Kulturhauptstadt mal Drei – Essen und das Ruhrgebiet, Istanbul und Pécs

Bisweilen beschleicht den Kulturinteressierten der Verdacht, dass sich die Wahl der Europäischen Kulturhauptstadt nicht an der Qualität der urbanen Kultur der ausgewählten Stadt bzw. Städte orientiert, sondern einem Proporzdenken auf europäischer Ebene geschuldet ist. Jedes Land der Europäischen Union muss zum Zuge kommen, wenn die Kulturhauptstadt gekürt wird. Längst jedoch gibt es nicht alleine eine ausgewählte Kulturhauptstadt wie zu Beginn der Initiierung des Kulturhauptstadtprogramms in den 1970er Jahren, sondern mindestens zwei oder drei Kulturhauptstädte. Als wäre dies noch nicht genug, finden sich in der Vergangenheit, man denke an die zweite Nominierung von Luxembourg-Ville, gleich noch die umliegenden Regionen unter dem Mäntelchen „Kulturhauptstadt“ ein.

Essen - Zeche Zollverein
UNESCO Welterbe Zollverein, Essen, Foto: Rupert Oberhäuser

Auch in diesem Jahr verständigte man sich nicht darauf, eine Europäische Kulturhauptstadt zu küren sondern gleich drei. Dabei steht Essen stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet und wirbt mit dem Motto „Kultur statt Kohle“ - eigentlich ein Selbstläufer, denn Stahl und Kohle sind aus dem Landschaftsbild des Ruhrreviers weitgehend verschwunden, sieht man einmal von den Industriedenkmalen entlang der Route der Industriekultur ab. Während das ungarische Pécs und das Ruhrgebiet mit einem umfangreichen Programm das Kulturhauptstadt-Jahr 2010 begehen, fokussiert sich die türkische Metropole am Bosporus, Istanbul, auf sich selbst, ganz im Sinne, dass die Stadt die Kultur sei und es darum gehe, die zahlreichen historischen Baumonumente der Altstadt ins richtige Licht der euopäischen Öffentlichkeit zu rücken. So stehen auch eher Restaurierungsprogramme in Istanbul im Vordergrund als ein detailliertes Programm von Theater bis Musik sowie von Literatur bis Kunst. (fdp)

Istanbul - Blaue Moschee
Die Blaue Moschee in Istanbul, Foto: Helmuth Weiss

 

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