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Lesotho, Foto: Pixabay


Lesotho im Überblick

Wer auf dem internationalen Flughafen „Moshoeshoe I.“ der kleinen Hauptstadt Maseru landet, lernt vermutlich zum ersten Mal den Namen jenes Mannes kennen, der Besuchern als Gründervater des Basotho-Volks noch oft während der Tour durch das Land begegnen wird. 20 km sind es in die Metropole am Caledon-River, den die Einheimischen Mohokare nennen. Er beschreibt hier einen weiten Bogen nach Westen. In der Flussbiegung errichteten die Briten 1869 einen Polizeiposten, später den Sitz der Kolonialverwaltung und 1966 stieg die einstige Protektoratsresidenz zur Hauptstadt des unabhängigen Lesotho auf.

Dorf in Lesotho, Foto: Pixabay

Einer, der sich in der Stadt umgesehen hat, beschreibt Maseru als eine der „eher unauffälligen Hauptstädte der Welt“ mit nur wenigen Sehenswürdigkeiten, ordentlichen Unterkünften und gut bestückten Geschäften. Man finde sich gut zurecht hier und wer in die „highlands“ aufzubrechen gedenke, könne sich bestens mit Vorräten eindecken. Die Stadt ist also recht jung. Was an sehenswerten Bauten die Zeiten überdauert hatte, zerfiel zu Schutt und Asche, als 1998 Unruhen ausbrachen und die Nachbarn intervenierten, Nelson Mandela 700 Soldaten schickte und auch Botswana Militär entsandte. Der Wiederaufbau veränderte das Stadtbild. Einige historische Friedhöfe aus der Kolonialzeit blieben erhalten, auch der königliche Palast, die größte Kirche des Landes, die katholische Cathedral of our Lady of Victories, und die anglikanische St. John`s Church.

Maletsunyane-Wasserfall, Foto: Pixabay

Ein erster Ausflug von Maseru führt gleich zu einem der Highlights des Landes, zum Maletsunyane-Wasserfall. Dabei wird der Nkosi-Pass in 2020 m Höhe überquert. Schafherden bevölkern grün getupfte Hügelkuppen, scharfe Felsabbrüche schieben sich ins Bild. Atemberaubend steile Gipfel reichen bis auf fast 3.100 m: die Taba Putsoa-Range ist ein „Geheimtipp“ unter wagemutigen Bergsteigern. 1881 war es, als ein französischer Missionar, erstmals von der Existenz des Wasserfalls berichtete, den man später in Lesotho stolz zum „highest single-drop waterfall in Africa“ erklärte. 192 m stürzt er in die Tiefe. In strengen Wintern erstarrt er nicht selten zu einem gewaltigen Eispanzer. In kleinen Siedlungen nahebei kann man sich stärken und auch einfache Unterkünfte finden.

Auch der nächste Ausflug führt in den Südwesten des Landes, zunächst nach Morija, einer alten Missionsstadt, die französische Gottesleute in den 1830er Jahren gründeten. Lesothos älteste Sandsteinkirche erinnert an jene Zeit. Heute ist Morija Veranstaltungsort des wichtigsten Kulturfestivals des Landes. Ende September lockt das Morija Arts & Cultural Festival mit seinen Musik-, Kunst- und Sportpräsentationen zahllose Besucher an. Ein paar Kilometer östlich liegt das kleine Dorf Matsieng, das jedem Lesother als Heimatdorf der Königsfamilie ein Begriff ist. Moshoeshoe II., kontrollierte dort seine Rinderherden und sein Sohn, der gegenwärtige König Letsie III., wurde hier 1963 als David Mohato Bereng Seeiso geboren. Die bescheidene königliche Heimstatt ist leider nicht zu besichtigen.

Bauern in Lesotho, Foto: Pixabay

Ein vielleicht 40 km langer Abstecher endet an der Malealea-Lodge, die seit einigen Jahrzehnten Naturfreunde in ihren soliden, strohgedeckten „Rondavels“ (Steinhäusern) beherbergt, ihnen Pony-Trekking im Sattel der berühmten Basotho-Ponys anbietet und unter kundiger Führung Ausflüge zu verborgenen Felsmalereien des alten Jäger-und-Sammler-Volks der San unternimmt. Über die nicht befestigte, aber gut befahrbare B 25 geht es weiter in südwestlicher Richtung nach Mohale`s Hoek. König Moshoeshoe I. entsandte einst seinen jüngeren Bruder Mohale als Verwalter und Vertrauten in diese Gegend, die schwere Zerstörungen erlitt, als während des Basuto Gun War (1880/81) britische Kolonialtruppen und Basotho-Kämpfer aneinander gerieten.

Auf der gut ausgebauten A2 kehren wir zurück nach Maseru, um die nächste Tour ins Landesinnere in Angriff zu nehmen.

Auf der A 3 geht es diesmal nach Osten über etliche Pässe. Zunächst wird der Bushmen Pass auf 2.226 m passiert und bevor der nächste, der gleich hohe Blue Mountain Pass angefahren wird, lohnt ein Abstecher zum Basotho Pony Trekking Centre, das 1983 eingerichtet wurde, um der lesothischen Pony-Rasse eine Zukunft zu geben. Es sind relativ kleine Tiere mit einem Stockmaß (Widerristhöhe) von 140-150 cm, ähnlich wie die Südtiroler Haflinger. Zum Vergleich: Hannoveraner erreichen 160-185 cm. Die Pferde der Basuto gelten als ausdauernd, geduldig und zuverlässig. Sie kennen sich bestens im Gelände der „highlands“ aus, marschieren trittsicher auf ihren kurzen, stämmigen Beinen und können erstaunliche Entfernungen zurücklegen. Man kann sie stundenweise mieten oder mit ihnen eine Woche unterwegs sein – mit oder ohne Begleitung.

Auf einem Markt in Lesotho, Foto: Pixabay

Die Fahrt führt entlang spektakulärer Felsformationen, lässt kurze Blicke in tief eingeschnittene Täler zu, die wilde Flüsse durchtoben. Eine verzweigte Wasserfläche kündigt den Mohale-Stausee an mit seiner 145 m hohen Staumauer aus Felsgestein mit Betonabdeckung – der höchste Damm dieser Art in Afrika. Der Mohale- und der Katse-Stausee, den wir anschließend besuchen werden, sind durch einen Tunnel miteinander verbunden und können auf diese Weise ihr gestautes Wasser durch eine Rohrleitung nach Südafrika exportieren. Und wieder sind Pässe zu überwinden: der asphaltierte Cheche-Pass, der auf 2.545 m ansteigt und nach weiteren rund 50 Kilometern durch schwach besiedelte, karge Landschaft geht es noch höher hinauf auf rauer Piste bis der Mokhoabong-Pass und die Marke von 2.850 m überschritten sind. Gut 500 Meter unterhalb des Passes liegt Thaba-Tseka, die Distrikthauptstadt, eine unansehnliche Streusiedlung auf einer Hochebene in den Maloti-Bergen. Der Katse-Stausee ist nahe. Seine Staufläche zieht sich 45 km durch die Bergwelt. Bis hierher ist man ab Maseru etwa viereinhalb Stunden auf Achse. Ein ordentliches Zeitpolster obendrein verlangt ein Abstecher hinunter an die südafrikanische Grenze zum Sehlabathebe-Nationalpark, der 2013 auf die Welterbeliste der UNESCO gesetzt wurde. Es ist ein grenzüberschreitender Park, der zusammen mit dem südafrikanischen uKahlamba Drakensberg National Park unter dem Begriff Maloti-Drakensberg Park geführt wird. Hervorgehoben wird seine „exceptional natural beauty“, seine himmelhoch aufragenden Basaltpfeiler, die goldfarbenen Sandsteinwälle, seine spektakulär geformten Felsbögen, Pfeiler, Klippen, Säulen, Felstümpel. Das Gelände ist ein Refugium für rund 250 endemische Pflanzenarten, Kapgeier und Bartgeier sind hier zuhause wie auch die Maloti-Rotfeder, ein extrem gefährdeter Fisch. Und was besonders anrührt sind die geschätzten 665 Fundorte von Felsmalereien in Höhlen und unter überhängenden Felsen. Auf mehr als 35.000 einzelne Darstellungen von Menschen und Tieren wird die Hinterlassenschaft des San-Volkes geschätzt. Viertausend Jahre bevölkerten sie diese Gegend und vertrauten den Felswänden ihre Weltsicht an. Kein Ort südlich der Sahara weist eine derartige Fülle und Dichte von Felsmalereien auf.

Lesotho, Foto: Pixabay

Aufbruch zur letzten Tour durch Lesothos Bergwelt. Diesmal ist der Norden das Ziel und anschließend einige östliche Landesteile. In Maseru wurde aufgetankt und die Vorräte aufgefüllt. Erster Stopp ist in Thaba-Bosiu und dem dazugehörigen Felsplateau mit Königsgräbern und Ruinen einer Festung. Hier versammelte in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts der Gründervater der Basotho-Nation, Moshoeshoe I., seine Landsleute und wehrte tapfer alle Angriffe feindlicher Bantu-Stämme und Buren ab. Durch eindrucksvolle Landschaft voller farbenprächtiger Sandsteinformationen führt die Reise nach Botha-Bothe und von dort auf unbefestigter Piste zum Tselanyane Nationalpark, in ein wildes, bis auf 3.112 m ansteigendes Gelände inmitten der Maloti Berge. Eines der wenigen Waldstücke Lesothos hat hier überlebt, Bergbambus ist an den Flussufern anzutreffen und die seltene Berg-Fynbos-Vegetation. Der Park ist auch Rückzugsgebiet für gefährdete Tiere wie Schabrackenschakal, Rehantilope, Kap-Otter, Klippschliefer.

Pfirsichblüte in Lesotho, Foto: Pixabay

Weiter auf der A 1 geht es zur Liphofung Cultural Site, die mit der Geschichte des San-Volkes vertraut macht. Die dazugehörige Höhle, ein riesiger Sandstein-Überhang, wurde seit prähistorischer Zeit als Unterkunft genutzt. Felszeichnungen und Alltagsgegenstände vergangener Epochen sind zu bestaunen.

Ein steiler Anstieg und viele Kurven kündigen den Moteng-Pass (2.840 m) an. Jenseits liegt Oxbow und ein weiterer Pass, der Mahlasela Pass, mit 3.222 m ist er einer der höchsten Straßenpässe Afrikas. Etwas unterhalb, aber noch über der 3.000er-Marke liegt „Afri-Ski“, Lesothos einziges Ski-Gebiet und eins von zwei im südlichen Afrika. Aus Johannesburg oder Pretoria sind es gut viereinhalb Stunden Autofahrt über die Pässe hierher und nicht wenige Skibegeisterte machen sich in den Monaten Juni bis August, also im Südwinter, auf die anstrengende Reise, um ihrem exotischen Hobby zu frönen. Es gibt eine Abfahrtspiste von etwa einem Kilometer Länge, Snowboard- und Übungshänge, Skilifte und Übernachtungsmöglichkeiten für wenige hundert Gäste.

Am Sani-Pass in Lesotho, Foto: Pixabay

Nächster Höhepunkt im Wortsinne ist Afrikas höchster Straßenpass, der Tlaeeng mit 3.275 m. Es geht nun längere Zeit bergab durch eine dünn besiedelte Landschaft vorbei an den Schürfeinrichtungen der Diamantenmine von Letseng-la-Terae – einer der wenigen „Goldgruben“ der lesothischen Wirtschaft. So fand man im September 2008 ein nahezu makelloses weißes Prachtstück im Gewicht von 478 Karat und im November 2010 holte man zwei 196 bzw. 184 Karat schwere Rohdiamanten aus dieser höchstgelegenen Diamantenmine der Welt ans Licht und noch ein Superlativ verbindet sich mit Letseng-la-Terae: es ist der am höchsten gelegene, dauerhaft bewohnte Ort Lesothos. Nächste größere Siedlung ist Mokhotlong. Bis hier ist die Straße geteert. Die Weiterfahrt, jetzt auf der A 31, ist nur für Fahrzeuge mit Allradantrieb offen. Es geht hinauf auf rauer Piste zum Sani-Pass eigentlich nur, um in der höchstgelegenen Kneipe Afrikas einzukehren, uns am offenen Kamin zu wärmen und die Blicke weit über die wilde Landschaft am Drakensberg schweifen zu lassen. Wir sind in der Sani Mountain Lodge angekommen, die sich auf einem Schild stolz als „Highest Pub in Africa“ verewigt hat.

Text: Eckart Fiene
Fotos: Pixabay

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