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Wo gestern abend noch der Schein von Paraffinlampen mir den Weg über einen schmalen Pfad gewiesen hatte, erkenne ich eine Ansiedlung von zehn geduckten Lehmhäusern. In den Vorhöfen sitzen Frauen an den Feuern und backen Fladenbrot auf heißen Steinen, während den Kannen mitten in der Glut schon der Duft von Minttee entströmt. Ziegen bahnen sich fressend ihren Weg durch das Gestrüpp von Thujen und am Ziehbrunnen des Dorfes sind die Mädchen zum Wasserholen versammelt.

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Ein Mann schwingt sich auf einen Esel, reitet herüber und gibt mir durch resolute Gesten zu verstehen, daß ich zum Frühstück eingeladen bin. Dann verschwindet er in den Gassen zwischen den Häusern und ich finde mich – denn Frauen gehören in den Frauenbereich – von der Weiblichkeit des Dorfes umringt auf den Matten um die Feuerstelle wieder. Natürlich sind sie neugierig, denn so häufig kommt hier, zwei Tageswanderungen von Marrakesch entfernt und auf dem Weg zum 4167 Meter hohen Djebel Toubkal kein Wanderer vorbei. Also schwatzen wir zum Tee, Brot und Ziegenkäse in Öl und obwohl keine die Sprache der Anderen spricht, verstehen wir uns blendend. Sie erzählen, daß sie morgen nach Bou Thrarar aufbrechen werden, zu einer Hochzeit, denn vier Mädchen des Dorfes müssen noch schnell verheiratet werden, bevor Schnee die Gebirgspfade im Hohen Atlas unpassierbar machen wird. Eigentlich war die Verheiratung von Hadidja, Bahra, Fatma und Mhona traditionsgemäß auf dem Heiratsmarkt von Imilchil geplant, doch hatten Verwandte erzählt, daß dies alljährlich im September stattfindende Ereignis mittlerweile zu einem Touristenspektakel verkommen ist. Außerdem ist Imilchil noch einmal so weit wie der in den nächsten drei Tagen anzustrebende Ort – und ich bin eingeladen mitzukommen, ohne Frage.

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