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Als maßgebliche Vertreter der neuen Kunst kristallisierten sich in den zwanziger Jahren die Maler Diego Rivera, David Siqueros und José Orozco heraus, die unter Mithilfe Dutzender Assistenten zwar die geforderten großen Flächen bemalten, gleichzeitig aber ihrem jeweiligen inhaltlichen und künstlerischen Standpunkt zum Durchbruch verhalfen. Wie die neue Kunstrichtung begann, lässt sich noch heute studieren im ehemaligen Kloster San Ildefonso und in den Innenhöfen der Secretaría de Educación Pública, dem Erziehungsministerium. Dort haben die "Großen Drei" des mexikanischen muralismo ihre ersten wichtigen Gemälde angebracht und ihre jeweiligen Stilrichtungen gesucht und gefunden. Beide Gebäude liegen nur wenige Schritte vom Nationalpalast entfernt. Überhaupt sind die Wandmalereien in der Hauptstadt aus heutiger Sicht ausgesprochen besucherfreundlich verteilt. Die wichtigsten Zyklen der Muralisten lassen sich innerhalb des historischen Zentrums bequem zu Fuß erreichen oder sind verkehrsgünstig entlang der Hauptstraße Richtung Süden verteilt.

Auf dem Weg vom Palacio Nacional zum Kloster San Ildenfonso und zum Erziehungsministerium holt den Besucher, wenn auch kurz, wieder der mexikanische Alltag ein, der sich jedoch gar nicht so sehr von den Szenen auf den Wandgemälden unterscheidet: Auf der Plaza vor der Kathedrale drängen sich die Menschen ebenso wie auf den Bildern von Rivera, und auch die Vielfalt der Beschäftigungen scheint ähnlich, wenn auch den modernen Zeiten angepasst. Der U-Bahn-Schacht spuckt einen ununterbrochenen Strom von Menschen aus, fliegende Händler verkaufen Erdnüsse und Tortillas, Touristen photographieren das prächtige Portal der größten Kirche Mexikos, alte Menschen treten ein zu einem kurzen Gebet, Bauern aus der Provinz, die von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden, protestieren und kampieren auf dem Platz in provisorischen Zelten aus Plastikplanen. Pracht und Alltäglichkeit, Reichtum und Elend, Gleichmut und Frömmigkeit - alles auf einen Blick.

Ähnlich komprimiert fassen auch Diego Riveras Gemälde das mexikanische Leben zusammen. Beim Studium seiner Bilder scheint man vorübergehend die Außenwelt zu vergessen, doch immer wieder erinnern eine Straßenszene, ein Gesichtsausdruck oder eine typische Geste an die Wirklichkeit des heutigen Mexiko.

Mexiko / Rivera
Mexiko / Rivera 2

Wandgemälde von Diego Rivera zum Alltagsleben und zu Feierlichkeiten
der Mexikaner im Innenhof des Erziehungsministeriums

Durch Vereinfachungen und Überzeichnungen gewährt Rivera allerdings nicht nur einen Blick auf Äußerlichkeiten, sondern kratzt an der Oberfläche der mexikanischen Gesellschaft und schaut tief in die Seele ihrer Menschen.

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