
Text und Fotos: Volker Mehnert
Wenn die Liechtensteinische Fürstenfamilie die Ski unterschnallt und sich in Malbun im Schnee tummelt, bleiben die Paparazzi zu Hause. Das Interesse der Skandaljournaille an der Monarchie in diesem Kleinstaat ist erstaunlich gering, und Fürst Hans-Adam II. kann deshalb ohne Bodyguards in seinem heimischen Skigebiet erscheinen. Wenn er hin und wieder die Skibrille abnimmt und von seinen Landsleuten erkannt wird, entlockt er ihnen höchstens die wohlwollende, aber wenig überraschte Bemerkung: "Ach, der Fürscht." Und mit ihm scheint sich ganz Liechtenstein auf den heimischen Pisten zu tummeln. Volker Mehnert war dabei.

Wer im Skilift oder auf der Hütte versucht, nach irgendwelchen Gerüchten oder gar Skandalgeschichten rund um das Fürstenhaus zu bohren, erhält von den Untertanen eine freundliche, aber bestimmte Abfuhr: "Unser Fürscht, der is´ scho recht. Er sitzt im Schloss, hat eine Frau, und bei der bleibt er. Und der Thronfolger muss arbeiten wie jeder andere, der hat keine Zeit für Extratouren. Eben ganz normale Leut´." Soweit Volkes Stimme, und die gilt nicht wenig in Liechtenstein. Mit ein paar Unterschriften lässt sich dort nämlich ohne weiteres ein Referendum anzetteln, und die Bürger haben in aller Ruhe schon manches Gesetz geändert oder zu Fall gebracht, das Fürst oder Parlament bereits für beschlossene Sache erklärt hatten.
Malbun, Liechtensteins Wintersportzentrum,liegt hoch über dem Oberlauf des Rheins. Abfahrten und Liftanlagen sind in zwei halbrunde Schneeschüsseln eingebettet,die in ihrer ebenmäßigen Form an Vulkankrater erinnern. Obwohl das Skigebiet relativ klein ist, besitzen die Pisten einen abwechslungsreichen Charakter.Oberhalb der üblichen Anfängerhügel spurt man eine Anzahl extrem breiter Rennbahnen, dazu gibt es einige Steilhänge für Könner sowie eine fast drei Kilometer lange Abfahrt vom zweitausend Meter hoch gelegenen Sareiserjoch bis hinunter in den Ort.

Alle Pisten werden mit penibler Sorgfalt präpariert, die Fahrer der Pistenraupen sind sich einig in ihrem gründlichen Tun: "Wir haben eben nur dieses eine Skigebiet in Liechtenstein, und das soll sich dann wenigstens in bestem Zustand befinden."
Trotzdem präsentiert sich das wohlhabende Liechtenstein, verglichen mit anderen Skigebieten in Österreich und der Schweiz, im Winter als eher preiswertes Urlaubsziel, die Liftkarten gehören sogar zu den günstigsten im gesamten Alpenraum.
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