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In den oberen Etagen des Foyers befinden sich die Wandgemälde der drei großen Muralisten, deren Stilrichtungen hier dem direkten Vergleich unterworfen sind. Von David Siqueiros stammt das Bild "Die neue Demokratie", erstellt in der für ihn typischen Technik mit Spritzpistole und Silikonfarben. Orozcos Beitrag ist ebenfalls charakteristisch für seine Kunst und zeigt die Folterung des Aztekenherrschers Cuauhtémoc durch spanische Konquistadoren. Aufsehen in der internationalen Kunstszene erregte Diego Riveras Mural "Der Mensch am Scheideweg", das er im Palacio de Bellas Artes 1934 zum zweiten Mal schuf. Das Gemälde verherrlicht die wissenschaftliche und schöpferische Kraft der Menschheit und ihr Streben nach einer besseren Zukunft. Am Original hatte sich Rivera ein Jahr zuvor im New Yorker Rockefeller Center versucht, doch wurde das Wandgemälde dort noch vor der Vollendung offiziell zerstört, weil es ein Porträt Lenins enthielt. Nach dem Skandal in New York nahm Rivera für seine mexikanische Ausführung einige provokative Abänderungen vor, stellte Lenin noch Marx und Trotzki zur Seite und vergaß auch nicht die ironische Darstellung seines Widersachers John D. Rockefeller.

Als sich der muralismo Ende der vierziger Jahre endgültig als mexikanische Nationalkunst durchgesetzt hatte, ging eine Welle von Wandmalereien durchs gesamte Land. Zunächst bemalten die Meister oder deren Schüler die Innenhöfe von Kolonialgebäuden in vielen Städten des mexikanischen Hochlands - besonders sehenswerte Zyklen befinden sich heute in Guadalajara, Morelia, Cuernavaca, Tlaxcala, Aguascalientes und Guanajuato, jenem Ort, in dem Diego Rivera 1886 zur Welt kam. Später vergaben die örtlichen Regierungsstellen auch Großaufträge für neu errichtete Bauwerke, wobei das international bekannteste Beispiel das Hochhaus der Universitätsbibliothek von Mexiko-Stadt ist, dessen gesamte Außenfront der Muralist Juan O´Gorman mit kolossalen Mosaiken zur Geschichte des Landes und der Wissenschaften bedeckte.

Zwar endete die Blütezeit des muralismo 1957 mit dem Tod von Diego Rivera, doch werden auch heute noch öffentliche Gebäude hier und dort von lokalen Künstlern bemalt. Inzwischen existiert in Mexiko kaum noch eine staatliche oder kommunale Einrichtung, die nicht an ihrer Front oder im Innern wenigstens ein Monumentalgemälde aufweist. Eine Reise durch Mexiko ist deshalb immer auch eine Reise zur Kunst der Muralisten und damit ein anschaulicher Einblick in die Geschichte und Mythologie des Landes sowie in die Vorstellungswelt seiner Menschen.

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