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Libyen

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© Elke Sturmhöbel





 

Kurzportrait

Noch ist Libyen ein Geheimtipp unter Liebhabern stiller Wüstenlandschaften und Freunden waghalsiger Off-Road-Touren, aber auch unter wissbegierigen Besuchern entlegener antiker Stätten und prähistorischer Felsmalereien. Daran wird sich in der nahen Zukunft wohl wenig ändern. Selbst die Aufhebung des UN-Embargos und das sichtbare Bemühen Libyens, seine internationale Isolierung zu überwinden, sich wie seine Nachbarländer dem Tourismus weit zu öffnen, bedeutet (noch) nicht den Anbruch des goldenen touristischen Zeitalters. Zu groß sind die Irritationen, die der Staat des Muammar al-Gaddafi unter Europäern noch immer auslöst, zu groß vor allem sind die Defizite in der touristischen Infrastruktur des Landes.

Libyen

200 Meter hohe Dünen in der Sahara

Doch unstreitig ist auch, daß Libyen über großartige, touristisch nutzbare Ressourcen verfügt. Da wären an erster Stelle die noch unerschlossenen Küsten zu nennen, die nach tunesischem Vorbild badelustiges Ferienvolk beherbergen könnten. Oder das mediterran geprägte Küstenhinterland mit den darin eingebetteten römischen und griechischen Städten, die man so gut erhalten am Mittelmeer kein zweites Mal zu Gesicht bekommt. Oder die Sahara, das Abenteuer Wüste, die Oasen, Gebirge, Wüstenseen, die arabischen Städte, Berber- und Tuareg-Siedlungen.

Tripolitanien

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Ob mit dem Flugzeug einreisend oder mit dem Auto von Tunesien über einen der zwei erlaubten Grenzübergänge (der andere liegt an der ägyptischen Grenze), wird Tripolis (arab. Tarabulus) gewöhnlich die erste Station im Lande sein. Libyens Kapitale, einst Umschlagplatz für Waren aus Schwarzafrika, nicht zuletzt Sklaven, präsentiert sich als moderne Millionenstadt, in deren Häusermeer noch einige Sehenswürdigkeiten wie der Triumphbogen für den römischen Feldherren Marcus Aurelius aus dem Jahre 163 n. Chr. an die antiken Wurzeln erinnern. Relikte der osmanischen Herrscher sind zu bestaunen und viele Bauten aus der italienischen Kolonialzeit wie die heute zweckentfremdete Kathedrale und der dem damaligen italienischen König Viktor Emmanuel III. zugedachte Palast. In der Altstadt (Medina) lohnen die nach Handwerken aufgeteilten Basarquartiere (z. B. der Suq al-Mushir der Kupferschmiede) den Besuch und unbedingt empfehlenswert ist ein Gang durch die Säle des reich ausgestatteten Nationalmuseums in der „Roten Festung“ (as-Seray al-Hamra). Nahebei, am Eingang zum Suq, ragt das eindrucksvolle achteckige Minarett der Ahmad Paşa Karamanli-Moschee in die Höhe. Sie erinnert an den osmanischen Karamanli-Clan, der von 1711-1835 die Statthalter Istanbuls in dieser Region stellte. Sehenswert auch Tripolis` älteste Moschee, die En-Naqah, und die reich dekorierte Gurgi-Moschee.

Libyens nordwestlicher Landesteil Tripolitanien war immer Durchzugs- und Siedlungsgebiet für Fremde. Vom 9. bis 7. vorchristlichen Jahrhundert gründeten Phöniker, die man in Nordafrika Punier nennt, die Handelsstützpunkte Leptis Magna, Sabratha und Oea (das spätere Tripolis), die bald unter die Herrschaft des punischen Karthago gerieten. Während der „Punischen Kriege“ setzte Rom seinen Fuß auf den afrikanischen Kontinent, schlug 146 v. Chr. die Punier vernichtend und machte die neugewonnene Provinz „Africa Proconsularis“ zur Kornkammer des Reiches. In der römischen Kaiserzeit schlossen sich die oben erwähnten drei Hafenstädte zum Dreibund, zur Tripolis, zusammen. Nach der römischen Blütezeit sorgten um 455 die Vandalen für ein unerfreuliches Intermezzo, gefolgt von byzantinischen Statthaltern (548), die 643 von den Arabern abgelöst wurden. 1510 gaben die Spanier ein kurzes Gastspiel, dann kamen die Osmanen (1551) und 1911 die Italiener.

Das malerisch am Meer gelegene Sabratha, 68 km westlich von Tripolis, zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von seiner Blütezeit unter den Puniern und Römern, als hier 20.000 Menschen lebten, zeugen der punische Grabturm, die Agora, die See-Thermen, der Isis-Tempel, vor allem das spektakulär restaurierte Theater, wohl das größte des antiken Nordafrika. Italienische Archäologen ließen seine 22 m hohe Bühnenwand wiederauferstehen. Zwei Museen auf dem Gelände der weitläufigen Ruinenstadt vertiefen die Eindrücke.

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Die Mandara-Seen im Sandmeer von Ubari,
umgeben von Dattelpalmen

Fährt man von Tripolis entlang der Küste in östlicher Richtung, liegen zur Rechten lichte Eukalyptuswälder und Olivenbaumhaine, reihen sich Orangenbäume zu Plantagen auf. An manchen Stellen rückt schon die Wüste bis in Ufernähe heran und gelblicher Sand überpudert dann weit und breit die Vegetation. So wie auch unser Ziel Leptis Magna unter Wüstensand begraben wurde. Noch bedeckt eine vier bis fünf Meter dicke Sandschicht fast 90 % der ursprünglichen Stadt, aber die freigelegten 10 % sind spektakulär genug. Die ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende antike Großstadt erlebte ihre Glanzzeit unter Septimius Severus, einem Sohn der Stadt und erstem Afrikaner, der römischer Kaiser wurde (193 – 211). Es entstanden Bauten, die es in diesen Ausmaßen nur noch in Rom zu bestaunen gab, darunter eine 4.000 m² große Basilika und ein doppelt so großes Forum, ein Triumphbogen zu Ehren des Kaisers, die Hadriansthermen und das Amphitheater, Tempel und Schwimmbäder, Kanalisation und Aquädukte. Die außergewöhnlich wohlhabende Stadt beherbergte an die 100.000 Menschen und war damit die drittgrößte Stadt des Römischen Imperiums. Was von ihr blieb, macht sie zu einer der schönsten Ausgrabungsstätten am Mittelmeer.

Fessan

Drei Tage sollte man einplanen für den Ausflug in das rund 650 km entfernte Ghadames im nördlichen Fessan. Nach Durchquerung des Nafusah-Gebirgszuges, an dessen Abbruchkante die sehenswerte Berber-Stadt Nalut liegt, geht es hinunter in die endlos erscheinende rote Schotterwüste Al-Hamadah al-Hamra. Ghadames am Dreiländereck Tunesien-Libyen-Algerien war früher eine bedeutende Drehscheibe im Karawanenhandel Nordafrikas. 1988 wurde die Oasenstadt als ein Musterbeispiel für wüstenangepaßte Stadtarchitektur in die Liste des kulturellen Welterbes aufgenommen. Führungen durch ihre überdachten, kühlen Gassen machen mit der Lehmarchitektur, den Palmengärten und schattigen Plätzen vertraut und öffnen die Augen für die uns so fremde Lebensweise von Wüstenbewohnern.

Für den nächsten Ausflug tief in den Süden des Fessan sind mehr als nur drei Tage zu veranschlagen. Wie viele es genau werden, hängt von den angesteuerten Zielen ab. Nach Sebha, dem Hauptort der Region, besteht ab Tripolis Flugverbindung. Mit dem Auto sind es über 800 km und wie schon die Straße nach Ghadames ist auch diese Verbindung in gutem Zustand. Später freilich sind es nur noch Pisten und schließlich „Querfeldeinrouten“, die allein mit Hilfe ortskundiger Tuareg-Nomaden bewältigt werden können.

Der Fessan ist etwas größer als Frankreich und doch leben hier nur 50.000 Menschen. Er ist der „wüste“ Süden Libyens, bedeckt von Sandmeeren, Kies- und Felswüsten, voller Geheimnisse und phantastischer Naturerlebnisse.

Westlich und südwestlich unseres Ausgangspunkts Sebha gibt es das im Überfluß, was Wüstenreisende suchen: Sandmeere mit bis zu hundert Meter hohen Dünen und es sind nicht irgendwelche! Murzuq und Ubari zählen zu den größten Sandwüsten der Sahara. Ist es eine Fata Morgana? Mitten in der Ubari-Wüste zeigt sich ein Kranz von Palmen, Schilf, Wasser, Süßwasser sogar! Es sind die legendären Mandara-Seen – eine unwirkliche Szenerie.

Von Sebha nur mit dem Geländewagen zu erreichen ist die unglaubliche, von manchen als Weltwunder bezeichnete Landschaft von Wau an-Namus. Unverhofft liegt ein Vulkankrater von 3 km Durchmesser vor dem Betrachter. Aus der Mitte dieser 160 m tiefen Riesenschüssel erhebt sich der Zentralkegel, umgeben von kleinen Seen mit zumeist stark salzigem Wasser in unterschiedlichen Farbtönen, grünen Schilfgürteln und schneeweißen Salzablagerungen.

Ghat , ein alter, pittoresker Handelspostenan der Karawanenstraße, die einst Leptis Magna mit dem Sudan und Niger verband, ist die südlichste Oasenstadt Libyens und der Schlüssel zum nahen Akakus-Gebirge, einem der unwirtlichsten Orte der Erde. Um so überraschender, gerade hier auf Felsabbildungen von Giraffen, Elefanten, Krokodilen, Gazellen, Nilpferden zu stoßen. Sie erzählen von einer Zeit, als die Sahara noch eine Savanne war und Mensch und Tier ausreichend Nahrung und Wasser bot. Vor 10.000 Jahren lebten in der damals grünen Sahara neolithische Altkulturen, denen um 5.000 v. Chr. neolithische Jägervölker folgten, dann kamen nomadische Viehzüchter ins Land (4.000-2.000), schließlich Kamelnomaden. Doch Klimaverschiebungen ließen das Land mehr und mehr austrocknen, Mensch und Tier zogen sich zurück.

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Bis zu 10 000 Jahre alte Felsbilder im Akakus zeugen von
anderen klimatischen Verhältnissen in der Sahara

Felsgravuren und –zeichnungen prähistorischer Künstler entdeckte man auch im Wadi Mathendous. Staunen und Bewunderung erregen diese uralten Bildergalerien einer reichen neolithischen Fauna und religiöser Motive. Sie zählen zum Weltkulturerbe.

Kyrenaika

An der Mittelmeerküste zwischen dem großen Syrte-Bogen und Ägypten liegt die dritte und mit 857.000 km² größte historische Provinz Libyens. Einem schmalen, fruchtbaren Küstenstreifen schließt sich südlich das Karstgebirge Jabal al-Akhdar an, von dessen Südhängen das Land allmählich zur Libyschen Wüste abfällt. Dieser wasser- und pflanzenärmste Teil der Sahara bedeckt mit seinen riesigen Sandwüsten und Kiesflächen das libysche Terrain bis zu den fernen Grenzen des Tschad und des Sudans.

Von Tripolis zur Provinzhauptstadt Benghazi besteht Flugverbindung. Eine Autofahrt erscheint auf den ersten Blick strapaziös – immerhin sind rund 900 km zu bewältigen – doch die Straße ist weitgehend autobahnähnlich ausgebaut. Anfänglich durchfährt man eine mediterran geprägte Landschaft, die später in Wüstensteppe übergeht, dann schieben sich Erdölfelder ins Blickfeld, ein künstlicher See, der herbeigepumptes, fossiles Grundwasser aus der Sahara speichert, erinnert an Libyens ehrgeiziges Prestigeobjekt, den „großen menschengemachten Fluß“, dann ist Benghazi erreicht.

Die moderne Provinzmetropole, Libyens zweitgrößte Stadt und wichtigstes Handelszentrum, ist unser Ausgangspunkt für die Erkundung des „griechischen Ostens“. Griechisch deshalb, weil seit 630 v. Chr. Einwanderer von der Insel Santorini (Thira), von der Peloponnes und aus Kreta diese Landschaft zwischen den Machtbereichen der Karthager/Punier im Westen und der Ägypter im Osten kolonisierten, sich später Alexander dem Großen anschlossen und Teil des Ptolemäer-Reiches wurden. 74 v. Chr. rissen die Römer die Herrschaft an sich.

Das zum Weltkulturerbe zählende Kyrene (heute: Shahhat), 12 km vom Meer entfernt auf einer fruchtbaren, gut bewässerten Hochebene gelegen, war das Zentrum der griechischen Kolonisten. Seine reichen Agrarexporte gingen über den Hafen Apollonia (Marsa Susah) in die mediterrane Welt. Barka wurde gegründet, dann Ptolemais (Tolmeta), Taucheira (Tokrah), Euhesperides, der Vorgänger von Benghazi. Begegnungen mit den griechischen Ruinenstädten und hellenischer Architektur auf afrikanischem Boden zählen zu den ergreifendsten Momenten, die das an überraschenden Erlebnissen reiche Libyen zu bieten hat.

Um nur einige der Highlights herauszugreifen: Kyrenes planmäßig angelegtes Netz von Straßen und Plätzen, seine Tempelterrasse in herrlicher Panoramalage, Zeus-Tempel, Theater, Forum, Bäder und Nekropolen oder Apollonia mit griechischem Theater und späterer byzantinischer Hinterlassenschaft. Sein Hafen ist versunken, läßt sich aber noch im glasklaren Wasser „erschnorcheln“. An dem Weg nach Ptolemais liegt mit den Mosaiken von Qasr-Libya ein frühbyzantinisches Kleinod. Ptolemais zeigt den Säulenpalast (eine ptolemäische Villa) und das Forum mit Cisternen, Taucheira schließlich die Ruinen griechischer und byzantinischer Besiedlung.

Eckart Fiene

Adressen, Links und Bücher



Reiseinfos

Landschaftsformen: Das viertgrößte Land Afrikas besteht zu 90 % aus Wüstenregionen, wozu weite Sandflächen und Dünenmeere zählen, wie man sie gemeinhin mit der Sahara in Verbindung bringt. Doch dominierend sind die Felswüsten (Hamada genannt), endlose Schutt- und Geröllfelder (Reg) und Kieszonen (Serir).

Libyen gliedert sich in drei Großlandschaften mit Tripolitanien im Westen auf einem Achtel der Gesamtfläche, der Cyrenaika im Osten auf der Hälfte der Gesamtfläche und dem reinen Wüstengebiet des Fezzan im Südwesten des Landes. Allein das tripolitanische Bergland mit der vorgelagerten Küstenebene Djefara und die küstennahe Terrassenlandschaft des Djebel Akhdar in der Cyrenaika sind landwirtschaftlich nutzbare Gebiete, sieht man von den wenigen Oasen im Landesinnern ab.

Klima: Die Küstenregion weist ein mediterranes Klima auf, gekennzeichnet durch milde und feuchte Winter sowie heiße und trockene Sommer. Die Niederschlagsmengen erreichen hier 150 – 400 mm jährlich, in den Küstengebirgen auch bis zu 600 mm. Dagegen fallen im Landesinnern unter dem Einfluß eines ausgeprägten Wüstenklimas nur 2 – 35 mm Niederschlag. Die in Küstennähe gemäßigten Temperaturen steigen in der Libyschen Sahara bis auf 55 Grad, können im Winter aber auch auf minus 12 Grad fallen. Sand- und Staubstürme sind hier häufig.

Vegetation: Nur im Küstensaum ist nennenswerte natürliche Vegetation anzutreffen. Es ist eine Busch- und Krautsteppe, die von lichter Macchie unterbrochen wird, Resten einer mediterranen Vegetation, die Cistus und Pistazien hervorbringt, wilde Ölbäume, Wacholder, viele Kräuter, hier und da auch Johannesbrotbäume, Erdbeerbäume und Zedern. In der südlich angrenzenden Halbwüste gedeihen noch Zwergsträucher und Polster, doch in der Extremwüste hört der Pflanzenwuchs vollständig auf. Einzige Ausnahme sind die Oasen mit Dattelpalmenhainen, Olivenbäumen, Feigen und Agrumen.

Geld/Währung: Der Libysche Dinar (LYD / Kurzform: LD) wird in 1000 Dirham unterteilt. Die Landeswährung darf weder ein- noch ausgeführt werden.

Kreditkarten wie Visa oder Diners Club werden nur vereinzelt akzeptiert, Reiseschecks gar nicht. Geldautomaten sind selten.

Einreisebestimmungen: Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepaß und ein Visum. Für dessen Erteilung ist das Libysche Generalkonsulat in Berlin zuständig (siehe unter Adressen und Links). Der deutsche Kinderausweis wird in Libyen nicht anerkannt. Deshalb sollten Kinder mit eigenem Reisepaß reisen oder in den Reisepaß der Eltern eingetragen werden (bis zum 12. Lebensjahr).

Libyen hat im November 2007 verschärfte Einreisevorschriften eingeführt. Danach müssen alle einreisenden Touristen einen Mindestbetrag von 1.000 US-Dollar oder deren Gegenwert in einer anderen konvertierbaren Währung mit sich führen. Dies gilt für Individual- und Pauschaltouristen. Vorzulegen ist auch eine arabische Übersetzung des Reisepasses. Akzeptiert wird nur die Übersetzung durch einen amtlich vereidigten und von der Visa ausstellenden Botschaft anerkannten Übersetzer. Spätestens 7 Tage nach der Einreise müssen sich Touristen bei der nächsten Paßbehörde registrieren lassen und ihren Aufenthaltsort angeben.

Grundsätzlich sollte die Botschaft zur Einholung aktualisierter und verbindlicher Einreiseformalitäten kontaktiert werden!

Die medizinische Versorgung des Landes entspricht nicht europäischen Standards. Der Abschluß einer Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rückholgarantie ist dringend zu empfehlen. Unverzichtbar ist auch eine gut ausgestattete Reiseapotheke. Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts in Berlin empfiehlt Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A, bei längeren Aufenthalten auch gegen Hepatitis B.

Beim Fotografieren ist äußerste Zurückhaltung geboten. Personen und Objekte, die im weitesten Sinne mit Sicherheit zusammenhängen (Militär, Polizei, sonstige Dienste, Brücken, Industrieanlagen, Flughäfen, selbst Innenansichten von Moscheen etc.) unterliegen einem extensiv ausgelegten Fotografierverbot.

Die Einfuhr alkoholischer Getränke ist ebenso untersagt wie das Mitbringen von Lebensmitteln.

Statistik

Lage: Libyen liegt in Nordafrika. Es erstreckt sich von der südlichen Mittelmeerküste beiderseits der Großen Syrte mit seinen Landmassen weit in die mittlere und östliche Sahara. Gemeinsame Grenzen hat es im Westen mit Tunesien und Algerien, im Osten mit Ägypten und dem Sudan, im Süden mit Niger und Tschad.

Fläche: 1.759.540 km² (fünf Mal so groß wie Deutschland)

Küstenlänge: 1.700 km

Staat: Nach eigenem Verständnis ist Libyen eine Volksrepublik. Es bezeichnet sich selbst als „Große Sozialistische Libysch-Arabische Jamahiriya“, wobei „Jamahiriya“ für Volksherrschaft steht. „Revolutionsführer“ Oberst Muammar al-Gaddafi bekleidet offiziell kein Staatsamt, ist aber de facto Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Ein Allgemeiner Volkskongreß aus 3.000 Delegierten der 350 Basis-Volkskongresse ist oberstes Staatsorgan. Es beruft das Allgemeine Volkskomitee ein, das formal die Regierungsgeschäfte wahrnimmt. Freie Parteien sind nicht zugelassen, es gibt keine Opposition. Die Gewerkschaften sind staatlich gelenkt, ebenso Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen.

Nach Erfüllung dringlicher Forderungen der Staatengemeinschaft folgte die endgültige Aufhebung der UN-Sanktionen im September 2003. Libyen ist auf einem guten Weg, sein Negativimage als „Schurkenstaat“ abzubauen.

Hauptstadt: Tripolis (je nach Quelle: 1,2 bis 1,8 Mio. Einwohner).

Bevölkerung: 5,3 bis 6,1 Mio. (je nach Quelle). Libyen weist mit ca. 3,3 Einwohner /km² eine der weltweit geringsten Bevölkerungsdichten auf.

Araber und arabisierte Berber stellen mit 97 % die Bevölkerungsmehrheit. Im Land leben außerdem kleine Minderheiten von Tunesiern, Maltesern, Italienern, Griechen, Türken, Indern, Ägyptern, Schwarzafrikanern.

Religion: Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Außerdem existiert eine kleine röm.-kath. Gemeinschaft, zumeist Nachfahren der 120.000 italienischen Kolonisten der Vorkriegszeit.

Sprache: Maghrebinische Dialekte des Arabischen und Berberdialekte

Verkehr: Der Straßenzustand ist nur im Norden des Landes und in den Wirtschaftszentren zufriedenstellend. In anderen Landesteilen muß damit gerechnet werden, daß gut ausgebaute Straßenabschnitte ohne Vorwarnung in nur mühsam passierbare Strecken übergehen. Von Nachtfahrten ist abzuraten.

Wirtschaft: Libyen bemüht sich, die überkommene Wirtschaftsordnung, die auf sozialistischen und islamischen Grundsätzen, inspiriert von Stammestraditionen der Beduinen, basiert, dem westlichen Wirtschaftssystem anzunähern. Der dazu notwendige Kurswechsel stellt Privatisierungen in den Mittelpunkt. Doch die angestrebte Liberalisierung zur Ankurbelung der Produktivität, Effizienz und Wertschöpfung krankt an einer nach wie vor starken staatlichen Kontrolle aller Finanz- und Wirtschaftssektoren, vor allem aber an der fehlenden politischen Öffnung, was Beobachter zu dem Schluß verleitet, in den lautstark verkündeten Reformvorhaben nur ein Machterhaltungssystem der Führungsclique zu sehen. Nicht zu übersehen sind weitere Faktoren, die den wirtschaftlichen Aufschwung beeinträchtigen, allen voran die dramatischen Infrastrukturmängel, unklare Rechtsverhältnisse, willkürliche Regierungsentscheidungen, ein aufgeblähter Staatsapparat und nicht zuletzt die hohe Arbeitslosigkeit.

Die Entwicklung geht mithin nur langsam und für Außenstehende schwer nachvollziehbar voran. Dabei ist die Ausgangssituation nicht schlecht: Libyen verfügt, anders als viele Nahoststaaten, noch lange und reichlich über Öl- und Gasreserven (über 90 % der Einnahmen der libyschen Volkswirtschaft stammen aus Ölexporten). Öl und Gas werden noch lange Zeit wirtschaftliche Schlüsselsektoren bleiben, Anreize für Investoren, die sich allerdings mit Geduld wappnen müssen. Die hohen Gewinne aus dem Ölgeschäft bilden ein solides Polster für hochwertige Importe und zukunftsträchtige Investitionen.

Tourismus: Wie nahezu alle Anrainerstaaten des Mittelmeers sieht auch Libyen in einer massiven Ausweitung des Fremdenverkehrs eine Chance zur Stärkung seiner Wirtschaftskraft. Die Voraussetzungen sind in der Tat vielversprechend: Seine endlosen Küstenstrände sind noch weitgehend ungenutzt, Bildungsreisende stoßen auf einen unübersehbaren Reichtum an historischen Stätten aus griechischer und römischer Zeit (z. B. verfügt Libyen mit Leptis Magna über die größte und mit Abstand am besten erhaltene römische Stadt des gesamten Mittelmeerraums), Wüsten-Fans und Oasen-Liebhaber werden hier auf ihre Kosten kommen, Off-Road-Fahrer ihr Abenteuer finden.

Lagen die Besucherzahlen nach der Jahrtausendwende im Schnitt bei jährlich 200.000, streben offizielle Stellen eine Steigerung auf 3 Mio. an – für die touristische Infrastruktur eine gewaltige Herausforderung.