Reisemagazin schwarzaufweiss

Mit Muskelkraft über die Inseln

Süddalmatien ist auch ein Paradies für Hobbyradler

Text und Fotos: Axel Scheibe

Kroatien - Süddalmatien - Kreuzfahrtschiff Harmonia

Mit nur einer Pferdestärke unterm Sattel hätte es sicher Probleme gegeben. Tagesetappen von über 50 km sind selbst für trabfreudige Vierbeiner zu viel. Doch ein kleiner Elektro-Motor von maximal 250 Watt, zwei Räder und ein Paar durchtrainierte Beine sollten sie zu einem tollen Urlaubserlebnis werden lassen. Die Aktiv-Tour durch die Inselwelt Süddalmatiens. Noch dazu bestens begleitet und untergebracht, auf einem Schiff, das man problemlos als deluxe bezeichnen konnte.

Aber der Reihe nach. Zurück auf Anfang

Kroatien - Süddalmatien - Impressionen aus der Altstadt von Trogir. Teil des UNESCO Welterbes

Impressionen aus der Altstadt von Trogir. Teil des UNESCO Welterbes

Trogir (1) an einem Samstagnachmittag im Frühling. Gaukler ziehen durch die Gassen der Altstadt und hauchen dem UNESCO-Welterbe Leben ein. Tausende Schaulustige drängeln sich durch das Spektakel. Gedränge auch am Kai direkt vor der Altstadt. Zahlreiche Touristenschiffe haben fest gemacht. Teils in zwei Reihen. Da gibt es Schmuckes zu sehen. Ganz besonders ins Auge sticht die HARMONIA. Man sieht ihr an, dass sie die Werft noch nicht all zu lange verlassen hat. Sie strahlt mit der Sonne um die Wette Auch Kapitän Josip kann ein stolzes Lächeln nicht verbergen. Es ist erst die zweite Fahrt, zu der er in Kürze ablegen wird. Die erste Saison des Schiffs, das speziell für die Bedürfnisse des Veranstalters Inselhüpfen entworfen und gebaut wurde. Neben 17 Kabinen für Aktiv-Urlauber besitzt es eine Fahrradgarage für die Drahtesel und sogar reichlich Ladestationen für die Batterien derer, die sich in der schroffen Bergwelt der Kroatischen Inseln nicht nur allein auf ihre Beinkraft verlassen wollen.

Kroatien - Süddalmatien - Kroatien - Süddalmatien - Impressionen aus der Altstadt von Trogir. Teil des UNESCO Welterbes

Alles ist bestens vorbereitet, als die Fahrradgäste Stück für Stück eintrudeln. Begrüßt von den drei Radguides des Unternehmens nehmen sie ihre komfortablen Kabinen in Beschlag. Schnell fühlen sie sich wie zu Hause. Nach einem köstlichen Dinner übernehmen die Radguides das Zepter. Es gibt reichlich Informationen. Immerhin geht es hier nicht nur um eine gemütliche Kreuzfahrt durch die Inselwelt. Die Inseln möchten sie per Fahrrad erkunden. Und Inselradeln in Süddalmatien bedeutet Bergradeln. So erzielt Mario ein erstes Schmunzeln, als er die Fahrstrecken zwischen den strammen Auf- und Abfahrten als „kroatisch onduliert“ bezeichnet. Was das bedeutet, werden die Radler in den nächsten Tagen selbst erkunden können. Er nennt erste Ziele und Schwerpunkte und verweist auf den nächsten Morgen. „52 km werden es sein“, lässt sich Josip II , der andere Radguide von Inselhüpfen entlocken. „Das Profil der Strecke gibt es dann aber lieber erst nach dem Frühstück“, setzt er viel sagend lächelnd hinzu. „Sonst könnt ihr vielleicht diese Nacht nicht gut schlafen.“

Kroatien - Süddalmatien - Der Salon der HARMONIA

Der Salon der HARMONIA

In der Bergwelt Kroatiens

Wer sich für eine solche Tour auf den Süddalmatischen Inseln entscheidet, weiß im Prinzip vorher, worauf er sich einlässt. Dabei werden die Radler die rund 240 km in zwei Gruppen angehen. Mario kümmert sich um die Mountainbiker, die reichlich mehr Kilometer und Höhenmeter unter die Räder nehmen, als die Normalos, die, begleitet von Josip II und Neven, auf Trekkingrädern oder E-Bikes der Bergwelt zu Leibe rücken wollen. Während alle noch über die nächsten Tage reden und Vorfreude auf das Kommende dominiert, hat Kapitän Josip die HARMONIA von Trogir nach Split verlegt.

Kroatien - Süddalmatien - Mächtige Felsenwände bei der Einfahrt in den Hafen von Omis

Mächtige Felsenwände bei der Einfahrt in den Hafen von Omis

Am Morgen steuert die HARMONIA Omis (2) an. Ein kleines Hafenstädtchen südlich von Split. Die erste Tour verläuft noch auf dem kroatischen Festland. Mächtige Felswände säumen das Ufer und verengen sich hinter Omis zu einer Schlucht. Erst entlang des Flüsschens Cetina und dann, wie erwartet und wohl teils befürchtet, Kilometer um Kilometer stramm bergauf, beginnt der aktive Teil der Reise. Doch die Landschaft und die tollen Ausblicke entschädigen bereits auf dieser 1. Etappe für die Plackerei. Einfach toll, was die Natur den Radlern zu bieten hat. Sicher, die, die sich für ein E-Bike entschieden haben, kommen mit etwas weniger Schweiß im Radshirt über die Runden, als die, die sich mit Trekkingrädern über die Berge quälen. Doch eines merken auch sie schon auf dem ersten Abschnitt. Geschenkt bekommt man auch mit dem kleinen E-Motor am Rad keinen Höhenmeter. Insgesamt gibt es über 3.500 Höhenmeter zu bewältigen.

Kroatien - Omis - So manche Bergfahrt ist harte Arbeit. Besonders wenn am Rad noch ein Kinderanhänger hängt

So manche Bergfahrt ist harte Arbeit, besonders wenn am Rad noch ein Kinderanhänger hängt

Das Schiff im Mittelpunkt

Am Abend wird die Crew vorgestellt und Kapitän Josip informiert über sein neues Schiff. Dass es 17 komfortable Kabinen für seine Gäste bereit hält, hat inzwischen jeder bemerkt, auch Salon und Oberdeck sind bereits erobert. Dass aber zwei je 350 PS- starke Dieselmotoren für den Vortrieb sorgen, ist neu. „Bis zu 12 Knoten kann unser Schiff damit laufen“, so Josip. „Die Reisegeschwindigkeit liegt im Durchschnitt bei 8 bis 9 Knoten.“ 37,5 m lang und 8,5 m breit ist das schwimmende Hotel und der Tiefgang beträgt 3,5 m. Platz nach unten muss in den kleinen Häfen also schon sein. Josips Familie besitzt eine kleine Werft auf der Insel Brac und so ist es kein Wunder, dass die HARMONIA von Josips Vater und seinen Mitarbeitern ihren gelungenen Holzaufbau erhielt.

Kroatien - Kreuzfahrtschiff Harmonia - Kapitän Josip

Kapitän Josip

Schon seit dem Start in Trogir ist die Sonne ein ständiger Begleiter. Schön, so wirkt das faszinierende Miteinander des dunkelblauen Meeres mit dem Himmelblau, das zum ständigen Begleiter der Inselradler geworden ist, noch fotogener. Das ist der Vorteil, wenn es von den täglichen Häfen immer hoch hinauf ins Inselinnere geht und dort das „kroatisch ondulierte“ Terrain für immer neue Aus- und Weitblicke sorgt. Schon auf der Insel Hvar, die mit ihren 70 km Länge gern als die „schlanke Schönheit“ bezeichnet wird, geht es, ähnlich zu Omis, mächtig zur Sache.

Marco Polo ja oder nein?

Kroatien - Süddalmatien - Eine der schönsten Altstädte auf der Inselwelt Korcula

Eine der schönsten Altstädte auf der Inselwelt Korcula

Jetzt haben Neven und Josip II die Königsetappe versprochen. Vorerst jedoch begeistert Korcula (3), der Hauptort der gleichnamigen Insel mit seiner pittoresken Altstadt. Ein Führer erläutert die Geschichte und kommt dabei unweigerlich auf Marco Polo (1254-1324) zu sprechen. Der Reisebericht seiner jahrzehntelangen Asienreise wurde zum Bestseller damaliger Zeit und geht bis heute über die Ladentische. Rund um Marco Polo hat sich manche Legende aufgebaut. So auch um seinen Geburtsort. Heute streiten sich Venedig und Korcula um diese Ehre. In Korcula werden jedem Touristen die Ruinen-Überreste des Hauses gezeigt, in dem der große Venezianer geboren wurde. Wie zumindest die Korculaner behaupten. Beweise ob er nun dort oder in Venedig das Licht der Welt erblickte, kann weder Korcula noch Venedig vorweisen. Keine Legende dagegen ist der Anstieg, der die Touristen am nächsten Morgen erwartet. Zwar nur schlappe 4 km lang doch mit Steigungen von bis zu 20 %. Da muss so mancher vom Rad und selbst die E-Biker gehen an ihre Grenzen. Schön, dass oben ein gemütliches Gasthaus für eine Pause inklusive Stärkung für den Rest der Tour wartet. Gut 50 km sind es bis nach Prigradica, am anderen Ende der Insel. Danach eine frische Dusche, ein nicht weniger frisch gezapftes Pils und ein leckereres Dinner gezaubert von Koch Bojan. Herz was willst du mehr?

Kroatien - Süddalmatien - Impressionen aus der Altstadt Korcula

Impressionen aus der Altstadt Korcula

Aus der Pfanne lacht ein Tintenfisch

Auch wenn so manche stramme Radlerwade vielleicht nach einem Ruhetag lechzt. Man ist zwar nicht auf den Spuren der Tour de France unterwegs, doch auch auf den kroatischen Inseln geht es weiter auf und ab. Da ist jede Rast willkommen. Besonders wenn sie, wie auf der Insel Vis (4) in eine Konoba (Taverne) führt, wo Koch Dino eine besondere Spezialität vorbereitet hat. Seit über zwei Stunden kümmert er sich um eiserne Schüsseln, die im Holzkohlefeuerbett stehen. Auch deren Metallglocke ist mit der Glut bedeckt. Peka nennt sich diese Zubereitungsart. Schonend und lecker garen darin Lamm, Kartoffeln und Gemüse. Knapp drei Stunden braucht es dafür.

Nur die Hälfte der Zeit benötigen die anderen Peka´s. Darin große Tintenfische mit Gemüse und Reis. Wenn auch die Tintenfische nach dem Öffnen der Glocken mit manch skeptischen Blick bedacht werden. Es dauert kaum eine halbe Stunde, schon ist alles in den hungrigen Radlermägen verschwunden. Dazu auch das eine oder andere Glas vom Rebensaft, der rundum auf den Weinbergen gedeiht. So gestärkt geht es zurück nach Vis.

Kroatien - Süddalmatien - Mittagspause in der Konoba (Taverne)  „Rocki´s“ in Plisko Polje im Bergland auf Vis

Mittagspause in der Konoba (Taverne) „Rocki´s“ in Plisko Polje im Bergland auf Vis

Honig in den Fahrradtaschen

Aber alles hat einmal ein Ende. So sind die letzten beiden Rad-Etappen, erneut auf der Insel Hvar und zum Abschluss auf Solta (5) bereits Vergangenheit. Der Besuch bei einem Imker auf der Insel Solta hat bei vielen Gästen für eine Vergrößerung des Koffergewichtes gesorgt. Imker Goran Tvrdic, der die die Geschicke des Familienbetriebes leitet, hatte nicht nur viel über das Leben seiner fleißigen „Mitarbeiterinnen“ zu erzählen, sondern im Shop auch reichlich Honig zu bieten. Die Kostproben überzeugten. Und so wanderte manches Glas gefüllt mit Rosmarien- oder Lavendelhonig in die Radtaschen.

Kroatien - Süddalmatien - Besuch beim Imker auf der Insel Solta

Besuch beim Imker auf der Insel Solta

Diese letzte Tour war kurz. Nun bleibt eine abschließende Gelegenheit, das Schiff zu genießen. Der Kapitän hat Anker geworfen. Über die Badeplattform geht es direkt in die glasklaren Fluten des Mittelmeers. Erfrischung tut not. 230 Kilometer sind geschafft. Die Sonne lacht vom Himmel und am Abend wartet noch ein Spezial-Dinner zum Abschied.


Informationen:

Die vorgestellte Reise gibt es zu einem Preis ab 1.140 Euro je Person in der Doppelkabine inkl. VP. Mieträder ab 70 Euro je Woche.

Inselhüpfen

Radurlaub Zeitreisen GmbH, Maybachstraße 8, 78467 Konstanz Tel.: 07531/36186-0, www.inselhuepfen.de.

 

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