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Warum Ärgernis und Anerkennung dicht beieinander lagen, zeigen beispielsweise die Wandgemälde im Innenhof des Palacio Nacional, dem Amtssitz des mexikanischen Präsidenten. Diego Rivera, der bedeutendste Künstler des muralismo , schuf dort in den Jahren 1929-35 einen Zyklus zur mexikanischen Geschichte, der höchst kontrovers aufgenommen wurde.

Mexiko / Palacio National 1
Wandgemälde von Diego Rivera zur Kultur der Azteken und
der Geschichte Mexikos im Innenhof des Palacio Nacional

Mexico / Palacio Nacional 2Neben Szenen aus dem Leben der Azteken und anderer indianischer Völker in präkolumbianischer Zeit kommen die Grausamkeiten der spanischen Konquista, die Interventionen der französischen und amerikanischen Armeen im 19. Jahrhundert sowie die Metzeleien während der mexikanischen Revolution nicht zu kurz. Die beinahe unübersehbare Fülle einfacher Menschen und historischer Persönlichkeiten auf diesen Gemälden Riveras erinnert an das Gedränge auf den Straßen und Plätzen der heutigen Stadt, und nur wer die Bilder genau studiert, kann die Vielzahl der darin lebendig gemachten Ereignisse der mexikanischen Geschichte identifizieren.

Im Rahmen eines Volksbildungsprogramms der mexikanischen Regierung besaßen die Muralisten relativ freie Hand. Anknüpfend an die Ideen der mexikanischen Revolution verherrlichten sie die einfachen Arbeiter und Bauern, idealisierten das Leben der Indios vor dem Eintreffen der Spanier und verurteilten Großgrundbesitz und staatliche Übergriffe. Und natürlich war auch die mexikanische Revolution selbst ein beliebtes und immer wiederkehrendes Thema, wobei sie den populären Bauernführer Emiliano Zapata gern als siegreichen Helden und Führer der Volksmassen in den Mittelpunkt stellten. Flaggen, Banner und patriotische Inschriften verstärkten die einfachen, klaren Botschaften der Murales.

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Dass das Erziehungskonzept aus den zwanziger Jahren auch heutzutage noch einen unverzichtbaren Teil des mexikanischen Bildungswesens ausmacht, wird dem Mexiko-Touristen vor Augen geführt, wenn er plötzlich zusammen mit einer Schulklasse vor einem der Wandgemälde steht. Selbst wenn die Kinder längst lesen gelernt haben, findet der Geschichtsunterricht anhand der lebendigen Malerei weitaus mehr Anklang als die trockene Erarbeitung des Stoffes im Klassenzimmer. Für den aufgeschlossenen Besucher bilden derartige Situationen eine willkommene Gelegenheit, den Kontakt zum Alltag des Landes herzustellen und sich obendrein am Bildungsprogramm zu beteiligen: Auch ihm dürften die Wandgemälde zu einem leichteren Verständnis der facettenreichen mexikanischen Kultur und Geschichte verhelfen und die Ausführungen in seinem Reiseführer auf unterhaltsame Weise veranschaulichen.

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