Richtig Betrieb herrscht auf den Pisten von Malbun jeden Mittwoch, wenn sämtliche Schüler des Landes ihren freien Skinachmittag haben und sich zu einem besonderen Winterspektakel treffen. Die Sportlichen jagen dann mit leuchtend bunten Schutzhelmen auf dem Kopf hinter ihren Trainern die Hänge hinunter, während sich die Trendbewussten beim Snowboardfahren vergnügen. Auch in Liechtenstein nimmt die Begeisterung für diese Art Schneespaß immer mehr zu. Ähnlich wie in der Schweiz versucht man von offizieller Seite den eher heimelig-alpinen Begriff des "Snöberns" dafür zu verbreiten, bisher jedoch vergeblich. Die Jugendlichen bleiben beim "Snowboard", kleiden sich auch im konservativen Liechtenstein mit ausgebeulten Schlabberklamotten, in denen sie die Pisten herunterflattern oder in ganzen Rudeln im Tiefschnee zusammenliegen und ausruhen.
Da ihre älteren Geschwister den schulfreien Nachmittag in Malbun verbringen, kommen auch die Vorschulknirpse gleich mit und üben, ebenfalls von bunten Helmen behütet, Schneepflug, Schwünge und Schussfahrt.Stolze Väter machen Videoaufnahmen von ihren Söhnen, die in tiefer Hocke den Berg heruntersausen, und die meisten Mütter, die ihren Nachwuchs begleiten, können ihren fünf- bis zehnjährigen Skisprößlingen nur fassungslos hinterherschauen, wenn diese in rasanter Fahrt hinter der nächsten Biegung verschwinden.
Die Jugend eines ganzen, wenn auch kleinen, Landes befindet sich im totalen Skivergnügen. Es scheint, als sei die Schule der Nation in Liechtenstein die Skischule, und die leistet tatsächlich ganze Arbeit.Selten fühlt man sich in einem Skigebiet auch bei Hochbetrieb so sicher und unbehelligt wie in Malbun, wo fast jeder seine Bretter beherrscht. Überhaupt sind die Liechtensteiner ein skibegeistertes, skiverrücktes Völkchen, mehr noch als Schweizer und Österreicher zusammen. Die Euphorie ist derzeit zwar nicht mehr so groß wie in den Jahren, als die Liechtensteinerin Hanni Wenzel drei olympische Goldmedaillen gewann, die Schulklassen zu Fernsehübertragungen nach Hause geschickt wurden und die Straßen des Landes in den entscheidenden Minuten eines Skirennens leergefegt waren, doch gelten heutzutage auch Berichte über ein enttäuschendes Abschneiden der Liechtensteiner Equipe mit Platzierungen zwischen fünfzig und achtzig als "top news".
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