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Leros unter italienischer Besatzung

Wer die Flagge nicht grüßte, wurde inhaftiert

Daß die Insel Leros von 1912 bis 1943 unter italienischer Besatzung war, hatte seinen Ursprung gewissermaßen in einem Konflikt in Afrika. Die Italiener hatten dort Tripolis und Kyrinaiki in Libyen ultimativ von der Türkei zurückgefordert, woraufhin es am 29.September 1911 zum Krieg kam. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen ließ Italien am 4.Mai 1912 12 000 Soldaten auf 42 Kriegsschiffen auf Rhodos landen und besetzte bald darauf auch die anderen Inseln des Dodekanes, darunter am 13.Mai 1912 auch Leros. Die kleine türkische Garnison dort leistete keinerlei Widerstand.

Die Lerier begrüßten die Italiener nach jahrhundertelanger türkischer Herrschaft als Befreier, nicht ahnend, daß auf der Burg über Platanos nun für 31 lange Jahre die italienische Flagge wehen würde. Zwar beschlossen die Vertreter des Dodekanes am 3.Juni 1912 auf Patmos sich als "Ägäischer Staat" an Griechenland anzuschließen, doch verfolgte Italien ganz andere Pläne und brachte in Partheni erst einmal alte Geschütze aus dem Libyen-Feldzug in Stellung. Formell galt der Dodekanes noch als Provinz der Türken, von Italien "zeitweise besetzt".

Auch eine neuerliche Resolution der zwölf Dodekanes-Inseln 1913 pro Griechenland wurde mißachtet. Wer sich zu Griechenland bekannte wie der lerische Priester Zafiropoulos, der die griechische Flagge hisste, wurde verfolgt; in dem Fall waren es zwei Monate Gefängnis. Im Londoner Abkommen 1915 wurde Italien die Oberhoheit über den Dodekanes zugesprochen - das Land kämpfte zu dem Zeitpunkt im 1.Weltkrieg auf Seiten der Entente gegen Deutschland, Österreich, Türkei u.a.

Mit dem Vertrag von Lausanne 1923 wurde der Dodekanes samt Kastelrizo endgültig italienischer Besitz. Im Jahr darauf wurde das Gebiet zu "Italienischen Inseln der Ägäis" erklärt. Italien baute die Insel und insbesondere Lakki zu seiner Hauptmilitärbasis im Dodekanes auf, was König Vittorio Emanuel III 1929 zum Besuch der Insel veranlasste. Zu dem Zeitpunkt war der Neubau der "Kolonialstadt" Lakki bereits in Angriff genommen worden.

Anders als die Türken verfolgten die neuen Besatzer eine "Italisierung" der Insel: Italienisch wurde Amtssprache auf Leros; die Aufschriften von Läden mußten in italienischer Sprache ausgeführt werden; die italienische Flagge zu grüßen, war Pflicht; Italiener, die Griechinnen heirateten, erhielten staatliche Zuschüsse, wobei ihre Frauen allerdings dazu verpflichtet waren, zum katholischen Glauben überzutreten. In der Amtszeit des Gouverneurs de Vecchio von 1936 bis 1943 wurde der Schulunterricht in griechischer Sprache verboten, ebenso die griechisch-orthodoxen Gottesdienste, wobei letzteres nicht durchzusetzen war. Als Bürgermeister amtierten schließlich nur noch Anhänger der Italiener, denen auch die Gerichtsbarkeit unterstand. Man muß diese Maßnahmen vor dem Hintergrund sehen, daß seit 1922 die Faschisten mit Mussolini in Italien herrschten, die eine neue "Herrenrasse" propagierten.

Die Bewohner der "Possedimenti Italiani dell’ Egeo", der "Italienischen Besitzungen in der Ägäis", galten als Italiener, genoßen aber keine uneingeschränkten bürgerlichen Rechte.

Als Mussolini gestürzt wurde und Italien am 3.September 1943 den Waffenstillstand erklärte, brachte dies für Leros neue fremde Truppen: Die Briten landeten auf der Insel. Italien erklärte dem Deutschen Reich am 13.Oktober 1943 den Krieg und noch im darauffolgenden Monat bemächtigten sich die Deutschen der Insel, für deren Bewohner die Angriffe im 2.Weltkrieg Leid und Zerstörung bedeuteten. An diese Zeit erinnern heute noch der britische Soldatenfriedhof in Alinda und Teile der Ausstellung in Belleni’s Tower.

Mit der deutschen Besetzung ging zwar die italienische Herrschaft zuende, doch wieder bestimmten Fremde das Inselleben. Das war auch noch nach Kriegsende so, als Leros unter britischer Verwaltung stand. Erst am 7.März 1948 wurde die Insel mit dem Dodekanes endgültig in die Freiheit entlassen und konnte sich Griechenland anschließen.



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