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Verbrannte Erde

Zuletzt stürzte die Präsidentschaftswahl im Dezember 2001 das Land in eine tiefe Krise. Der bis dato amtierende Präsident Didier Ratsiraka wollte die Wahlniederlage nicht hinnehmen. Seine Anhänger errichteten Straßensperren, sprengten Brücken und Bahngleise, um die Hauptstadt Tana, Hochburg des Herausforderers Marc Ravalomanana, zu isolieren.

Madagaskar mit Fahrrad und Reis
Mit Fahrrad und Reis auf dem Weg zum Markt

Wir fahren über eine neu errichtete Brücke, neben der die Trümmer der gesprengten alten wie das zerbrochene Spielzeug eines Riesen im ausgetrockneten Flussbett liegen. Ein kleiner Junge am Straßenrand zaubert ein weißes Kaninchen hervor und streckt uns das zappelnde Langohr entgegen. Ein anderer preist einen Karpfen an, der ihm von der Schulter bis zu den Fußknöcheln reicht. „Vazaha, vazaha“, rufen uns die Kinder lachend zu, sobald sie unsere bleichen Gesichter bemerken. „Bereits kontrolliert“ heißt das und stammt aus einer Zeit, in der niemand ohne Überprüfung die Tore der Stadt passieren, geschweige denn dem König seine Aufwartung machen durfte. „Vazaha“, das sind immer noch die Fremden, das sind die Weißen. Wir sind „Vazaha“.

Madagaskar VerkäuferinAuch der „Patron“, der Besitzer einer großen Zebu-Herde, gilt als „Vazaha“. Vielleicht weil sich das Vermögen an der Anzahl der gehaltenen Zebus bemisst und wohlhabend gleich anders ist. Doch die Rinder sind viel mehr als ein Zeichen materiellen Reichtums, Prestigeobjekte, Arbeitstiere, Fleisch- und Milchlieferanten. Es sind Opfertiere, ohne die es keine "Famadihana", keine Totenumwendung, gibt. Alle fünf bis sieben Jahre feiert die madagassische Familie dieses religiöse Fest. Es ist das größte und wichtigste überhaupt. Dabei werden die Familiengräber geöffnet, die Überreste der Verstorbenen herausgeholt, mit neuen Seidentüchern umwickelt und von den Mitgliedern der Familie in einer feierlichen Prozession durchs Dorf getragen. Die Zeremonie soll die Ahnen darüber informieren, was sich seit der letzten "Famadihana" ereignet hat. Die Totenumwendung ist ein fröhliches Fest, bei dem viel gesungen, getanzt, getrunken und gegessen wird – aber auch ein teurer Spaß. Mit drei oder vier Millionen Francs Malgaches, rund 350 Euro, schlagen die "neuen Kleider" für die Ahnen und die Bewirtung der Gäste zu Buche. Allein die geopferten Zebus kosten ein Vermögen.



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