DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Besonders am Abend eines sonnigen Tages, wenn der Wind eingeschlafen ist, ist so eine Haffpartie angesagt: Die untergehende Sonne taucht die große Düne in orangefarbenes Licht, bevor der Sand selbst rosa zu glühen beginnt, aber bald alles im Meer der Dunkelheit zu versinken scheint. Über dem Haff geht der Mond auf, zuerst fahl, fast noch unsicher nimmt die Kraft des Strahlens zu, je dunkler es wird. Wenn Meer und Himmel kaum noch unterscheidbar im undurchdringbaren Nachtblau eins werden, steht er ganz hell strahlend hoch droben und spiegelt sich in einem breiten silbernen Saum auf dem Haff. Blaue Stunde bevor das Nachtleben erwacht, Momente der Stille, gelassener Wohlklang, ein Bild vollkommenen Friedens. Zu dieser Stunde sitzen traditionell die Fischer auf der Bank vor dem Haus. Die Hände in den Schoß gelegt, lassen sie den Tag noch einmal passieren.

Diese fast außerirdische Schönheit hat immer wieder namhafte Künstler angezogen. E.T.A. Hoffmann ließ sein Majorat hier spielen, Thomas Mann schrieb hier Joseph und seine Brüder.Litauen / Kurische Nehrung 6 Unter den Schriftstellern, die den Sommer öfter in Nidden verbrachten, war Thomas Mann sicher der Bedeutendste. Er baute sich auf dem Schwiegermutterberg ein Haus im ortsüblichen Stil, nicht viel mehr als einen Steinwurf vom Hotel Blode entfernt (Bild rechts). 1930 - 1932 verbrachte er hier die Sommer, danach sollte er es nie wieder sehen. Mann emigrierte nach Amerika und wohnte dort ähnlich - immer das Rauschen des Meeres im Ohr.

Überdies war Nidden schon vor hundert Jahren eine richtige Künstlerkolonie. Hier begannen sich Anfang des Jahrhunderts Königsberger Akademieprofessoren zuerst zur Sommerfrische einzumieten. Später folgten die Maler Bischoff, Pechstein, Schmidt-Rottluff, Corinth und Mollenhauer. Er verließ Nidden als einer der Letzten erst im Januar 1945. Dabei ging sein gesamtes Werk verloren, von den Nazis als "entartete Kunst" diffamiert und vernichtet.

Heuet pflegt man Reminiszenzen an diesen Teil der Vergangenheit, und auch an die Traditionen der kurischen Bevölkerung sind wieder da. Ihr Brauchtum wird dokumentiert und gepflegt, seien es die fremdartig anmutenden hölzernen Grabtafeln, ihre spezielle Bootsbaukunst, ihre Schnitzkunst.

Litauen / Kurische Nehrung 7
Altarraum der Evangelischen Kirche am alten
Niddener Fischerfriedhof in "Niddener Blau"

Manche Bräuche erscheinen uns heute allerdings etwas streng, das "Krajebieten" zum Beispiel: Die Nehrung ist Durchzugsgebiet von Krähenschwärme. Krähen gab und gibt es also zuhauf. Also jagten die Nehrungsbewohner die Vögel und töteten sie mit einem Biss, der die Schädeldecke der Vögel eindrückte. Gepökelt eingelegt galten sie als Delikatesse und waren Nahrungsreserve für den langen Winter.



Reiseveranstalter Litauen




 

Twitter
RSS