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Immer mit der Ruhe!

 Arme Menschen und grandiose Natur in Madagaskar

Text und Fotos: Kerstin Wolters

Madagaskar Zebu im Reisfeld

„Wir haben zwar keine Luxus-Hotels, aber eine 5-Sterne-Natur“. Das stellt der Prospekt der Air Madagascar in Aussicht. Ersteres glaubt man sofort, das zweite bestätigt sich im Laufe der Reise. Im Schritttempo geht’s zunächst durch die engen Gassen der Hauptstadt Antanarivo, die aus allen Nähten platzt. Staus gehören zum Stadtbild dieses 1,4-Millionen-Einwohner-Molochs wie die maroden Häuser und die bunt gestrichenen Marktstände am Straßenrand. Würste und Innereien hängen von der Decke. Fische und Fahrradreifen wechseln den Besitzer. Fleisch brutzelt in den Garküchen. Wer zu Fuß unterwegs ist, und das sind viele, beherrscht den Stoßstangen-Slalom perfekt. Lärm, Hektik, Exotik. Willkommen in einer anderen Welt, meldet die linke Gehirnhälfte, in deren Windungen die Wahrnehmungen Achterbahn fahren.

Auf der Route Nationale 2, einer der wenigen asphaltierten Pisten auf Madagaskar, braust unser Kleinbus 140 Kilometer nach Osten. Dorthin, wo der Indri wohnt. Diese Lemurenart lebt im über 800 Hektar großen Naturreservat bei Andasibe oder Périnet, so der alte koloniale Name der Stadt, der sich trotz staatlich vorangetriebener Umbenennung hartnäckig hält.

Madagaskar Zebu-Karren
Ein wichtiges Transportmittel

Das Bergmassiv mit dem ausgedehnten Primärwaldbestand ist der Lebensraum seltener Orchideen und Kakteen, des weltweit größten Chamäleons, farbenprächtiger Schmetterlinge sowie des Tenreks, eines Borstenigels, der wie die Lemuren nur auf Madagaskar vorkommt.

Auf der Arche Noah

Madagaskar KattuNach den römischen Totengeistern, den "lemures", wurden diese Feuchtnasenaffen, deren Augen nachts wie glühende Kohlen leuchten, einst benannt. Lemuria taufte man folglich die Landbrücke, die zwischen Vorderindien und Madagaskar gelegen haben soll. Über diese Verbindung seien die Tiere auf den "achten Kontinent" gelangt, so die Vermutung. Heute weiß man, dass die Plattentektonik für die isolierte Lage der viertgrößten Insel der Erde verantwortlich ist. Als Gondwana, der Ur-Kontinent, vor 150 Millionen Jahren zerbrach, wurde Madagaskar zur Arche Noah.

Beim Zwischenstopp im Tierpark von Marozevo bekommen wir eine erste Einführung ins zoologische Raritätenkabinett. Ein kleines Mädchen, dem man eine Boa um den Hals gehängt hat, streichelt verzückt den Kopf der Schlange, ein Krokodil döst mit aufgerissenem Maul im Gras, Chamäleons sitzen bewegungslos im Gebüsch. Die Frösche sind hier leuchtend orange und der Tausendfüßer nicht nur knallrot, sondern auch dicker als der Armreif des Mannes, der freiwillig achthundert gelbe Beine über seinen Handrücken krabbeln lässt. Gäbe es hier nicht auch schön gezeichnete Schmetterlinge und in den Bäumen turnende, grazile weiße Larvensifakas, eine weitere Lemurenart, man könnte den Eindruck gewinnen, nur die hässlichen Tiere hätten es auf die Insel geschafft.



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