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Blaues Meer und kahle Felsen

Kroatien: mit Fahrrad und Motorsegler durch die Kvarner Bucht

Text und Fotos: Axel Scheibe

Ein wenig Entspannung, ein wenig Anstrengung. Mal steil bergauf, mal durch die Ebene. Im Sattel oder in der Koje. Unser Autor Axel Scheibe berichtet von einer ungewöhnlichen Schiffs- und Fahrradtour an Kroatiens Adriaküste.

Kroatien Kvarner Bucht Cres

Das Städtchen Cres ist Ausgangspunkt der Tour

Wie ein Uhrwerk tritt er in die Pedale. Hans, so steht es zumindest hinten auf seinem Sattel, scheint ein ganz „harter Hund“ zu sein. Es ist die erste Tour unserer kombinierten Schiffs/Fahrradreise durch die Kvarner Bucht. Noch kennen wir uns nicht beim Namen, was sich aber sicher schnell ändern wird. Vor wenigen Stunden legte unsere „Toma“ mit 30 Radfans und 30 Rädern im Hafen von Rijeka ab und jetzt, die Nachmittagssonnen lässt die Landschaft der Insel Cres im warmen Glanz scheinen, sind wir am ersten Scharfrichter unserer Reise angelangt. Wie hatte Peter, unser Radreiseleiter, auf dem Schiff so schön gesagt. „Zum Start und zum Eingewöhnen ist heute Nachmittag nur eine kurze Route geplant.“ Gut gesagt. Auf der Karte bekamen wir die Bestätigung. Zwölf Kilometer von Cres ins kleine Bergdorf Predoscika und zurück. Schlappe 24 Kilometer also. Doch die Höhenlinien hatten wir außer acht gelassen. Ein Fehler, der uns nun den Schweiß auf die Stirn treibt. Die ersten acht Kilometer sind geschafft und dabei rund 360 Höhenmeter über der herrlich blauen Kvarner Bucht.

Kroatiern Kvarner Bucht Kirche

Das erste Etappenziel ist erreicht: Predoscica

Am Ziel in Predoscika angekommen, entschädigen uns nicht nur traumhafte Ausblicke auf die umgebende Inselwelt. Der Bummel durch den kleinen, fast verlassenen Ort gleicht einem Ausflug in längst vergangene Zeiten. Es verspricht schön zu werden in Kroatien. Und, so Reiseleiter Peter, die auf uns wartenden Tagestouren würden zwar ein gutes Stück länger ausfallen als heute, aber noch steiler gehe es (meist) nicht hinauf. Jetzt wartet das Abendessen auf unserem schwimmenden Hotel. Also los. Mit einer lange Schussfahrt ist der Rückweg das reinste Vergnügen.

Zuhause auf Zeit

Die Teller sind reichlich gefüllt, der Nachschlag duftet schon aus Kombüse und Deftiges- Kräftiges wird auch in den nächsten Tagen unseren Radhunger stillen. Es ist schon beeindruckend, was selbst Frauen, die sicher sonst im Restaurant nur die Salatkarte studieren, so alles verdrücken können. Ein kühles Bier erfrischt die müden Geister und dann wird es Zeit, endlich so richtig vom Schiff Besitz zu ergreifen. Groß ist sie nicht, unsere „Toma“. Gerade 30 Meter misst der Zweimast-Motorsegler. Da bleibt nicht viel Platz für luxuriöse Kajüten. Doch alle wussten was sie erwartet, das Gepäck war entsprechenden ausgesucht, und so findet jeder seinen Platz, auch wenn die Kojen in manchen Kabinen eher für kleine Leute gebaut wurden. Noch gibt es Toiletten und Duschen nur auf Deck, doch Käpt´n Dino will umbauen, mehr Luxus bieten und mehr Geld verdienen. Uns mag das egal sein, wir haben uns schnell eingelebt und finden es gemütlich. Die Anstrengungen des ersten Tages mit Anreise und strammer Bergtour machen sich bemerkbar. Die Müdigkeit schlägt zu. Es dauert nur kurze Zeit und auf der "Toma" zieht Ruhe ein.

Kroatien Kvarner Bucht Schiff

Die kroatischen Inseln in der Kvarner Bucht sind durch ihre unberührte Natur und, sieht man mal von Krk ab, Abgeschiedenheit und Stille ein beliebtes Ziel für Erholsuchende. Doch die meisten fahren mit ihren Autos in flotter Geschwindigkeit dahin. Schade drum! So vieles, was wir am Straßenrand sehen, bleibt ihnen verborgen. Heute, am ersten kompletten Fahrradtag steht „Cres querdurch“ auf dem Programm. Am Mittag treffen wir die „Toma“ in Osor und am Nachmittag geht es weiter auf die Insel Losinj, die durch ein Brücke mit Cres verbunden ist.

Kroatien Kvarner Bucht Bucht

Ein idyllischer Rastplatz- malerische Bucht auf Losinja

Die Geschichte dieser Inseln ist durchdrungen von zahlreichen Mythen. Man muss im Buch der Geschichte weit zurückblättern, bis man auf den antiken Namen des Archipels stößt. „Absyrtides“ wurde er genannt, nach dem Bruder Medeas, der im Kampf um das legendäre Goldenen Vlies hier den Tod gefunden haben soll. Über viele Jahrhunderte kamen immer neue Stämme auf die Inseln. Glanz und Zerfall der Reiche von Rom und Byzanz hinterließen hier ebenso ihre Spuren wie die Zugehörigkeit zur Republik Venedig. Doch mehr als anderswo auf dem Festland waren es die Herausforderungen einer unberechenbaren Natur, die die Menschen auf den Inseln prägten.

Wir rollen nach erneuter Kletterei über die karge Hochebene von Cres. Immer wieder finden wir steinerne Zeugnisse der Symbiose zwischen Mensch und Natur. Da sind die mühselig aus groben Feldsteinen errichteten Mauern, die den Olivenhainen und Schafherden einen Hauch von Schutz bieten.

Kroatien Kvarner Bucht Steinmauer

Blühende Vegetation - die Steinmauer schützt sie vor Wind

Da finden sich kleine Steinkirchen, die sich an die Hänge ducken. Ein feiner Duft von Wacholder, Salbei und Thymian liegt in der Luft und streichelt unsere Lungen. Wäre da nicht ein kräftiger Wind, der uns schräg von vorn erwartet, hier oben führe das Rad von ganz alleine. Doch wir haben Zeit. Die 40 Kilometer bis zum Mittag lassen uns reichlich Gelegenheit zum Anhalten. Mehr als einmal wird die Fotoausrüstung aus dem Rucksack geholt. Und dann führt die kleine Straße allmählich zum Meer zurück, liegt Osor vor uns. Bis hinein ins 15. Jahrhundert war es die Hauptstadt der Inseln Cres und Losinj und der wichtigste Transithafen zwischen Dalmatien und der Adria. Noch heute legen repräsentative Gebäude wie der Bischofspalast, die Kathedrale und das Rathaus im historischen Kern der Stadt Zeugnis von Macht und Glanz vergangener Zeiten ab. Jetzt lebt die Stadt von den Touristen. Mit zahlreichen Kunst- und Kulturveranstaltungen knüpft sie an alte Zeiten an. Einen Namen hat sie sich besonders durch die „Musikalischen Abende von Osor“ gemacht, die in der Kathedrale stattfinden.

Kroatien Kvarner Bucht Veli Losinja

Im kleinen Hafen direkt hinter der historischen Altstadt wartet bereits die "Toma" mit einer kräftigen Mahlzeit auf uns. Noch knappe dreißig Kilometer liegen vor uns. In Losinj gibt sich die Landschaft friedlicher. Steile Anstiege bleiben aus und das erste Ziel dieser Tour, das malerische kleine Hafenstädtchen Veli Losinj (Foto rechts)erweist sich am Ende der Reise als einer der schönsten Plätze, die wir auf den Inseln besucht haben werden. Gemütlich am kleinen Hafen sitzen, den Fischern auf ihren bunten Booten zu schauen und ein Glas Bier auf dem Tisch, Herz was willst du mehr. Die Weiterfahrt nach Mali Losinj ist dann nur noch ein „Nachschlag“, dort wartet unser schwimmendes Hotel. Obwohl auch Mali Losinj eine hübsche Hafenstadt ist, bleibt Veli irgendwie mehr im Gedächtnis. Es ist eigenwilliger, nicht so austauschbar, wie viele andere Touristenorte auf den Inseln der Kvarner Bucht.

Der Schatz im Silbersee

Kroatien Kvarner Bucht Nationalpark Telascica

Der Schatz im Silbersee ist uns für heute versprochen worden. Doch wie so oft haben die Götter vor dem Preis den Schweiß gesetzt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Unser Wanderbesuch im Naturpark Telascicva (Foto rechts), dort wo die wildromantischen Abenteuer für Karl Mays Silbersee gedreht worden, steht erst für den späten Nachmittag auf dem Reiseprogramm. Vorerst nimmt die „Toma“ Kurs auf Bozava, eine kleine Bucht im Norden der würzigen Insel Dugi Otok. Knapp fünfzig Kilometer über die von Kiefernwäldern, Agaven und Tamarisken bewachsene Insel sind unser Tagespensum per Rad. Dugi Otok liegt fern der großen Touristenströme und so geht es auf fast autofreien Straßen über eine sanft hügelige Landschaft in Richtung Süden. Das Rad rollt von allein. Alle lassen es heute etwas ruhiger angehen. Der bisher heißeste Tag der Reise, es mögen weit über dreißig Grad sein, bringt uns auch ohne Sprinteinlagen so richtig schön zum Schwitzen. Klar, dass alle die Chance nutzen, im kleinen Dorf Brbinj im Schatten großer Bäume bei einem leckeren Espresso frische Kraft für den zweiten Teil der Strecke zu tanken.

Der Wind hat aufgefrischt. Das ist angenehm. Langsam wird das Tempo zügiger. In flotter Fahrt geht es dem Tagesziel in Sali entgegen. Der Schweiß fließt wieder in Strömen und es ist schön, unter den ersten zu sein, die das Schiff erreichen. Die „Toma“ besitzt nur vier Duschen, und die sind heißbegehrt. Ehe das „Hauptfeld“ in den Hafen fährt, haben wir es uns bereits, frisch geduscht und gespannt auf den Silbersee, auf Deck gemütlich gemacht. Kaum sind alle Mann und alle Räder an Bord, wirft Dino die Leinen los und ab geht es zum Naturpark Telascica.

Kroatien Kvarner Bucht Silbersee

Ruht hier wirklich der Schatz im Silbersee?

In einer romantischen kleinen Bucht liegen bereits zwei Segler und wir machen längsseits fest. Dieses Mal bleiben die Räder an Bord. Festes Schuhwerk haben wir an den Füßen und so kann es losgehen. Über Stock und Stein sind wir auf der Suche nach Old Shatterhand und Winnetou. Über die Klippen der Westküste, die einen herrlichen Blick auf das Meer bieten geht es weiter. Und endlich liegt er vor uns, der Silbersee, den wohl jeder aus dem gleichnamigen Karl-May-Film kennt. Schöner noch als im Film lädt er zum Baden ein. Wer kann da widerstehen?

Doping durch Wein und Käse?

Die Hälfte der Reise ist vorbei, und nun steht uns ein halber Ruhetag zu. Der Vormittag steht ganz im Zeichen von Kapitän Dino (Foto) und den nördlichen Kornaten, einer Welt aus Inseln und Meer, wie man sie in dieser Dichte nirgendwo sonst auf der Welt findet. Hier kann und muss Dino zeigen, dass er mit seinen 23 Jahren zu den erfahrenen Schiffsführern in der Kvarner Bucht gehört. „Die Passagiere sind immer wieder beeindruckt von der hier fast mystisch wirkenden Kombination zwischen schroffen Felseninseln und dem magischen Blau des Meeres,“ sagt er. „Natürlich muss man als Kapitän hier mächtig aufpassen. Wer das Gebiet nicht genau kennt, sollte sich in Acht nehmen.“ Wir waren noch nicht hier und sind wirklich beeindruckt. Am Nachmittag legt die „Toma“ im Hafen von Mandre auf der Insel Pag an.

Kroatien Kvarner Bucht Kapitän

Pag gibt es im Doppelpack. Heute eine kleinere Rundtour und morgen in Richtung Nordwesten nach Stara Novalja. Schnell sind die Fahrräder entladen und wir alle fahrbereit. Peter hat uns erzählt dass eine Wein- und Käseprobe geplant ist. Da haben es alle eilig. Wieder, wie fast jeden Tag, gehen die ersten Kilometer stramm bergauf. Es ist aber auch wie verhext, die Inseln sind recht bergig und immer liegt der Hafen auf der Höhe des Meeresspiegels. Der Appetit auf Wein und den heimischen Käse, von dem schon viele vor uns geschwärmt haben, macht uns schnelle Beine. Die Landschaft auf Pag ist schroff und fast ein wenig unwirklich. Bis zum Horizont reichende Mauern treffen sich im krassen Gegensatz mit dem malerisch blauen Himmel, der tief über dem Land zu liegen scheint. Wir sind nur einige Kilometer gefahren, immerhin ist ja unser Halbruhetag, und treffen uns alle im Garten eines kleinen Hauses, wo die Hausherrin bereits mit Weinkrügen und dem Käse wartet. Beides ist Lecker und manch Kilo Käse und die eine oder andere Flasche Wein verschwinden in den extra dafür mitgenommenen Rucksäcken. Ehe es auf dem Rundkurs zurück zur „Toma“ geht, bleibt die Frage: Sind wir nun gedopt? Wir entscheiden uns für nein und radeln zufrieden unter den tiefen Strahlen der Abendsonne zurück zum Schiff.

Kroatien Kvarner Bucht  an Bord

Erholung nach einem anstrengenden Tag

Schroff und herb wie viele der Inseln in der Kvarner Bucht liegt auch die Landschaft von Pag links und recht der kleinen Straßen, die uns zu einer mittägliche Rast nach Novalja führen. Feigen- und Olivenbäume bestimmen die Flora. An den steinernen Mauern blüht manch bunte Feldblume und in Novalja erwarten uns an der Uferpromenade sogar Palmen, in deren Schatten wir uns erholen. Doch noch liegen rund zwanzig Kilometer vor uns. Auf einer Halbinsel rollen wir nach Lun, wo die „Toma“ wartet.

Kroatien Kvarner Bucht Radler

Der Gegenwind duldet kein Ausruhen

Zur Abwechslung ist dieses Stück relativ flach, doch damit ja kein Müßiggang eintritt, empfängt uns eine steife Brise von schräg vorn und simuliert so eine ständige Bergauffahrt. Aber das Training der letzten Tage hat gewirkt. Klaglos bringen uns unsere Beine ans Ziel. Mit stampfenden Motoren kämpft sich das Schiff wenig später durch die etwas bewegte See. Rab ist unser Ziel. Diese Insel gehört zu den sonnigsten Plätzen des Kontinents und die mittelalterliche Stadt gleichen Namens zu den attraktivsten Orten in der Adria.

 

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