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Tausend merkwürdige Details

Besucher können sich in Chichén Itzá deshalb der Phantasie überlassen und zwischen Pyramiden und Tempeln ihre eigene Mayawelt erträumen. Ob morgendliche Nebelbänke die Gebäude verhüllen oder ob die tropische Mittagshitze auf dem hellen Kalkstein brütet - die Anlage strahlt immer eine eigentümliche Magie aus, die mit wissenschaftlichen Erklärungen nicht zu vertreiben ist. Selbst wenn man sich gründlich mit der Mayakultur und den Ergebnissen der Forschung beschäftigt hat - zwischen den gewaltigen Bauwerken verliert das angelesene Wissen an Bedeutung. Noch beim dritten oder vierten Besuch stolpert man über vorher nicht wahrgenommene Mauern, staunt über tausend merkwürdige Details und bewundert den kühnen Gigantismus der Gesamtanlage, die sich in ihrer Glanzzeit über mehr als fünfundzwanzig Quadratkilometer ausbreitete.

Mexiko Chichén-Itzá im Nebel
Geheimnisumwitterte Ruinen im Morgennebel

Immer aufs Neue hat man Mühe, den europäisch geprägten Blick zu korrigieren, der in den Bauwerken die Bedeutung der Innenräume sucht, während die Architektur der Mayas trotz aller Monumentalität nur winzige umbaute Hohlräume schuf und sich vorwiegend mit der Gestaltung des Außenraumes befasste: mit sorgsam angeordneten Höfen und Plätzen, mit hochragenden Pyramiden und Freitreppen, mit präzise proportionierten Sichtachsen. Angesichts der Ruinen einer Zivilisation, die beim Auftauchen der spanischen Konquistadoren schon längst untergegangen war, kommt zwangsläufig auch die Vergänglichkeit der eigenen Kultur in den Sinn.

Mexiko Chichén-Itzá Pyramide und Observatorium
Im Hintergrund: die Pyramide des Kukulcán

Entzifferte Rätsel und auf ewig verborgene Geheimnisse der Mayakultur vereinen sich im zentralen Bauwerk von Chichén Itzá, der Pyramide des Kukulcán. Die Spanier nannten sie „El Castillo“, weil sie wie eine Burg das flache Gelände beherrscht. Egon Erwin Kisch sprach von „Luginsland und Kalender, Vatikan und Festung, Glyptothek und Schatzkammer“ und deutete damit die bekannten und unbekannten, die tatsächlichen und aus europäischem Blickwinkel angedichteten Funktionen dieses majestätischen Bauwerks an. Was auch immer vor tausend Jahren der Zweck gewesen sein mag, die Konstruktion der Pyramide und des daraufgesetzten Tempels für den Schlangengott Kukulcán folgte einem genialen Plan. Die Baumeister orientierten sich dabei an den Vorgaben von Sonne und Mond, von Jahreszeit und Kalender. An allen vier Seiten der Pyramide führt eine Treppe hinauf zur oberen Plattform, jede hat einundneunzig Stufen. Zusammen mit der Schwelle am Tempeleingang ergibt dies dreihundertfünfundsechzig, die Anzahl der Tage eines Jahres.

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