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Malawi im Überblick

Wie seine großen Nachbarn Sambia und Mosambik könnte auch Malawi, „das warme Herz Afrikas“, eines nicht so fernen Tages eine interessante Alternative zu den viel besuchten Afrikazielen Tansania und Südafrika sein. Damit dies gelingt, sind Verbesserungen der touristischen Infrastruktur vonnöten. Eine entschlossene Professionalisierung des Managements der Nationalparks und Reservate wäre eine weitere Voraussetzung. Einige Initiativen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass sich das Land diesen Herausforderungen zu stellen beginnt.

Malawi

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Noch sind es nur eine Handvoll Reiseveranstalter, die Malawi in ihr Programm aufgenommen haben, meistens in Verbindung mit Zielen in Sambia oder Mosambik und Tansania. Mitten in der Wildnis, an brausenden Flüssen und an den Sandstränden des Malawi-Sees gelegene Lodges sind das luxuriöse Zuhause der Besucher. Für Individualreisende und gestandene Entdeckernaturen, die dem kostspielig inszenierten Afrikazauber der Lodges lieber aus dem Weg gehen, kann sich die Quartiersuche schwierig gestalten. Es ist deshalb ratsam, vor Antritt der Reise die täglichen Ziele (nur keine allzu langen Tagesetappen!) mit Hilfe des Internets, anderer Kontakte und Reiseführern wie Lonely Planet so gut es geht auszukundschaften. Eine grandiose Landschaft und die Begegnung mit den warmherzigen Menschen entschädigen für das eine oder andere unvorhersehbare Vorkommnis.

Unterwegs in Zentral-Malawi


Malawi-See

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Die meisten Besucher landen auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Lilongwe in 1.200 m Höhe. Mit dem Leihwagen oder im Bus eines Reiseveranstalters geht es dann meistens gleich hinunter zum großen See auf knapp über 400 m. An seinem Ufer gibt es Hotelzimmer und Lodges. Der gut 560 km lange und bis zu 75 km breite Malawi-See wird von nicht weniger als vierzehn Flüssen gespeist. Er besitzt aber nur einen einzigen großen Abfluss, den Shire, der sich durch das flache Terrain des Great Rift Valleys im Süden des Landes windet und in den mosambikanischen Sambesi mündet. Bis über 700 m Tiefe erreicht der See. Er ist berühmt für seinen Fischreichtum. Hunderte von Fischarten, darunter die große Familie der Buntbarsche, bevölkern das kristallklare Wasser, unter ihnen zahllose endemische Arten, die oft nur in eng begrenzten Buchten anzutreffen sind. Viele bunt glitzernde Fische in Europas Aquarien sind Nachkommen von Bewohnern des Malawi-Sees. Es gibt verschlafene Fischerdörfer zu besuchen, Sandstrände zu genießen und im nördlichen Teil die Hunderte von Metern abrupt aufsteigenden Hänge zu bestaunen, die Vorstufen zum Zentralafrikanischen Plateau, und man kann natürlich den See und seine Schönheiten auf gemächlichen Bootstouren erkunden.

Malawi-See

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Nkhotakota ist ein kleines Städtchen am Hang eines felsigen Bergrückens mit Blick auf einen natürlichen Hafen, den eine sandige Landzunge formt. Der uralte Marktflecken war im 19. Jahrhundert als Stützpunkt arabischer Sklavenhändler berüchtigt. Sie brachten ihre Opfer in Booten über den See, trieben sie dann in mörderischen Fußmärschen an die Küste und verschifften sie nach Sansibar. An die zeitweilige arabische Dominanz erinnert eine im 18. Jahrhundert erbaute Moschee.

Etwas landeinwärts, an den flachen Ufern des Bua-Flusses und über die dramatischen Steilhänge des Zentralafrikanischen Plateaus erstreckt sich das Wildschutzgebiet Nkhotakota Wildlife Reserve, das nicht vom National Parks and Wildlife Department betreut wird. Sein Tierbestand ist nicht mehr so groß wie früher, doch bekommt man immer noch die typischen Bewohner der Savanne zu Gesicht: Elefanten und Büffel, Antilopen, Zebras und Warzenschweine und ihre Jäger, die Löwen, Leoparden und Hyänen. Die Vogelwelt ist mit mehr als 300 Arten vertreten, darunter Palmgeier, Fischeulen, Kampfadler und Nashornvögel. Offene Trockenwaldsavanne ist die vorherrschende Vegetationsform, dominiert von Brachystegia, hier und da überragt von riesigen Limbabäumen. Gut gedeihen auch dornige Strychnosgewächse und der Leberwurstbaum, dessen viele Kilogramm schwere Frucht – so ein alter Aberglaube im südlichen Malawi – aufgehängt in der Hütte, diese vor dem Wirbelsturm schützt.

Elefanten in Malawi

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Ein Abstecher in die Chongoni Rock Art Area südöstlich der Hauptstadt verspricht ein außergewöhnliches Erlebnis. Hoch auf dem Plateau erwarten baumbestandene Granithügel die Besucher und bei genauerem Hinsehen erweisen sich die geschützten Innenseiten zahlloser Felsüberhänge als Gemäldegalerien all jener Völkerschaften, die seit der späten Steinzeit diese Gegend bewohnt haben. In ganz Zentralafrika gibt es keine vergleichbar große Ansammlung von Felsmalereien, die vom Zeitalter der Jäger und Sammler, über die Eisenzeit und die Jahrhunderte vor der Ankunft des weißen Mannes bis ins 20. Jahrhundert derart faszinierende Einblicke in Kulturen und Traditionen einer Region gewähren. Die Fundstätte wurde 2006 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Giraffen in Malawi

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An der Grenze zu Sambia liegt der Kasunga National Park mit einer vielgestaltigen Landschaft, die von offenen Grasflächen und Baumsavanne mit weitständigem Trockenwald dominiert wird. Temporäre Flüsse durchziehen das Terrain. Während der Trockenzeit bleibt von ihnen oft nur ein Rinnsal. Leider sind die Wildbestände des 1.000 m hoch gelegenen Nationalparks durch Wilderer gefährdet, aber man will dagegen angehen. Hippos, Elefanten und Büffel streifen durchs Gelände, man sieht Zebras und viele Antilopenarten, Löwen und Leoparden stellen ihnen nach und um das, was sie übriglassen, streiten sich Hyänen, Schakale und Geier. Die komfortable Lifupa Lodge mitten im Park bietet Unterkunft und Verpflegung.

In den Norden

Man könnte in der felsigen Bucht Nkhata Bay eine Lodge beziehen und den geruhsamen Alltag in dem großen Dorf am See genießen. Man könnte aber auch von hier einen Segeltörn hinüber zu den feinsandigen Stränden der malawischen Inseln Likoma und Chizumulu unternehmen, die in mosambikanischen Gewässern nur wenige Kilometer vor der Küste des Nachbarlandes liegen. Oder sollte man nicht doch lieber die „vergessene Region“ durchstreifen, Malawis Norden, der so ganz anders ist als die Mitte und der Süden? Er ist deutlich geringer besiedelt, er ist „wilder“, geprägt von weiten, einsamen Berglandschaften. Von der nördlichen Kapitale Mzusu kommend, überquert man die grünen, sanft geschwungenen Hügel des Viphya Hochlands, um in das Vwaza Marsh Wildlife Reserve zu gelangen. Das Wildschutzgebiet umfasst etwa 1.000 km² mit großen Graslandflächen und Sümpfen, vereinzelten Baumgruppen und felsigen Partien. Das Reservat ist bekannt für seine artenreiche Vogelwelt und die in erstaunlich großer Zahl umherziehenden Elefanten und die vielen Flusspferde, die sich im Kazuni-See besonders wohl fühlen. Büffelherden und Antilopen äsen auf den Grasebenen, Paviane tollen herum und Löwen beobachten scheinbar schläfrig die Szene.

Hauptattraktion des Nordens aber ist das riesige bis in 2.400 m Höhe reichende Nyika Plateau, eine Landschaft aus wogendem Grasland, wie es sie kein zweites Mal in Afrika gibt. Der überwiegende Teil des Plateaus gehört zum Nyika National Park, mit über 3.200 km² Malawis größter Nationalpark und ein ideales Terrain für Wanderer und Mountainbiker, für Birdwatcher (mehr als 400 Vogelarten, darunter die seltene Kafferntrappe, Rotflügelfrankolin, Klunkerkranich, Weißbrustalethe, Bergtrogon) und Orchideenliebhaber (rund 200 Arten während der Regenzeit), für alle Freunde der afrikanischen Tierwelt. In den niedrigeren Parklagen durchstreifen Büffel und Elefanten das Gelände. In höheren Lagen sind es Antilopen und Zebras und ihre Jäger und Resteverwerter Leopard, Hyäne, Schakal. Zwei komfortable Lodges im Park laden zu längeren Aufenthalten ein. Über Livingstonia in 1.000 m Höhe mit phantastischen Ausblicken auf die steilen Felsformationen am gegenüberliegenden tansanischen Seeufer führt die Piste zurück nach Mzusu. Nicht zu vergessen die weißen Strände von Chintheche, die zu den schönsten am See zählen. In einer der Lodges am Strand lässt es sich gut Kraft schöpfen für die letzte Etappe der Rundreise durch Malawi. Der nicht weit entfernte Mzusu Airstrip verbindet den Norden mit der Hauptstadt Lilongwe und dem Zentrum des Südens, Blantyre.

Zu den Sehenswürdigkeiten im Süden

Die kleine Propellermaschine landet auf dem internationalen Airport von Blantyre, der Kapitale des Südens. Mit fast 730.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt Malawis und ihr unangefochtenes Wirtschaftszentrum. Zahlreiche Gebäude aus der Kolonialzeit wie die Kirche Saint Michael and All Angles erinnern an eine Ära, als Malawi noch „Nyassaland“ hieß und ein Protektorat der Briten war. Mehr über die Vergangenheit erfährt man im Nationalmuseum von Blantyre, das sich sachkundig mit der Geschichte und Kultur des Südens und der anderen Regionen des Landes auseinandersetzt.

Malawi

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Am südlichen Ende des Malawi-Sees fügen sich eine Halbinsel, zwölf kleine Inseln und eine Wasserfläche von etwa 7 km² zum Lake Malawi National Park, der seit 1984 Teil des Weltnaturerbes ist. Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Gelände: Felsküsten und Sandstrände, bewaldete Hügel, Sümpfe und Lagunen und vor allem kristallklares Wasser, das sich als ein wahres Tropenfischaquarium entpuppt. Kein anderer See der Erde weist so viele Fischarten auf – um die Tausend sollen es sein, von denen bis zu 90 % endemische Arten sind. Mangochi an der Südspitze des Sees rühmt sich seiner Strände, Hotels und Lodges und der Liwonde National Park überrascht, obwohl nur 540 km² groß, mit seinem reichen Bestand an Elefanten, Antilopen und Hippos bis zu Löwen und Leoparden. Ein Besonderheit hier sind Bootssafaris auf dem Shire-Fluss zwischen badenden Elefanten und schnaubenden Hippos hindurch. Der den Malawi-See entwässernde Shire strömt, eingegraben in das Great Rift Valley, nach Süden, wo er in den flachen Zonen besonders während der Regenzeit ausgedehnte Feuchtgebiete bildet.

Baobab-Baum in Malawi

Baobab-Baum
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Zwischen dem Liwonde Park und Blantyre erhebt sich das Zomba Plateau, zu seinen Füßen die kleine Stadt Zomba, anfänglich Sitz der britischen Kolonialverwaltung. Das alte Parlament und Kasernen der „King`s African Rifles“ zeugen von vergangener Kolonialherrlichkeit. Das gut 2.000 m Höhe erreichende Plateau kann mit pistentauglichen Autos befahren werden. Dabei werden Wasserfälle und kleine Seen passiert, Bäche, Flüsse und Baumgruppen und ein hinreißender Ausblick öffnet sich, der auch schon zu Kolonialzeiten „the best view in the British Empire“ war. Damals wurde hier schon geangelt und man unternahm Ausritte, so wie heute. Hinzugekommen sind in jüngster Zeit Wandertouren und Mountainbiking.

Vom Zomba Plateau geht die Fahrt weiter in südlicher Richtung durch die Palombe Ebene und Malawis herrlich gelegenes Teeanbaugebiet zwischen dem unteren Shire-Tal und dem steil aus der Ebene aufsteigendem Mulanje-Gebirge an der Grenze zu Mosambik. Der Gipfel dieses schroffen Granitmassivs, in dem es sich wandern und anspruchsvoll klettern lässt, erreicht über 3.000 m – höher ist keine Bergspitze Zentralafrikas. Gleich drei Wildschutzgebiete wurden in dieser südwestlichen Region Malawis eingerichtet. Das Mwabwi Wildlife Reserve wird in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung geführt, der Lengwe National Park an der sambischen Grenze ist bekannt für seinen dichten Besatz mit Antilopen und der Möglichkeit, das Gelände mit Autos auf vorgegebenen Routen zu befahren. Auch das Majete Wildlife Reserve kann auf diese Weise erkundet werden. Hier wird versucht, die „Big Five“ wieder heimisch zu machen. Mit Elefanten, Büffeln und Nashörnern gelang das schon vor Jahren. 2011 wurden Leoparden und 2012 Löwen ausgewildert. Die drei Schutzgebiete haben sich mit Campsites und Lodges auf länger bleibende Besucher eingestellt.

Eckart Fiene

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