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Hobby-Winzern
Geld und Wein in Liechtenstein
Text und Fotos: Volker Mehnert
Hin und wieder gerät das kleine Fürstentum in die Schlagzeilen von Politik und Wirtschaft: Majestät will noch mehr Macht und bekommt sie auch; die Europäische Union vermutet einen Hafen für Schwarzgeld und kann nichts beweisen. Wer jedoch wie unser Autor Volker Mehnert einmal in dieses winzige Ländchen zwischen Österreich und der Schweiz fährt, der entdeckt hinter der strengen Fassade der Hauptstadt Vaduz sehr schnell den Charme einer freundlichen Alpen-Provinz und die genießerische Ader ihrer Bewohner.

Abtswingert,
Vaduz
Genau das hatte man hier erwartet: Im Börsen-Café von Vaduz verbringen die Banker und Broker auf silbern glänzenden Aluminiumstühlen ihre knapp bemessene Mittagszeit. Der kantige Innenhof dieses Treffpunkts der Finanzwelt befindet sich inmitten eines hochmodernen Architektur-Ensembles, das in den letzten Jahren in der Liechtensteiner Hauptstadt entstanden ist. Dabei wurde das monolithische Kunsthaus zum wegweisenden Markstein genommen. An seiner Fassade aus schwarzem Basaltgestein und farbigem Flusskies orientiert sich ausnahmslos die neue Architektur im Zentrum. Kühl und kühn gibt sie sich und erlaubt deshalb zwischen den klaren, geraden Linien immer wieder überraschende Aus- und Durchblicke auf die umgebenden Alpengipfel.
Die Hauptstadt als „Dörfli“
Vaduz hat damit einen bewusst sachlichen Kontrapunkt zur romantischen Berglandschaft des oberen Rheintals gesetzt, die in der Schweizer Nachbarschaft mit großem Erfolg als „Heidiland“ vermarktet wird. Von der naiven Bergwelt der Heidi aber ist in Vaduz nichts zu spüren. Nur das fürstliche Schloss, dessen mittelalterlicher Bau unmittelbar oberhalb der hypermodernen Gebäude thront, erinnert an eine beschaulichere Vergangenheit.

Fürstliches Schloss, Vaduz
Besichtigen kann man das Schloss allerdings nicht, denn es ist der Wohnsitz der Liechtensteinischen Fürstenfamilie, die auf Publicity keinerlei Wert legt. Anders als bei den meisten verbliebenen Monarchien Europas dringen deshalb keine blaublütigen Intim-Geschichten durch die dicken Mauern.
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