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Reiseführer Madrid

Glorieta Carlos V / Estación de Atocha

Die enorme Straßenkreuzung mit dem Namen Glorieta Carlos V hat zu dem ersten spanischen Habsburger keine engere Verbindung. Es handelt sich vielmehr um einen relativ künstlichen Namen für einen Ort, der im Volksmund nach wie vor unter dem Namen Glorieta de Atocha bekannt ist.
Dieser Name bezieht sich nicht in erster Linie auf den gleichnamigen Bahnhof, das beherrschende Bauwerk an diesem Platz. Vielmehr verweist er auf eine der wichtigsten madrilenischen Jungfrauen, die Virgen de Atocha, der direkt hinter dem Bahnhof eine der traditionsreichsten Kapellen der Stadt gewidmet ist. Die Capilla de la Virgen de Atocha ist zugleich die Kapelle, in der die spanischen Könige bei wichtigen Anlässen einkehren, um der dortigen Jungfrau und ihrer Skulptur zu huldigen.
Der Name „Atocha“ bezeichnet eine Grasart, die in diesen Gefilden kniehoch wuchs und das gesamte Gelände in eine regelrechte Schilflandschaft verwandelte. Diese Region war vollkommen bewaldet, denn auch die Ausläufer des Retiro-Parks erstreckten sich bis hier her. Es handelte sich also um ein schattiges und kühles Gelände, das deshalb (und natürlich auch, weil es am Südende des damaligen Madrid lag) den Beinamen „Südpol“ erhielt. 
Die Bebauung dieser Gegend begann verstärkt ab dem 18. Jahrhundert, als sowohl der Paseo del Prado als auch das Hospital General (heute Sitz des Museo Reina Sofía) fertig gestellt wurden. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts folgte der Großteil der weiteren Bauwerke, die wir im Folgenden kurz vorstellen.

Praktische Tipps zu: Glorietta de Atocha / Carlos V. + Museo Reina Sofia
gibt's hier...
  • Bar Automático

Argumosa 17 Tel.: 91 530 99 21, täglich 18.00-01.30,  Metro: Lavapiés.
Einer der Treffpunkte der alternativen Szene in Madrid. In Lavapiés gelegene, von Anwohnern wie von Touristen gern frequentierte Bar mit kleinem, aber gutem Angebot an Tapas. Ca. 15 Euro pro Person.

  • Bar El Brillante

Sánchez Bustillo 6/ Glorieta Emperador Carlos V 8,  Tel.: 91 539 28 06,  Metro: Atocha.
Eine Bar und ein Mythos zugleich. Direkt gegenüber des Atocha-Bahnhofs gelegener Treff der Madrider Taxifahrer, die allerdings in dem länglichen und grell beleuchteten Lokal nicht unter sich bleiben. Von Nachtschwärmern bis hin zu leicht verwirrten Touristen mischt sich hier ein buntes Völkchen in munterer Anarchie. Zu Stoßzeiten muss man schon mal in Viererreihen am Tresen darauf warten, bedient zu werden. Dafür gibt´s dann auch das angeblich beste bocadillo de calamares in ganz Madrid – belegtes Brötchen mit Calamares. Erlebnis oder Horrorerlebnis – auf jeden Fall ist dieses Lokal einen kurzen Abstecher wert.

  • Bar Nietzsche

Doctor Fourquet 12, täglich 21.00-02.00,  Metro: Atocha
Durchgestylte Bar, in der eher dem kühlen Design und den gut gemixten Cocktails gefrönt wird als der Philosophie des 19. Jahrhunderts. Angeblich einer der Lieblingstreffpunkte diverser Fußball- und Stierkampfstars. Hier fängt man einen Millionär!

  • Bar/ Restaurante Los Zuritos

Atocha 110, Tel.: 91 528 27 31,  Metro: Atocha.
Moderne Mischung aus Bar und Restaurant – und das nur einen Steinwurf von den großen Museen entfernt. Dennoch ist dieses Etablissement noch nicht von den Menschenmassen heimgesucht worden, so dass es sich hier in entspannter Atmosphäre Wein und Tapas degustieren lässt.  Ca. 15-20 Euro pro Person.

  • Bar Ya-la

Sánchez Bustillo 2, Metro: Atocha.
Vor allem im Frühjahr und im Sommer gut besuchte Bar mit Sitzplätzen im Freien – genau gegenüber des Reina Sofía und damit mit einem erstklassigen Blick auf die Hauptfassade dieser Institution.

  • Cafetería Sanabría

Doctor Mata 3, Tel.: 91 467 33 90,  Metro: Atocha.
Alt eingessene Cafeteria ohne jegliche ästhetischen Ansprüche. Will heißen: die Holzstühle sind weder designt noch allzu bequem und auch die Beleuchtung ist in den Morgenstunden alles andere als schmeichelhaft. Trotzdem: hier lässt es sich prima frühstücken und üppig zu Mittag tafeln. Rustikal-tradtionell, für 15.- Euro pro Person.

  • Centro Dramático Nacional

Plaza de Lavapiés,Internet: cdn.mcu.es,  Metro: Lavapiés.
Im Jahre 2007 fertig gestelltes Nationaltheater, das die Plaza de Lavapiés jahrelang in eine Baustelle verwandelte. Dafür wird jetzt endlich Theater gespielt, von barock bis zeitgenössisch, aber fast immer modern inszeniert.

  • Convento Agustinas Recoletas

Santa Isabel 48, Metro: Atocha.
In der Mitte des 17. Jahrhunderts an einen Renaissancepalast angebauter Augustinerinnenkonvent, bei dessen Ausgestaltung u.a. auch der damalige Hofarchitekt Juan Gómez de Mora beteiligt war.  Die Kirche präsentiert die typischen, schlichten Merkmale des madrilenischen Barock. Im früheren Palast ist heute eine Schule untergebracht.

  • Galería Africa Vérité

Sánchez Bustillo 4, Montag bis Freitag 10.00-14.00 und 17.30-20.30,  Metro: Atocha.
Auf afrikanische Kunst spezialisierte Galerie unweit des Reina Sofía.

  • Galería Maisterra Valbuena

Doctor Fourquet 1, Tel.: 91 530 78 89, Internet: www.maisterravalbuena.com,  Metro: Atocha.
Galerie zwischen Reina Sofía und Lavapiés, die sich mit ihren Ausstellungen in letzter Zeit einen Namen in der Madrider Kunstszene gemacht. Internationale Ausrichtung, mit einem der Schwerpunkte auf der lateinamerikanischen Gegenwartskunst.

  • Galería Salvador Díaz

Sánchez Bustillo 6, Tel.: 91 527 40 00, Internet: www.salvadordiaz.net,  Metro: Atocha.
Ganz wie es sich für eine Galerie im Umfeld des Reina Sofía gehört, so legt auch die Galería Salvador Díaz ihren Schwerpunkt auf die zeitgenössische und avantgardistische Kunst. Malerei, Fotografie und Videokunst kommen hier immer wieder zum Zug.

  • Museo La Casa Encendida

Ronda de Valencia 2, Tel.: 902 430 322, Internet: www.lacasaencendida.es, täglich 10.00-22.00, Metro: Embajadores, Atocha.
Kunst- und Veranstaltungszentrum, das nur einen Steinwurf vom Reina Sofía entfernt ist. Im Unterschied zu seiner großen Schwester bietet die Casa Encendida aber immer auch unbekannten Künstlern eine Ausstellungsmöglichkeit. Zahlreiche Veranstaltungen von Performances bis hin zu Konzerten untermauern ihre Stellung als alternativer Kunstort – auch wenn mit Caja Madrid eine der größten spanischen Banken als Sponsor auftritt.

  • Museo/ Centro de Arte Reina Sofía

Santa Isabel 52, Tel.: 91 774 10 00, Internet: www.museoreinasofia.es, Montag bis Samstag 10.00-21.00, Sonntag 10.00-14.30, Samstag ab 14.30 Eintritt frei, ansonsten 6.- € (ermäßigt 3.- €), Metro: Atocha.
Museum und Kunstzentrum zugleich. Ständige Ausstellung zur spanischen Moderne ( Dalí, Picasso, Miró, Tapiès). Sonderausstellungen zu zeitgenössischen Künstlern. Konferenzen und Performances. Insbesondere für Liebhaber der modernen Architektur ist die Besichtigung des neuen Bauteils von Jean Nouvel ein Muss.

  • Restaurante Arola Madrid

Argumosa 43, Tel.: 91 467 02 02, Geschlossen am Dienstag und abends, Metro: Atocha.
Restaurant des spanischen Designerkochs Sergi Arola. Er gehört zu jener Garde spanischer Jungköche, die seit Jahren sämtliche Preise bei internationalen Kochwettbewerben einheimst. Die kulinarischen Feingeister kommen hier bestimmt auf ihre Kosten. Wer großen Hunger hat, sollte jedoch andere Restaurants aufsuchen. Preis pro Person: ca. 50.- €.

  • Restaurante El Granero de Lavapiés

Argumosa 10, Tel.: 91 467 76 11, Montag bis Samstag 13.00-16.00, Metro: Lavapiés.

Beliebtes vegetarisches Restaurant im Stadtviertel Lavapiés mit angeschlossener Bäckerei. Mittagsmenü für 10.-€ pro Person.

 

Atocha-Bahnhof (Estación de Atocha)
Als der Schienenverkehr Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Spanien Fuß fasste, wurde an dieser Stelle ein erstes Bahnhofsgebäude errichtet. 30 Jahre später ging es jedoch bei einem Brand in Flammen auf.
Im Jahr 1888 begannen daher die Bauarbeiten für den neuen Bahnhof, der auch aus Gründen des Feuerschutzes eine Stahl-Glas-Konstruktion erhielt. Der Erbauer war ein gewisser Antonio Palacios, ein enger Mitarbeiter Gustave Eiffels und Autor etlicher anderer Bauwerke der Jahrhundertwende im Zentrum Madrids. Der Einfluss Eiffels ist auch eine Erklärung der Vorliebe Palacios´ für die damals relativ neue Stahl-Glas-Bauweise. Die Stahldecke des mehr als 150 Meter langen Bauwerks war dabei extra in Belgien konstruiert und dann in Einzelteilen verpackt zum Bestimmungsort Madrid transportiert worden.

Madrid, Atocha Bahnhof

Foto: © smn - Fotolia.com

Zwischen 1985 und 1992 wurde der Atocha-Bahnhof durch den Architekten Rafael Moneo mit dem Ziel erweitert, die vierfache Kapazität herzustellen. In der Folge dieser Erweiterung wurde der ehemalige Bahnhof als solcher nutzlos, da die neuen Hochgeschwindigkeits- und Nahverkehrszüge allesamt in den neuen Gebäudeteil verlegt wurden. Eine weitere Idee Moneos bestand darin, das ehemalige Bahnhofsgebäude als Gewächshaus und Wartehalle in einem zu nutzen – sicher ein ungewöhnlicher Einfall. So bekommen in Madrid ankommende Reisende als erstes eine grüne, palmenbewachsene Oase zu sehen, und der ein oder andere von ihnen kommt dabei sicher auf die falsche Idee, in einer Stadt der Grünflächen angekommen zu sein.
Bei der Konstruktion des Erweiterungsbaus entschied sich Moneo dafür, diesen so gut wie möglich in die Umgebung zu integrieren und den historischen Bahnhof – die heutige Wartehalle – als dominierendes Element des Gesamtkomplexes zu belassen. Aus diesem Grund waren die einzelnen Bauteile des neuen Terminals nur von geringer Höhe und griffen bei der Verwendung der Baumaterialien das Glas des alten Bahnhofs sowie den typisch kastilischen Backstein wieder auf. Der neue Zugterminal hat eine zylindrische Form und ist über einen Backsteinturm im Stil eines italienischen Campanile mit der heutigen Wartehalle verbunden.

Der Name Atocha wird aber leider immer mit dem blutigen Attentat vom 11.3.2004 in Verbindung bleiben, bei dem fast 200 Menschen getötet wurden. Zum Gedenken an die Opfer dieses Anschlags wurde am 11.3.2007 ein Monument an der Ostseite des Bahnhofs eingeweiht, entwickelt von einem noch sehr jungen Architektenbüro, das sich vor allem der Verbindung von Urbanismus und Architektur verschrieben hat. Das Mahnmal wurde genau auf der Höhe des Ortes errichtet, an dem eine der Bomben explodierte. Es ist in einen oberirdischen und einen unterirdischen Trakt aufgeteilt. Der an der Ostseite des neuen Terminals sichtbare Teil besteht aus einem Glasmonolith von elf Metern Höhe, dessen unterirdischer Teil vom Bahnhofsinneren aus zu betreten ist. Dieser empfängt den Besucher mit einem blauen Saal. Von diesem Saal aus wandert der Blick die Innenseite des Glasmonoliths entlang in die Höhe, wo anonyme Botschaften, Texte und Beileidsbekundungen verewigt sind, welche im Bahnhof und seiner Umgebung unmittelbar nach dem Attentat hinterlassen wurden.

Das zweite Bauwerk, das die Glorieta de Carlos V dominiert, ist das um 1900 fertig gestellte Landwirtschaftsministerium (Ministerio de Agricultura). Für diesen imposanten Bau musste sogar ein Teil des etwas weiter östlich gelegenen Retiro-Parks weichen, der sich mit einem kleinen Pinienhain bis an diesen Ort erstreckte. Über dem portikusartigen Eingang thront die Statue der römischen Göttin Demeter, ihres Zeichens Schutzpatronin der Landwirte.

Direkt gegenüber der heutigen Wartehalle des Atocha-Bahnhofs sticht mit dem Hotel Mediodía ein weiteres Bauwerk der Jahrhundertwende aus dem Häusermeer hervor. Nicht ganz so luxuriös wie die am Paseo del Prado gelegenen Hotel Palace und Hotel Ritz war das Hotel Mediodia dennoch Bestandteil jenes ganzen Kranzes an Hotels, der im Gefolge der Erbauung des Atocha-Bahnhofs in dieser Gegend entstanden.

 



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