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Kirchen, Künstler, schräge Vögel

 Begegnungen in der litauischen Hauptstadt Vilnius

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Litauen vilnius AkkordeonspielerinFast schon selbstverständlich ist Litauens Zugehörigkeit zur Europäischen Union. Weniger selbstverständlich ist ein Besuch in dem kleinen baltischen Staat, und kaum bekannt ist auch die Hauptstadt Vilnius. Unser Autor gibt eine Einführung in die historischen und aktuellen Facetten einer osteuropäischen Metropole.

Wenn Mario Böhler, der Repräsentant von Lithuanian Airlines, Litauen auf einer Touristikmesse präsentiert, muss er oft Missverständnisse klären. „Viele sehen unsere Fahne und fragen erst einmal, ob wir nach Jamaika fliegen“, berichtet er schmunzelnd. Zugegeben, leuchtendes Gelb und Grün gibt es bei den Rastafaris genauso wie in der Landesflagge Litauens, des südlichsten und lebhaftesten der drei baltischen Staaten. Aber die Frage ist auch Ausdruck einer Geisteshaltung: Die Karibikinsel Jamaika scheint vielen Deutschen näher und präsenter zu sein, als der neue EU-Partner mit der gelb-grün-roten Fahne. „Das Gelb steht für die Getreidefelder, das Grün für die Wälder und das Rot für das viele Blut, das geflossen ist, als Litauen um seine Unabhängigkeit gekämpft hat“, erläutert Aiste Ivoškute, eine Litauerin aus der Hauptstadt Vilnius.

Die doppelte Hauptstadt

Es ist eine Hauptstadt, die mittlerweile eine Art doppelte Hauptstadt geworden ist. Denn jenseits des Flusses Vilnia, in Uzupis, beginnt das Reich von Romas Lileikis, des Präsidenten der autonomen Republik Uzupis. „Wir haben eine eigene Währung, einen eigenen Nationalfeiertag, eine eigene Fahne und sogar eigene Briefmarken“, erläutert Darius Cepas, der seit sieben Jahren in Uzupis lebt. „In unserer Verfassung spielen Hunde und Katzen eine wichtige Rolle“, berichtet Darius Cepas.

Litauen vilnius Uzupis

Und in der Tat: In Artikel 10 heißt es „Jeder hat das Recht, eine Katze zu lieben und für sie zu sorgen“, während Artikel 12 bekundet, dass jeder Hund das Recht haben soll, ein Hund zu sein. Auch die Artikel, die auf die menschlichen Bewohner gemünzt sind, sind von Toleranz geprägt: Jeder hat das Recht, missverstanden zu werden, heißt es darin beispielsweise (Artikel 34), und jeder hat das Recht, unglücklich zu sein (Artikel 17). Auch das Recht auf Faulheit und Untätigkeit ist in der Verfassung festgeschrieben, die durch und durch vom pazifistischen Geist geprägt ist.



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