DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Der Fremde kann diese Seele vielleicht nur ansatzweise ergründen, doch wenn überhaupt, dann zeigt sie sich ihm am Sonntagnachmittag, beim Familienausflug im Park. Viele Möglichkeiten für einen Spaziergang im Grünen haben die Bewohner der mexikanischen Hauptstadt nicht, denn weder hat das chaotische Wachstum der Metropole ausreichend Baulücken gelassen, noch ist in den öffentlichen Kassen das Geld für die dringend erforderlichen Grünen Lungen vorhanden. Also versammeln sich die Ausflügler am Sonntag in den wenigen Parks im Zentrum, die noch im 19. Jahrhundert vor dem explosionsartigen Wachstum der Stadt angelegt wurden. Besonders lebendig geht es zu im Parque Alameda, direkt am Rande des centro histórico. Klein- und Großfamilien genießen den freien Tag bei Picknick und Spiel, wobei es sie offenbar nicht stört, dass ein Geschiebe und Getümmel herrscht wie sonst nur in den Metrostationen zur Rushhour. Geschäftstüchtige Straßenhändler verkaufen exotische Früchte, Säfte, Zuckerwatte und Eiskrem, und am Wegesrand garen sie gefüllte Tortillas und knusprige Tacos, die ihren unwiderstehlichen Duft zwischen Bäumen und Parkbänken verbreiten.

Kaum anders wird es auch im Jahre 1947 ausgesehen haben, als Diego Rivera den Auftrag bekam, ein Wandgemälde für das "Hotel del Prado" zu erstellen, das dem Park direkt gegenüber lag. Doch seine "Träumerei eines Sonntagnachmittags im Alameda Park" fiel anders aus als die erhoffte Darstellung des harmlosen familiären Treibens. Rivera erweckte auf der fünfzehn Meter langen und fünf Meter hohen Leinwand wieder einmal die mexikanische Geschichte zu bewegtem Leben und ließ ihre Helden und Bösewichter zwischen Bäumen, Brunnen und bunten Luftballons aufmarschieren. In naiv-grotesken Darstellungen findet sich der spanische Eroberer Hernán Cortés mit blutverschmierten Händen neben dem glücklosen, von französischen Interventionstruppen eingesetzten Habsburger Kaiser Maximilian, dazu grimmige Generäle, ehrbare Kirchenfürsten und biedere Geschäftsleute zwischen schnarchenden Indios und kleinen Taschendieben.

Skandale und Ärger begleiteten alle großen Muralisten ihr ganzes Leben lang. Vor allem David Siqueiros geriet als Mitglied der Kommunistischen Partei ständig in politische Schwierigkeiten, zumal er offenbar auch in ein Attentat der Stalinisten auf den im mexikanischen Exil lebenden Trotzki verwickelt war. Jahre im Gefängnis und Exil unterbrachen immer wieder seine Schaffensperioden. Noch 1962 wurde er wegen Unruhestiftung zu acht Jahren Haft verurteilt, später zwar begnadigt, doch bis zu seinem Tode 1974 blieb er eine umstrittene Persönlichkeit. Dies galt auch für sein Konzept der Malerei, das den eher gefälligen Erzählstil eines Diego Rivera ablehnte und stattdessen großflächige, gigantische Gestalten in theatralischen Bewegungen schuf. Als Mittel dafür nutzte Siqueiros neue Techniken der Malerei wie photographische Projektionen oder Spritzpistolen, die der Forderung nach "Fläche und Geschwindigkeit" besonders entgegenkamen.

Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / zur Startseite



Reiseveranstalter Mexiko




 

Twitter
RSS