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Das Herz des Nationalparks darf nicht mit dem eigenen Fahrzeug befahren werden. Die strengen Vorschriften dienen dem Schutz der empfindlichen Flechtengesellschaften. Wer zu Fuß durch die Vulkanlandschaft streifen will, muss sich einer geführten Wanderung auf speziellen Pfaden anschließen. Für eine Rundfahrt auf der Ruta de los Vulcanos stehen Busse bereit. Diese vierzehn Kilometer lange Straße wurde 1950 eigens für den Besuch von General Franco angelegt.

Lebhaft geht es an der zum Nationalpark gehörenden Dromedarstation Echardero del los Camellos zu. Mehr als hundert Dromedare ziehen mit ihrer menschlichen Fracht in langen Karawanen eine Schleife durch den schwarzen Lavasand.


Dromedarreiten im Nationalpark

Ein groteskes Schauspiel! Auf einem dachförmigen grünen Holzgestell sitzt links und rechts des Höckers jeweils ein Tourist. Lacherfolge sind garantiert, wenn zum Gewichtsausgleich einer oder gar mehrere Säcke mit Lavabrocken befestigt werden müssen. Spätestens nach einem kurzen Ritt auf dem Lavataxi weiß man, warum Dromedare "Wüstenschiffe" genannt werden.

Wenige Kilometer südlich des vegetationsarmen Nationalparks wird die Vulkanlandschaft auf einmal wohltuend lebendig, hier und da rekeln sich gar Palmen empor. Die Bauern machten aus ihrer Not eine Tugend: Sie gruben bis zu zwei Meter tiefe, runde oder halbkreisförmige Vertiefungen, legten den fruchtbaren Boden frei und bedeckten ihn mit kleinen Lavasteinchen, sogenannter Lapilli. Die zehn Zentimeter tiefe Lapillischicht vollbringt wahre Wunder: Sie absorbiert die nächtliche Feuchtigkeit und mindert die Verdunstung, so dass in der an sich staubtrockenen Region Feigen, Aprikosen, Orangen und Äpfel gedeihen. Rund um das Dorf La Geria entstand dadurch ein unvergleichbares Weinbaugebiet, das Augen und Geschmacksnerven gleichermaßen zu betören weiß.


Weinbau bei La Geria

Im Inselinneren lockt auf weiten Strecken eine asketisch anmutende Landschaft voll karger Ursprünglichkeit. Auf den ersten Blick nur Ödnis und Unfruchtbarkeit; selten wird die erdfarbene Monotonie durch die mit Lapilli bedeckten Felder, ein paar Palmen oder das Weiß der Häuser aufgelockert.

Man muss die melancholische Stimmung auf sich wirken lassen, um sie als wohltuend zu empfinden; allzu sensible Gemüter leiden unter einem Anflug von Tristesse. Der große Blickfang im Inselnorden ist daher die Ortschaft Haría. Haría liegt zwar nicht am Meer, dafür aber in einem Meer von Palmen. Ungefähr so stellt man sich eine Fata Morgana vor.

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