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Die Mauern sprechen und schweigen

Am geheimnisumwitterten Charakter dieses Ortes hat sich seither wenig geändert. Chichén Itzá ist nicht zuletzt deshalb einer der wichtigsten touristischen Angelpunkte in Mexiko und eine der größten kulturellen Attraktionen des amerikanischen Kontinents geworden, weil die Maya-Stadt eine versunkene Welt vorstellt, ohne die Details ihres Funktionierens vollständig preiszugeben. Jede Plattform, jeder Tempel, jede Mauer in Chichén Itzá spricht und schweigt zugleich, enthüllt und verhüllt, gibt Antworten und wirft mit jeder Antwort neue Fragen auf.

Mexiko Chichén-Itzá Totenköpfe
Was bedeuten diese Totenköpfe?

Welche Botschaft vermittelt wohl jene Wand, aus der Steinmetze und Künstler eine makabre Bilderserie mit Hunderten von Totenköpfen herausgemeißelt haben? Warum wurde ein Kult um den Planeten Venus getrieben, dessen Symbol auf den steinernen Plattformen immer wieder auftaucht? Welche Kriegszüge verherrlichen die Reliefs, auf denen Mayakrieger zusammen mit herzfressenden Adlern und Jaguaren abgebildet sind? Wie liefen die Zeremonien ab, die am Rande des Cenote stattfanden, einem heiligen Wasserloch, auf dessen Grund Archäologen nicht nur Opfergaben aus Ton und Edelsteinen, sondern auch menschliche Skelette fanden? Wer traf sich im sogenannten Tempel der Krieger, auf dessen Säulen scheußliche Monster mit Krokodilbeinen und gefiederte Schlangen mit Menschenköpfen im Maul abgebildet sind? Welche Stimmung herrschte während der zeremoniellen Wettkämpfe auf den gemauerten Ballspielplätzen, bei denen ein Kautschukball durch einen weit oben angebrachten steinernen Ring befördert werden musste? Wer waren die Sieger, wer die Verlierer?

Mexiko Chichén-Itzá Ballspielplatz
Der Ballspielsplatz - ein präkolumbianisches Stadion?

Manches wird durch Skulpturen anschaulich bebildert, auf Reliefs erzählt und auf Stelen dokumentiert. Die Archäologen und Mayaforscher mögen daran viele Zusammenhänge erkannt, vieles erklärt und gedeutet haben: Die bis vor kurzem rätselhafte Schrift der Mayas ist entziffert, Herrscherdynastien sind bekannt, Zahlensystem und Kalenderberechnungen erforscht, die Rolle von Gottheiten und Priestern definiert. Das meiste aber bleibt hinter dem Schleier einer auf ewig verschwundenen mittelamerikanischen Geschichte verborgen. Denn niemand weiß, wie das alltägliche Leben in den Städten und Dörfern ablief, als die Stadt zwischen dem achten und zwölften Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Machtzentren der Mayawelt aufstieg und kurz darauf wieder in der Bedeutungslosigkeit versank. Wie sich die Menschen damals ihre Zeit vertrieben, wie Bauern, Handwerker und Adlige ihrem Tagwerk nachgingen oder wie die Herrschaftsmechanismen funktionierten - all das wagen auch die Experten nicht eindeutig zu sagen.

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