsantritts. In seiner neuen Rolle als Mäzen der nachhaltigen Entwicklung gründete er eine hochkarätige Umweltstiftung – neben bekannten Wissenschaftlern sitzt auch der frühere Umweltminister Klaus Töpfer im Stiftungsrat – die zu hause und weltweit Projekte unterstützt und im Februar 2008 Gastgeber der UNO-Umweltorganisation UNEP war.

Von einem Spektakel zum nächsten Event

Man muß seinen finanzstarken und prestigebewußten (Dauer)gästen etwas bieten. So bricht in Monaco der Reigen hochklassiger Veranstaltungen nie ab. Er beginnt im Januar mit dem Internationalen Zirkusfestival unter der Schirmherrschaft der Fürstenfamilie, gefolgt von der seit 1911 ausgetragenen Rallye Monte Carlo, die hauptsächlich durch die französischen Seealpen kurvt. Im April startet das Tennis-Masters-Series-Turnier und Ende Mai wird es ungemütlich im Fürstentum, wenn die Boliden der Formel 1 durch die Häuserschluchten röhren, tagelang Benzingestank in den Straßen hängt, Drahtverhaue die Passanten ins Abseits drängen, die Renncrews in ihren blauen, roten, gelben Overalls wichtigtuerisch herumstolzieren. Am Sonntag geht es dann endlich zur Sache: das neben Valencia einzige, auf öffentlichen Straßen ausgetragene Formel-1-Rennen Europas jagt über den halsbrecherischen 3,34 km langen Rundkurs zwischen Casino und Quai Antoine 1er. 78 Runden sind zu überstehen, 1.000 Kurven zu bewältigen, alle 2,1 Sekunden ist zu schalten, insgesamt 3.000 Mal.
Überregionale Bedeutung haben die Oper, das Ballettensemble und das Philharmonische Orchester von Monte Carlo erworben und von beträchtlicher Ausstrahlung sind auch die Darbietungen im Théâtre Princesse Grace. Einen prominenten Platz in der internationalen Musik- und Fernsehbranche nehmen die jährlichen World Music Awards und das Fernsehfestival ein.
Nach so vielen Attraktionen ist Entspannung angesagt. Wie wär`s mit Schwimmen an der Plage du Larvotto, einem öffentlichen, bewachten Strand mit allen erdenklichen Bequemlichkeiten oder doch im mondänen Monte Carlo Beach, das mit seinem ozonfiltrierten, beheizten Meerwasser-Überlauf-Schwimmbecken und diversen Luxuseinrichtungen lockt? Aber: „Außerhalb der Strände und Badeanstalten darf nicht im Badeanzug, mit nacktem Oberkörper oder barfuß herumgelaufen werden“, warnt die Direction du Tourisme. Fairerweise sollte auch gleich Monacos flächendeckende Videoüberwachung erwähnt werden, die eigentlich nach Kriminellen Ausschau hält, aber auch Halbnackte identifizieren kann. Lieber nicht ausprobieren, denn Unruhestifter werden eingesammelt und jenseits der Grenzen wieder ausgesetzt!

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Irgendwann überkommt jeden Besucher das heftige Verlangen nach einem opulenten Diner in nobler Umgebung. Doch „bei Galadiners ist Abendkleidung (Smoking) vorgeschrieben“, gibt die Direction du Tourisme zu bedenken und die Allgegenwärtige weiß auch schon, wie man zu einem perfekt sitzenden Smoking kommt: auf Anfrage stellt sie Adressen von Smoking-Verleihfirmen zur Verfügung. Bei zwangloseren Begängnissen ist man mit Jackett und Fliege korrekt gekleidet.  Nach Crevettes au pastis, gefolgt von Seeteufelscheiben mit Auberginenkaviar, roten Paprikacoulis und Sternanis folgte dann doch noch ein eigentlich nicht vorgesehener zweiter, kostspieliger Abstecher in die Haute Cuisine zu Poulet de Bresse und sauce suprême mit Trüffeln, begleitet von gedünsteten grünen Spargelspitzen. Wer mit dem atemberaubenden Panorama Monacos zu Füßen gerne gut ißt und Menues ab 120 Euro verkraften kann, ist im „Pistou“ am rechten Ort, auch auf der Dachterrasse des „Le Grill“ im legendären Hotel de Paris oder im „Le Vistamar“ des Hotels Hermitage.    

Stadtrundgang

Nach dem etwas leichtfertigen Ausflug in die Welt gutbetuchter Gourmets ist Bodenständiges gefragt. Und das findet man in den typischen Restaurants, Bäckereien und Metzgereien der Altstadt von Monaco-Ville. Hier gibt es leckere Reis- und Kürbispasteten, die Barbagiuan heißen und Socca, eine heiße Crêpe aus Kichererbsenmehl oder Stocafi, Stockfisch in Tomatensauce mit Gewürzen der Provence und geschmorten schwarzen Oliven, und das köstliche Fougasse, ein mit Orangenblütenessenz parfümiertes Feingebäck, bestreut mit Haselnüssen, Mandeln, rotem und weißen Anis.

Vis-à-vis der Altstadtgassen öffnet sich der Place du Palais mit schönem Panoramablick in alle Richtungen und dem Fürstenpalast (Palais Princier) an seiner Nordseite. Zahllose Besucher finden sich hier jeden Tag pünktlich um 11.55 Uhr zum Wachwechsel der prächtig uniformierten Fürstengarde ein. Bis in das 13. Jahrhundert reichen die Ursprünge des Palastes zurück. Oft um- und angebaut, zeigen die Mauern und Türme Stilelemente der Renaissance. Wenn die Grimaldis in den Sommermonaten das Weite suchen, auf dem Tour Sainte Marie die fürstliche Fahne eingeholt wird und die Regenbogenpresse für einen Moment die Lust verliert, durch die Vorhänge der 235 Zimmer zu spähen, ist die Stunde der von weither Angereisten gekommen: sie dürfen einige der schwülstigen Prunkräume, den Thronsaal, die Palastkapelle und einiges mehr besichtigen.   
Die Kathedrale Notre-Dame-Immaculée, aus weißen Kalksteinen im neoromanischen Stil 1875 – 1884 erbaut, ist die letzte Ruhestätte der verstorbenen Mitglieder der Fürstenfamilie. Auch an Gracia Patricia erinnert eine schlichte Grabplatte mit der Inschrift Gratia Patricia MCMLXXXII. Neben ihr ruht Rainier III.

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Am Rande des 300 X 800 m großen Felsplateaus, auf dem der Palast thront und die engen Gassen zum Bummeln und Schauen einladen, steht 87 m über dem Meeresspiegel das berühmte Musée Océanographique, eine der größten Sehenswürdigkeiten an der Côte d`Azur. Rainiers Großvater, Fürst Albert I., ein rastloser Meeresforscher und Sammler mariner Fundstücke, ließ es erbauen. Es beherbergt wissenschaftliche Sammlungen, Gegenstände von Forschungsreisen des Fürsten und des französischen Meeresforschers Jacques Yves Cousteau, der viele Jahre Direktor des Museums war. Präparate von Meeresfauna und -flora werden gezeigt, es gibt Laboratorien und eine Bibliothek, doch die Hauptattraktion sind die Aquarien, darunter ein 450 cbm Wasser fassendes Haifischbecken.

Dass Wanne-Eickel mehr Grünanlagen besitzt als Monaco, wie jemand schrieb, sei dahingestellt. Immerhin sind rund ein Viertel der 197 ha des monegassischen Territoriums als Grünflächen ausgewiesen. Berühmt für seine Kakteen und Tropenpflanzen ist der Jardin Exotique, der 1993 in einen steilen Hang oberhalb des Hafens von Fontvieille eingebettet wurde. Die Gärten von Saint Martin und Sainte Barbe mit wilder Mittelmeerflora, der Landschaftspark von Fontvieille und gleich daneben der Rosengarten „Princesse Grace“ zählen ebenso zur grünen Lunge Monacos wie der Park „Princesse Antoinette“, Jardin Japonais und Jardin de Casino.

Neben dem Palast der Grimaldis ist natürlich das Grand Casino im Stadtteil Monte Carlo eine der Hauptattraktionen für die Massen von Neugierigen, die durch den Zwergstaat stromern und dem Ort einen ganz anderen Reiz abgewinnen als weiland Anton Tschechow, der nörgelte: Ich liebe Luxus und Reichtum, aber dieser Roulette-Luxus wirkt auf mich wie ein unersättliches Klosett. Der Belle-Epoque-Bau mit Kupferkuppeln voller Grünspan, Rokokotürmchen, goldenen Kronleuchtern, Skulpturen und allegorischen Gemälden ist das Werk des Architekten der Pariser Oper, Charles Garnier. Ein marmornes Atrium, umstanden von ionischen Säulen aus Onyx, leitet die Besucher an die Spielstätten: in den Saal mit den lärmenden Spielautomaten, hinüber zum englischen Club (Black Jack, englisches Roulette) und zu den salons privés, wo Eintritt zu zahlen und die Kleiderordnung einzuhalten ist, ehe man die Tische mit Baccarat, Trente-et-Quarante, Roulette, Chemin de Fer, Craps oder Punto Banco ansteuern darf.

Text: Eckart Fiene

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