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Am nächsten Morgen kriechen wir durchs dichte Unterholz. Plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Baumwipfel wackeln, Blätter rauschen, Zeigefinger schnellen nach oben, Objektive fahren surrend aus: Lässig hangelt sich die ersehnte Indri-Familie heran. Völlig unbeeindruckt von der Touristenschar springen die koboldäugigen Wesen von Stamm zu Stamm, lassen sich mal hier, mal dort nieder, holen mit ihren langen Armen Äste heran und stopfen sich genüsslich Blätter ins Maul, um dann ohne Vorwarnung ein ohrenbetäubendes Konzert anzustimmen.

Madagaskar Gebirge und Reisfelder
Reisfelder am Rande der Berge

Es ertönt ein polyphones Trompeten, ein Kreischen als würde man auf einem Grashalm pfeifen oder Feuerwerkskörper in den Himmel jagen. Die gellenden Schreie durchdringen Mark, Bein und den ganzen Wald. "Halt! Bis hierhin und nicht weiter!", heißt das, und das Naturreservat bei Andasibe ist der einzige Ort auf der Welt, an dem man die unheimlichen Laute hören und diese Geschöpfe bestaunen kann.

Mahnmale in der roten Erde

Babakoto, Vetter, wird der Indri, der mit außergewöhnlichem Gesang sein Revier markiert, von den Madagassen genannt. Sie verehren den größten aller Lemuren als Wiedergeburt ihrer Ahnen. Der Primat mit dem grauen flauschigen Pelz, dem Stummelschwanz, dem schwarzen Fuchsgesicht und den Pinselohren wird bis zu neunzig Zentimeter groß und manchmal sechzig Jahre alt. Ein ausgewachsener Indri frisst zwei Kilo am Tag und stellt sich seinen Nahrungscocktail aus dem Laub und den Früchten vierzig verschiedener Bäume zusammen. Ohne diesen speziellen Mix stirbt er. Ein Umstand, der verhindert, dass aus dem Indri jemals ein Zoo-Tier wird.

Madagaskar Familie im Hochland
Eine Familie im Andringitra-Gebirge

Vom tropischen Regenwald auf Madagaskar, dem Lebensraum des Indris, ist nur mehr ein schmaler Streifen zwischen der Ostküste und dem Hochland übrig. Mehr als neunzig Prozent des gesamten Inselwaldes wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch massives Abholzen und Brandrodung vernichtet. Die Holzkohlegewinnung, oftmals einzige Einnahmequelle für die Ärmsten der Bevölkerung, und der Wanderfeldbau tragen zur weiteren Zerstörung des Ökosystems bei. Auf dem Weg nach Süden sieht man einzelne Bäume wie Mahnmale aus der kahlen roten Erde ragen.



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