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Sonnenbrand statt Blutopfer

Lediglich sonntags, wenn der Eintritt zu den Ruinen kostenlos ist, schauen sich vereinzelte Indiofamilien die Werke ihrer Vorfahren an. Aber mit weitaus größerer Verwunderung, so scheint es, beobachten sie die seltsamen Fremdlinge, die in der glühenden Tropensonne hinter einem Führer herstapfen, der in kurz bemessener Zeit ein paar Brocken Geschichte vermittelt, dazu eine kurz gefasste Mayalegende erzählt und zwischendurch ein paar unpassende Scherze zum Besten gibt. Ein Foto von der Pyramide, bitteschön, schnell noch nah genug heran an die geometrischen Ornamente des Tempels, wieder klick, klick, dann weiter zum nächsten Gebäude, ein kurzer Stopp am Souvenirladen, und da wartet auch schon der Bus für den Abtransport zum Mittagessen - ein Ritual des modernen Reisens in den heiligen Stätten einer versunkenen Kultur. Masken und Federschmuck sind ersetzt durch Baseballmützen und Shorts, die aufreibenden Tänze durch beschwerliche Kraxelei über steile Pyramidentreppen, feierliche Gesänge durch ein internationales Sprachengewirr, Blutopfer durch Sonnenbrand.

Mexiko / Yucatan / gr. Pyramide in Uxmal
Große Pyramide in Uxmal

Die Hügellandschaft des Puuc eignete sich als Siedlungsgebiet eigentlich nicht besonders. Warum die Mayas trotzdem in diese wasserarme Gegend einwanderten, in der es nur wenig Niederschläge gibt, ist eines der noch ungeklärten Rätsel der Mayaforschung. Der poröse Kalksteinboden lässt jeden Regen sofort versickern und verhindert die Entstehung von Bächen oder gar Flüssen. Das Überleben in den Puuc-Bergen, der einzig nennenswerten Hügelkette im ansonsten brettebenen Yucatán, konnte also nur durch die Anlage eines ausgefeilten Bewässerungssystems gelingen.

Doch Priester und Bevölkerung verließen sich nicht ausschließlich auf die Technik; neben dem Bau von Kanälen und Zisternen mussten sie vor allem den Regengott Chac gnädig stimmen. Dieser galt ehemals, als die Vorfahren noch in den regenreichen Bergurwäldern des Petén siedelten, als eher bösartige Gottheit und wurde oft zusammen mit den Symbolen des Todes abgebildet, denn er sorgte dort regelmäßig für katastrophale Überschwemmungen. Jetzt, im trockenen Karstland von Yucatán, schlüpfte er in die Rolle eines wichtigen Lebensspenders, der sich aber trotzdem oft genug verweigerte. Besondere Verehrung tat also not.

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