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Die Kehrseite der Silbermedaille

Mexiko Plata AltarIn der Mine „El Edén“, die direkt unter dem Stadtzentrum von Zacatecas liegt, zeigt ein ehemaliger Bergarbeiter den Besuchern, unter welchen Bedingungen der ganze Reichtum einst aus der Erde gekratzt wurde. Zunächst fährt man mit einer kleinen Bahn in den Stollen hinein, dann geht es zu Fuß weiter durch ein gespenstisches unterirdisches Labyrinth. Der ganze Berg ist ausgehöhlt, man wundert sich, dass die verbliebenen Wände noch tragen. Düstere Schächte tun sich an den Seiten auf, tiefe Löcher im Boden scheinen im Nichts zu enden, andere sind mit Wasser gefüllt. Sechstausend Tonnen Silber sollen hier geschürft worden sein, eine verlässliche Statistik hat freilich niemand geführt. Auch nicht über die Zahl der indianischen Arbeitssklaven, die hier schuften mussten und Erz und Gestein über schwankende Holzleitern aus den Stollen ans Tageslicht schleppten. Tödliche Stürze waren gang und gäbe, Katastrophen bei Wassereinbruch in den Schächten keine Seltenheit. Auch wer den Unglücken entkam, überlebte die alltäglichen Strapazen unter Tage nicht lange.

Mexiko Plata GasseIn der schaurigen Stille dieses subterranen Gewölbes meint man plötzlich den Klang des Hämmerns, Bohrens und Meißelns zu hören, das Echo der Seufzer und Klagen von zehntausend elenden Kreaturen. „El Edén“ war für die meisten nichts anderes als ein Inferno; eine Reminiszenz an den Garten Eden bestenfalls für die Minenbesitzer und Kolonialherren, die sich direkt über den Köpfen der schuftenden Indios, ihre Paläste errichten ließen.

Wer nach der Führung durch das Stollenlabyrinth aus der beklemmenden Tiefe in die klare Höhenluft hinaustritt, atmet erst einmal kräftig durch und findet sich unvermittelt in der prachtvollen kolonialen Architektur von Zacatecas wieder. Offenkundiger könnte der Kontrast zwischen dem Reichtum und dem unermesslichen Elend, die aus der Jahrhunderte währenden Silberförderung entsprangen, kaum ausfallen.

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