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Laos im Überblick

Nein, lebendige Elefanten bekommen Besucher in Laos heute eher nicht zu Gesicht, vielleicht einige aus Stein oder als Relief, aber selbst die als Urwaldräumer angeheuerten Dickhäuter wurden durch gewaltige Greifmaschinen und Lastwagen ersetzt, die die wertvollen Teakstämme aus entlegenen Gebieten nach Thailand befördern. Dabei hieß Laos einst lyrisch Lan Xang, ”Reich der Millionen Elefanten”.

Mekong, Laos

Der Mekong in Laos

Dieses Reich hatte 1353 Fa Ngum gegründet, ein Prinz aus dem buddhistischen Phraya-Geschlecht, der allerdings von seiner Familie verstoßen worden war und mit Hilfe der weiter im Süden lebenden Khmer die Heimat seiner Vorfahren zurückeroberte. Die Lao gehören zur Familie der Tai-Völker, wie auch die modernen Thai und das Volk der Shan im heutigen Burma. Sie sollen ursprünglich aus dem Altai-Gebirge stammen und im Laufe von Jahrtausenden nach Süden gewandert sein. Im 1. Jh. v. Chr. waren sie in Yunnan (heute China) angekommen und hatten das Reich Nan Chao gegründet, wurden aber in der Folgezeit von den sich ausbreitenden Han-Chinesen weiter nach Süden gedrängt. Nahrungsknappheit zwang einen Teil der Volksgruppen dazu, von den Bergen in die Täler abzusteigen und dort eine neue Art der Landwirtschaft zu entwickeln.

Da sich dies alles viel zu sachlich anhört, erzählen sich die Lao lieber eine Legende, die ihre Herkunft begründet. Danach soll eine riesige Rankpflanze die Existenz der Welt bedroht haben, wenn sie nicht gekappt werden konnte. Ein altes Paar meldete sich freiwillig für die mutige Tat und wurde prompt von der herabstürzenden Pflanze erschlagen. Im Blätterwerk fand man zwei gewaltige Kürbisse, aus denen Geräusche schallten. So nahm man ein rotglühendes Stecheisen und bohrte damit in den ersten Kürbis, aus dem dann die dunkelhäutigen kha kletterten, die Ahnen der Lao Theong oder Berglao. Dann nahm man ein scharfes Messer und schnitt damit in den anderen Kürbis. Ihm entstiegen daraufhin die wesentlich hellhäutigeren Tai, die Vorfahren der Lao Lum, jener Lao, die in den Tälern wohnen. Wörtlich übersetzt bedeutet kha ”Sklave”, eine Bezeichnung, die schon auf das nicht immer konfliktfreie Zusammenleben der Volksgruppen hinweist.
Der tatsächliche Gründervater Fa Ngum errichtete ein buddhistisches Königreich, das allerdings später in drei Reiche zerfiel, das Königreich Luang Prabang, das Reich Vieng Chang (Vientiane) und das Reich Champassak im Süden. Luang Prabang war mit seinen zahllosen Tempeln immer die geistige Hauptstadt, Vientiane hingegen wurde häufig zerstört und von fremden Mächten beherrscht, während Champassak stark von den Khmer beeinflusst war.

Im Laufe des 18. Jhs. gerieten alle Gebiete nacheinander unter besonders starken Einfluss des benachbarten Königreichs Siam (heute Thailand), so dass sie ihre Eigenständigkeit praktisch verloren. Auch Vietnam übte zeitweise eine Oberhoheit aus, dann schlossen sich die Franzosen als Kolonialherren an. 1893 gliederten sie Laos in ihre ”Indochinesische Föderation” ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Laos formell unabhängig und vom König von Luang Prabang regiert, tatsächlicher Machthaber blieb aber Frankreich, bis zu seiner vernichtenden Niederlage in Dien Bien Phu im Nordwesten Vietnams im Mai 1954. Bis 1960 gab es mehrere neutrale Regierungen, dann übernahmen die USA mit einem rechten Militärputsch de facto die Macht. Auch ohne Kriegserklärung wurde Laos in den US-Krieg gegen Vietnam hineingezogen und heftig bombardiert. Wie in Vietnam und Kambodscha ergriff 1975, nach dem Abzug der Amerikaner, eine kommunistische Rebellenbewegung die Macht, der Pathet Lao (Volk von Laos). Die schlimmsten wirtschaftlichen Fehlentwicklungen hat man inzwischen korrigiert, doch politisch ist Laos weiter ein sehr orthodoxes kommunistisches Land.

Der Unterschied zwischen Bergbewohnern und Talbewohnern ist bis heute spürbar. Der Norden, an der Grenze zu China, und der Osten, wo das Truong-Son-Gebirge die Grenze zu Vietnam markiert, sind nur sehr dünn besiedelt. Die Menschen leben von ein wenig Ackerbau, während sie an den Gewinnen vom Verkauf der Edelhölzer praktisch nicht beteiligt sind. Sie siedeln in kleinen, schwer erreichbaren Dörfern in Holzhäusern, die je nach Volkszugehörigkeit auf dem Boden oder auf Pfählen errichtet sind. Ein paar Schweine und Hühner, vielleicht mal eine Ziege oder ein Rind, gesellen sich als Haustiere dazu.

Markt von Phone Savan

Auf dem Markt von Phone Savan

Selbst die Hauptstadt Vientiane ist nun nicht gerade eine Weltstadt, aber seit 1994 die erste Brücke über den Mekong eröffnet wurde, erlebt sie immerhin beträchtlichen Handel und Tourismus aus dem benachbarten Thailand. Der Stupa That Luang (16. Jh.) glänzt vor allem am späten Nachmittag golden im Sonnenlicht. Er ist so etwas wie ein nationales Symbol, das die Verlegung der Hauptstadt von Luang Prabang nach Vientiane markiert. Die beiden Tempel Wat Pra Keo und Wat Sisaket mit ihren Buddhafiguren und ihrer friedlichen Atmosphäre sind für Besucher allerdings interessanter. Der Wat Pra Keo entstand 1565 als Tempel für die Könige von Vientiane und behebergte einst einen jetzt in Bangkok zu besichtigenden, sehr wertvollen Jadebuddha. Heute fungiert er nicht mehr als Tempel, sondern als eine Art Nationalmuseum mit einer herausragend schönen Sammlung von Statuen, geschnitzten Holzpaneelen und Büchern. Der Wat Sisaket hingegen wurde 1818 errichtet und überstand den Angriff der Siamesen von 1828 fast unversehrt. Mit seinen Hunderten von Buddhastatuen aus verschiedensten Zeiten, die sich in den äußeren Galerien aufreihen, und dem hoch aufragenden Sim (der zentralen Halle) strahlt er vor dem Hintergrund mächtiger Kokospalmen eine äußerst friedliche Atmosphäre aus.

In starkem Kontrast dazu steht das den französischen Arc de Triomphe nachahmende Siegestor (Pratuxai), das zwar nie richtig fertig wurde, aber von oben immerhin schöne Ausblicke über die Stadt gestattet. Nicht versäumen sollte man, am späten Nachmittag etwas aus der Stadt hinaus zu spazieren und den Sonnenuntergang über dem ruhig dahinströmenden Mekong zu beobachten, der den Himmel in die tollsten Schattierungen von Rot, Gelb und Blau taucht. Wen die Hähne am nächsten Morgen früh genug wecken, sollte den Besuch des Morgenmarktes (Talat Sao) nicht versäumen.

Während sich Vientiane schon dem Einfluss des nahen Thailand ergeben hat, vermittelt Luang Prabang weiterhin den Eindruck einer trägen Kleinstadt am trägen Mekong. Der gesamte historische Bezirk steht als Welterbe auf der Liste der Unesco und kann damit hoffentlich vor weiteren modernen Gebäuden verschont bleiben. Im Nordosten von Luang Prabang strömt der Nam Khan in den Mekong und bildet eine lange Landzunge – bevorzugter Ort für Tempel und Klöster, die sich dann auch auf dem Steilufer des Mekong bis in die Stadt hinein erstrecken. Der bedeutendste dieser Tempel ist der Wat Xieng Thong fast an der Spitze der Landzunge. 1560 von König Setthathirat erbaut, blieb er bis zum Ende der Monarchie (1975) unter königlicher Patronage und gilt als herausragendes Beispiel der Tempelarchitektur von Luang Prabang, für die vor allem die weit heruntergezogenen Dächer typisch sind. Berühmt sind auch das Mosaik eines Lebensbaumes und die Statue eines Liegenden Buddhas.

So wandert man von Tempel zu Tempel, bis man zu einem breiten, parallel zum Fluss gelegenen Palast kommt, der 1904 als Residenz der Könige von Luang Prabang entstand und bis 1975 bewohnt wurde. Heute ist er Nationalmuseum mit zahlreichen religiösen Artefakten, aber auch Besitztümern der Königsfamilie. Auf dem Gelände wurde ein neuer Sim für die äußerst wertvolle Statue des Pra Bang, eines vergoldeten Buddhas, der der Stadt ihren Namen verlieh, errichtet. Am späten Nachmittag, wenn es wieder etwas kühler geworden ist, sollte man die Besteigung des Phusi angehen, des Hügels mitten in der Stadt, von dem man einen guten Ausblick genießen kann.

Mekong bei Luang Prabang

Der Mekong bei Luang Prabang

Rund 30 Kilometer flussaufwärts liegen die Höhlen von Pak Ou. Tausende von Buddhastatuen wurden in ihnen von Gläubigen aufgestellt, die immer noch hierher pilgern, um ihre Gebete mit Hilfe von Räucherstäbchen zu den Göttern schweben zu lassen. Die tiefe Dunkelheit der hinteren Höhle und das schräg einfallende Licht schaffen eine geradezu andächtige Stimmung.
Von Luang Prabang aus kann man auch längere Fahrten auf dem unternehmen. Meist werden röhrende Speed-boats angeboten, mit denen zu fahren allerdings weder bequem noch ungefährlich ist. Lieber sollte man sich etwas mehr Zeit lassen und ein normales Ausflugsboot nehmen. Wer von Thailand über Huay Xai einreist, kann auch auf einem Frachter in zwei Tagen den Fluss bis nach Luang Prabang erkunden.

Die Ebene der Tonkrüge (Xieng Khuang) war ein frühes Zentrum einer bis heute rätselhaften Hochkultur, die vor rund 2000 Jahren große Gefäße hinterlassen hat, die aus einer Mischung verschiedener Erden (aber nicht aus Ton) bestehen. Wozu sie dienten, ist weiterhin völlig unklar, sie waren jedenfalls keine Begräbnisurnen, denn Skelette wurden nicht in ihnen, sondern höchstens unter ihnen gefunden. Es sind drei große Felder zu sehen, auf denen noch einige Hundert Gefäße wie von einem Riesen verstreut herumliegen.
Die Region ist sehr arm, denn dies war das Land der kommunistischen Partisanen, das von den Amerikanern in den 60er und 70er Jahren massiv bombardiert wurde. Zäune und Schweinetröge bestehen bis heute aus Bombenmänteln. Man kann einen Ausflug zur Höhle Tham Plu unternehmen, in der sich 400 Zivilisten versteckt hatten, die 1969 von einer gezielt abgefeuerten amerikanischen Rakete getötet wurden.

Im Süden kann die nicht besonders interessante Stadt Pakse Ausgangspunkt einiger Erkundungen sein. Wichtigste kulturelle Sehenswürdigkeit ist der Wat Phu, jetzt ebenfalls auf der Unesco-Liste des Welterbes. Er stammt aus der Vor-Angkor-Zeit (wahrscheinlich 8. Jh.) und soll das geistige Zentrum des Reiches Chenla gewesen sein. Unweit des Mekong herrlich gelegen, zieht sich die Anlage den Abhang eines Berges empor.

Auf der Insel Kong im Mekong gibt es einige Gebäude aus der Kolonialzeit zu entdecken. Am besten leiht man sich ein Fahrrad und erkundet so das nur acht Kilometer lange Eiland, auf dem es aber zur Franzosenzeit eine Eisenbahn gab. Von hier erreicht man per Boot oder Auto auch die breiten, aber nicht sehr hohen Wasserfälle des Mekong an der Grenze zu Kambodscha.

Franz-Josef Krücker

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