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Über die Grenze nach Albanien

Etwas weitläufig führt die Straße um den See herum zum albanischen Ufer. Der Grenzübertritt geht dank des deutschen Nummernschildes am Auto ohne Probleme vor sich, das Visum für zehn Euro wird direkt in den Pass gestempelt. Viel entsteht, viel vergeht im heutigen Albanien, überall ragen die Beton-Skelette werdender oder zerfallender Häuser hoch. Männer, die im Ausland arbeiten, legen ihr Geld in einem Neubau an. Wenn wieder ein Batzen angespart ist, ziehen sie die nächste Wand hoch. Reichlich gebaut wurde freilich auch schon zu Enver Hodschas Zeiten.

Mazedonien Ohrid Champignons
Die "Champignons" des Enver Hodscha

Und die Ergebnisse haben bis heute überdauert. Auf Bergrücken und in Wiesen, am Strand oder neben Kapellen - wo der Besucher fährt und geht, sprießt einer jener grauen Champignons aus der Erde: Eine halbe Million Kleinbunker hat der "Comandante" seinem Volk hinterlassen, verteilt nach einem System, dessen Logik sich angeblich auch Militärs nicht ohne weiteres erschließt. Viel zu teuer wäre es, sie zu beseitigen. Bleibt nur, sie als eines der modernen Wahrzeichen des Landes hinzunehmen. Das andere sind all die altehrwürdigen Mercedes-Limousinen, die, liebevoll gepflegt, über die zerfurchten Straßen holpern. Klammheimlich müssen Albaner die gesamte Stuttgarter Produktion bis etwa 1990 aufgekauft haben.

Mazedonien Ohrid Prespa-See
Auf dem Großen Prespa-See

Auch im Großen Prespa-See schwimmen große weiße Vögel und steigen ungelenk auf, als sich das Boot nähert. Am Fuß der schneegesprenkelten Malii Thate Berge schmiegen sich zwei, drei Dörfer in die grau-grüne Landschaft, weit voraus ragt die Insel Golem Grad kreisrund wie ein Heidelbeerkuchen aus dem Wasser. "Schwimmen mit Pelikanen, Tauchen im türkisen Wasser, Sonnenbaden auf den weißen Kieseln - ist das nicht großartig?", fragt voller Stolz Spase Shumka. Im Hauptberuf ist er Biologe, Fachrichtung Süßwasser, und entdeckt deshalb auch sofort eine ungewöhnliche Bewegung in den Wellen: Eine Wasserschlange hat einen silbernen Fisch geschnappt, der noch kräftig zappelt. "Es gibt drei Arten ", sagt der Experte. "Sie flüchten alle vor den Menschen. Und giftig sind sie auch nicht."

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