Die Begeisterung für den Schnee besteht bei den Liechtensteinern allerdings noch nicht allzu lange, denn die einheimischen Bauern aus den Gemeinden Vaduz oder Triesenberg mochten den Winter ursprünglich überhaupt nicht. Sie kamen lediglich im Sommer ins entlegene Malbun, um dort ihr Vieh grasen zu lassen, die Wiesen zu mähen und Heu einzubringen. Anfang November kehrten einige von ihnen mit ihren Tieren auf die verschneite Alp zurück, um das im Sommer dort getrocknete Heu zu verfüttern. Spätestens bis Weihnachten jedoch mussten sie unbedingt in ihre tiefer gelegenen Siedlungen zurückkehren, denn danach beherrschten angeblich die bösen Geister die Alp von Malbun. Wenn dann vor Weihnachten überraschende Schneefälle den Rückweg abschnitten, schaufelte sich die ganze Gemeinde in einem Kräfte zehrenden Gewaltakt ihren auf der Alp isolierten Viehhirten entgegen, um ihnen und den Herden eine rechtzeitige Heimkehr zu ermöglichen.
Spuren der traditionellen
Lebensweise sind auch heute noch in den Liechtensteiner Bergen zu
sehen. Im jetzigen Langlaufzentrum Steg, einige hundert Höhenmeter
unterhalb von Malbun, bestand eine Art jahreszeitlicher Übergangssiedlung,
von den Bauern bewohnt im Frühling und Spätherbst. Dort
stehen die Häuser und Scheunen weiterhin in der traditionellen
Ringbauweise rund um ein großes Wiesenareal, wo im Winter
die Langlaufloipen ins angrenzende Valünatal ihren Ausgangspunkt
haben. Im Innern dieser festungsartig anmutenden bäuerlichen Siedlung
besaß und besitzt jede Familie ein Stück Boden für
die eigene Heuernte, während das Land außen um das Dorf
herum, ähnlich wie auf der Alp, Gemeinschaftseigentum ist.
Dass zwei konkurrierende Gesellschaften die wenigen Liftanlagen in dem kleinen Skigebiet von Malbun betreiben, mag auf den ersten Blick erstaunen, hat seinen Ursprung jedoch in diesen althergebrachten kollektiven Eigentumsverhältnissen auf der Alp und dem daraus resultierenden "Dörfli-Denken", einem strengen Lokalpatriotismus der nach außen hin so weltoffenen Liechtensteiner. Die eine Hälfte der Malbuner Alp gehört seit jeher den Vaduzer Bauern in genossenschaftlichem Eigentum, die andere den Triesenbergern, und beide Gruppen besitzen einen besonders engen Zusammenhalt untereinander, der es Fremden unmöglich macht, in die jeweilige Genossenschaft einzutreten. Jedes Mitglied kann sein Alprecht nur an die eigenen Nachkommen vererben. Als sich die Vaduzer entschieden, auf ihrem Gebiet Skipisten zu genehmigen, war dies den Triesenbergern zunächst überhaupt nicht recht, doch mit der Zeit zogen sie nach und installierten auch auf ihrem Terrain einen Lift. Beide Anlagen laufen bis heute unter getrennter Leitung, doch hat man sich nach einigen Jahren wenigstens auf ein gemeinsames Liftticket geeinigt.
Seite 1 / 2 / 3 / 4 / zur Startseite