
Ein Haus im Garten Eden
Zu Gast in der marokkanischen Oase Tighmart
Text und Fotos: Gundula Stoll
Es müssen nicht immer Bettenburgen oder Luxushotels sein. Unsere Autorin Gundula Stoll beschreibt, wie man sich auch in einer einfachen marokkanischen Unterkunft wie im Paradies fühlen kann. In der Oase Tighmart fand sie Stille, köstliche Mahlzeiten und eine kleine Pension mit einer ungewöhnlichen Wirtin.

Die Oase Tighmart
„Ihr sucht eine Unterkunft?“ fragt der kleine Mann eifrig, während er mit Kennerblick unsere müden, staubigen Gesichter und die Reiserucksäcke betrachtet. „Ich habe da etwas für Euch. Etwas ganz Besonderes, das verspreche ich.“ Seine Zähne sind vom zuckersüßen Tee, den die Menschen hier trinken, gelb-braun verfärbt, seine Bewegungen fahrig, der Blick ausweichend. Der Mann wirkt nicht gerade vertrauenerweckend. Dennoch steigen wir mit ihm in ein Taxi, das uns von der Stadt Guelmim im Süden Marokkos in die sechzehn Kilometer entfernte Oase Tighmart bringt. Die zurückliegende Reise war anstrengend, und wir sehnen uns nach einem ruhigen, friedlichen Ort abseits der lärmenden Provinzstadt.
Grüne Insel am Nordrand der Sahara
Zunächst führt er uns zu einem luxuriösen, aber offenbar komplett leer stehenden Hotel am Ortseingang. Es bietet Fernsehen und Klimaanlage in seelenlosen Zimmern zu westeuropäischen Preisen. Erschrocken winken wir ab. Als wir ihm den Rücken zukehren, seufzt er und zeigt uns schließlich einen Weg mitten hinein in den Palmenhain.

An der Quelle der Oase
Unter hohen Dattelpalmen und Zitrusbäumen geht es auf einem schmalen Weg vorbei an Lehmbauten und Gärten, in denen Zwiebeln, Salat, Tomaten und Pfefferminze wachsen. Rundum sind sie mit Bewässerungskanälen umgeben, den Lebensadern dieser grünen Insel am Nordrand der Sahara.
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