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Das Feuer vertreibt die bösen Geister

Madagaskar Süden König1610 gründete der Merina-König Andrianjaka (Abbildung rechts), der die Hochlandbewohner unterjochte, die Bastion Antananarivo. Der "Ort der tausend Krieger", auf zwölf Hügeln ausgebreitet, wird kurz Tana genannt. Die Merina und die benachbarten Betsileo, Menschen mit eindeutig malaiisch-austronesischem Aussehen, stammen von Seefahrern ab, die vor mehr als 1500 Jahren aus Südostasien gelandet waren. Schon bald fühlten sich die Hochlandvölker zur Herrschaft über die 17 anderen teilweise aus dem nahen Afrika eingewanderten Volksgruppen berufen. König Andrianampoinimerina, der Ende des 18. Jahrhunderts halb Madagaskar unter seine Kontrolle gebracht hatte, proklamierte ein Reich, "dessen Reisfelder bis zum Meer reichen sollen".

Seine Schwiegertochter Ranavalona I. liebte den Glamour der Franzosen, schürte aber gleichzeitig den Hass gegen die Weißen und verfolgte sie grausam. Hatten diese sich doch seit 1500, als der Portugiese Diego Diaz an der Nordspitze gelandet war, vornehmlich als Sklavenhändler und Piraten, Missionare und Plantagenbesitzer im Land breitgemacht. Dennoch wurde die mit rund 590.000 Quadratkilometer viertgrößte Insel der Welt 1896 eine französische Kolonie und erst 1960 unabhängig. Die 70er und 80er Jahre bestimmten Militärs und Marxisten. Bis dann die Welle der ideologischen Wende auch Madagaskar erfasste.

Madagaskar Süden Sakalava-Frau
Die Sakalava-Frau schützt sich mit Naturcreme gegen die Sonne

Wie ein Fanal bleibt der Palastbrand im Gedächtnis, schließlich brennt es ja im ganzen Land unaufhörlich an allen Ecken. Ein Anblick, der westliche Besucher erschreckt, weil er ihrem Bild von der Naturidylle Madagaskar so abrupt widerspricht. Mindestens 200.000 Hektar Wald, so schätzt man, gehen jährlich in Flammen auf. Doch es geht nicht nur um Holzkohle und Brandrodung zugunsten der Viehweiden. Zeburinder, davon gibt es auf der Insel mindestens ebenso viele wie Menschen, bedeuten Wohlstand, ermöglichen Heirat und Kinderreichtum. Kahle Hänge ermöglichen, so weiß man seit vielen Generationen, schnelleren Abfluss des Regenwassers in die Reisfelder, die wiederum die jährlich um drei Prozent wachsende Bevölkerung ernähren sollen. Und außerdem vertreibt das Feuer die Lolo, die bösen Geister und, so der überlieferte Glaube in manchen Regionen, es besänftigt die Ahnen. Ein fataler Zusammenhang von Bedürfnissen und Traditionen, die in Madagaskar felsenfest verankert sind.



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