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Reiseführer Madrid

Puerta del Sol

Madrid, Puerta del Sol

Die Puerta del Sol: wer sie an irgendeinem Nachmittag irgendeines Wochentages betritt, der glaubt, inmitten einer Völkerwanderung zu stehen. Sie ist auf den ersten Blick sichtbar das soziale Zentrum Madrids, hier schlägt sein Herz. Aber dieser Platz ist noch viel mehr: er ist Anfangspunkt aller wichtigen spanischen Straßen (symbolisiert durch den mit einer Bronzeplakette markierten „Nullkilometer“ an seiner Südseite), Endpunkt zahlreicher Großdemonstrationen, Schauplatz des größten Silvesterfeuerwerks des Landes.

Praktische Tipps: Puerta del Sol
gibt's hier...
  • Chocolatería San Ginés

Pasadizo de San Ginés, täglich 18.00-07.00, Metro: Sol.

Die angesagteste Adresse für dicken Kakao (chocolate) und die frittierten Churros, die gern zusammen verzehrt werden. Sehr oft kalorienreicher Abschluss so mancher durchzechter und durchtanzter Nacht. Das Café liegt sehr versteckt zwischen Calle Mayor und Calle del Arenal.


  • Discoteca Joy Madrid

Arenal 11, täglich 23.30-05.30, Freitag und Samstag 23.30-06.00, Metro: Sol.

Vor allem unter Erasmus-Studenten beliebterTreffpunkt. House und Diskoreißer der letzten Jahrzehnte.


  • Discoteca Palacio de Gaviria

Arenal 9, Montag bis Samstag 23.00-05.30, Sonntag 21.30-02.00, Metro: Sol.

Stadtpalast des 19. Jahrhunderts, der inzwischen zur Diskothek umgebaut wurde. 13 Säle für Disko, Livemusik u.ä. Vor allem wegen seines spektakulären Ambientes einer der Klassiker unter Madrids Diskotheken.


  • El Corte Inglés

Preciados 3, Montag bis Samstag 10.00-21.30, Metro: Sol, Callao.

Das Traditionskaufhaus schlechthin. Von Mode bis hin zu Haushaltswaren, Elektronik und Parfüm. Aus bescheidenen Anfängen im Bereich der Herrenkonfektion hervorgegangen, ist der Corte Inglés heute das mit Abstand größte Kaufhausimperium im Land.


  • Restaurante Lhardy

Carrera de San Jerónimo 8, Tel.: 91 521 33 85, Montag bis Samstag 13.00-15.00, 21.00-23.00, Sonntag und Feiertag geschlossen, Metro: Sol, Sevilla.

Vor mehr als 150 Jahren von einem Schweizer Gastronom gegründetes Etablissement, das seine Spitzenstellung in der Madrider Restaurantlandschaft bis heute behauptet hat. Madrilenische Schlachtplatte (cocido) als Spezialität. Preis pro Person: ca. 60 Euro.


  • Teatro Arenal

Mayor 6, Tel.: 91 523 76 79, Metro: Sol.

Bühne mit sehr abwechslungsreichem Programm. Von klassischen Werken bis hin zu Komödien, Flamenco und Kindertheater.

 

Fast alle für Spanien wichtigen historischen Ereignisse der letzten Jahrhunderte haben in irgendeiner Weise diesen Platz gestreift, im 20. Jahrhundert vor allem die Ermordung des spanischen Ministerpräsidenten Canalejas 1912 und die Ausrufung der Zweiten Republik im Jahre 1931. Der Platzcharakter dieses Ortes steht dabei aber in auffälligem Widerspruch zum Namen. „Puerta“ bedeutet nämlich Tor oder genauer gesagt Stadttor, etwas das hier beim besten Willen nicht zu sehen ist. Während der Regierungszeit der Katholischen Könige, also im späten 15. Jahrhundert, war die Puerta del Sol allerdings wirklich ein Stadttor mit einer eingemeißelten Sonne, welches die Ostgrenze der Stadt markierte. Doch aufgrund des explosionsartigen Wachstums, das Madrid nach 1561 erlebte, wurde aus der äußeren Stadtgrenze sehr schnell ein Platz im Zentrum der neuen Hauptstadt. Stadtmauer und Stadttor mussten neuen Gebäuden weichen, der neu entstandene Verkehrsknotenpunkt behielt aber auch ohne sie den Namen Puerta del Sol weiter.

Nicht irgendein Verkehrsknotenpunkt natürlich, sondern Schnittpunkt aller wichtigen Arterien, die die Hauptstadt von Nord nach Süd oder von Ost nach West durchquerten. Im Unterschied zur benachbarten Plaza Mayor war die Puerta del Sol, ganz typisch für die Zeit der Habsburger, kein urbanistisches Planstück, vielmehr ein aus einer Kette verkehrstechnischer Notwendigkeiten entstandener Platz. Oder anders gesagt: ein Resultat des bereits zuvor angesprochenen unkontrollierten Wucherns Madrids in sämtliche Richtungen.

Noch bevor unter den Bourbonen ab dem 18. Jahrhundert die Gebäude errichtet wurden, die heute das Bild an diesem Ort prägen, stieg die Puerta del Sol zum meist besuchten Platz der Hauptstadt auf. War die Plaza Mayor so etwas wie das für die ganz großen Festlichkeiten reservierte Prunkstück, so war die Puerta del Sol mehr das Zentrum des Alltagslebens. Der Grund hierfür lag neben der zentralen Lage auch in mehreren für die Madrilenen sehr wichtigen, im 19. Jahrhundert der Abrissbirne zum Opfer gefallenen Bauwerke wie dem Krankenhaus Hospital del Buen Suceso oder den beiden Konventen Convento de la Victoria und Convento de San Felipe. Vor allem die Treppenstufen des letzteren Bauwerks waren der beliebteste Treffpunkt für alle Wissbegierigen, die den neuesten Klatsch und Tratsch hören wollten – egal ob es um Sexskandale am Hof oder um den aktuellsten Meuchelmord ging. Las gradas de San Felipe hieß diese „Klatschecke“, auf Spanisch „mentidero“. Doch neben dem Austausch von Gerüchten ging es an diesem Ort natürlich auch um Geschäfte. Pfandleiher und Geldwechsler waren hier besonders aktiv, aber auch, wer einen Ratschlag erhalten wollte, begab sich zur Puerta del Sol.

Da in Spanien damals wie heute sehr viel, um nicht zu sagen alles, über Beziehungen lief, lässt sich die Bedeutung der mentideros auch sehr schnell erschließen. Allerdings war San Felipe nur der volkstümlichste dieser Treffpunkte, keineswegs aber der einzige. Die Höflinge hatten ihren eigenen mentidero neben dem Alcázar/ Palacio Real, Treffpunkt all jener, deren Lebensinhalt darin bestand, bei Hofe zu empfangen oder empfangen zu werden. Und auch für die intellektuellen Freiberufler gab es einen eigenen mentidero, direkt im „Schriftstellerviertel“ an der Plaza Santa Ana, also nur einen Katzensprung von der Puerta del Sol gelegen.

Bei dieser Gelegenheit noch ein paar Worte zum Alltagsleben im Madrid des 16. und 17. Jahrhunderts. Entgegen des weit verbreiteten Vorurteils waren die Spanier der damaligen Epoche ausgesprochene Frühaufsteher. Im Sommer wurde der Beginn des Tages bereits um sieben Uhr durch das Läuten unzähliger Kirchenglocken eingeleitet, für sämtliche potentiellen Langschläfer der definitive Todesstoß. Innerhalb weniger Minuten füllten sich die Straßen mit zahlreichen „Wanderverkäufern“. Messerschleifer, Topfmacher, Wasserverkäufer oder auch Bettler trieben sich lautstark auf den Straßen herum. Auf den zahlreichen Märkten der Stadt wurden die Waren des täglichen Gebrauchs feilgeboten, wobei die Nahrung des damaligen Spaniers keineswegs allzu üppig ausfiel. Aus diesem Grund auch die zusätzliche Aufnahme von bis zu einem Liter Wein am Tag, um den täglichen Kalorienbedarf zu decken. Um zwei Uhr mittags war dann, für all diejenigen die regelmäßig aßen, Essenszeit, woran sich eine kurze Siesta anschloss, bis die Geschäfte wieder gegen vier Uhr öffneten.

Alles in allem muss der Alltag der meisten Menschen sehr arbeitsreich gewesen sein, wobei aber nicht vergessen werden darf, dass das Jahr durch eine Unzahl kirchlicher und höfisch-offizieller Feste unterbrochen und zugleich strukturiert wurde. Ein Phänomen, das den Alltag sofort sehr viel erträglicher werden ließ und im festversessenen Barock mit Hingabe und erheblichem finanziellen Aufwand zelebriert wurde.

Madrid, Puerta del Sol

Der Platz, so wie wir in heute sehen, geht allerdings auf das 18. und 19. Jahrhundert, auf die den Habsburgern nachfolgenden Bourbonen zurück. Dem Herrscher, der ganz entscheidend zur Modernisierung und Verschönerung Madrids beitrug, ist in der Mitte der Puerta del Sol ein Denkmal gesetzt: Karl III. (1759 – 1787). Dieser Bourbone sorgte nicht nur für eine ordentliche Straßenbepflasterung, sondern ließ auch zahlreiche öffentliche Verwaltungsgebäude anlegen. Dieses neue, bürgernähere Herrschaftsprinzip trug auch an der Puerta del Sol seine Früchte. Dem Reiterdenkmal Karls III. gegenüber blicken wir auf das Postamt, la Casa de Correos, das von einem Franzosen namens Jaime Marquet im Jahr 1766 erbaut wurde. Heute dient dieses Bauwerk nicht mehr postalischen Zwecken, es ist vielmehr Sitz der Madrider Regionalregierung.

Der Platz zu Füßen der ehemaligen Hauptpost entstand in seiner halbrunden Form allerdings noch ein knappes Jahrhundert später, nämlich nach 1850. Die Bourbonen waren nach den napoleonischen Wirren wieder auf den spanischen Thron zurückgekehrt und hatten urbanistisch dort weiter gemacht, wo die französischen Besatzer nicht fertig geworden waren: auf der Plaza de Oriente östlich des Königspalastes. Als die dortigen Bauarbeiten abgeschlossen worden waren, ging man an die Verschönerung des nächsten großen Platzes, der Puerta del Sol. Die hier befindlichen Kirchen und Konvente wurden allesamt abgerissen und hierdurch Bauland für die Errichtung von 50 Häusern im Umkreis eines Halbrundes geschaffen. Die Puerta del Sol war damit größer als die nebenan gelegene Plaza Mayor und hatte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihre heutige Form angenommen.

Aber natürlich wäre Madrid nicht Madrid, wenn nicht in der Zwischenzeit zahllose Veränderungen vorgenommen worden wären, die zum großen Teil heute nicht mehr zu sehen sind. Eine dieser Veränderungen war der Bau der ersten Madrider Straßenbahnlinie, die über die Puerta del Sol führte. Und auch in punkto Straßenbeleuchtung war der Platz ein Experimentierfeld: hier wurde im Jahre 1830 die erste Gaslaterne der Hauptstadt installiert (zur Feier der Geburt der späteren Königin Isabel II.) und 75 Jahre später durch die Installation der ersten elektrischen Laterne abgelöst (anlässlich der Hochzeitsfeier von König Alfons XIII.). Und momentan ist die Ostseite des Platzes durch den Bau eines unterirdischen Nahverkehrsbahnhofs verschandelt, der in Form von Holzabsperrungen und Kränen bis an die Erdoberfläche hoch gewachsen ist.

Dass es sich bei diesem Platz um den Platz der Madrilenen schlechthin handelt, das wird durch eine kleine Statue deutlich, die schräg hinter dem Reiterstandbild Karls III. zurückversetzt ist: die Skulpturengruppe des Bären und des Erdbeerbaums (ja, es gibt Erdbeerbäume!). Beide existierten vor der Ernennung Madrids zur Hauptstadt in den umliegenden Wäldern in reichlicher Anzahl und beide in Madrid inzwischen ausgerotteten Spezies sind sowohl im Stadtwappen als auch an dieser Plastik vertreten. Und als Beweis dafür, dass in Madrid die Traditionen beinahe unbeabsichtigt weitergelebt werden, mag eine Beobachtung dienen: wenn man sich heute zum Ausgehen trifft, so macht man dies in aller Regel am Nullkilometer oder unter dem Bären und dem Erdbeerbaum. Auf jeden Fall aber an der Puerta del Sol.



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