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Zwischen Zebras und Zypressen

Organisierte Bootsausflüge werden auch nach Venedig und zu den Brijuni Inseln angeboten, doch letztere planen wir preiswerter bei unserer Weiterfahrt nach Pula mit ein. Durch einen Tipp von einer Dame auf dem Boot haben wir den Besuch auf der größten Insel des Archipels schon telefonisch im Voraus gebucht.Die Fähre legt ab und schon wenig später fährt uns ein Minizug gemütlich durch den üppig grünen Park mit seinen exotischen Tieren. Zu Lebzeiten des Präsidenten Josip Tito waren die vierzehn Inseln Sperrgebiet für Touristen. Hier empfing er hochrangige Staatspersonen wie Kaiser Haile Selassi, Chruschtschow und Willi Brandt. Während der 30 Jahre, die sich Tito hier immer wieder aufhielt entstand ein kleines Paradies. Über zweihundert Vogelarten soll es auf den Inseln geben. 1983 wurde Brijuni zum Nationalpark erklärt und ein Jahr später für den Tourismus geöffnet.

Kroatien Pula Amphitheater

Amphitheater in Pula

Es bleibt nach diesem Ausflug noch Zeit für einen Stadtbummel durch Pula, der größten Stadt Istriens. Direkt neben dem mächtigen Amphitheater vertrauen wir unser rollendes Heim den Parkwächtern an und lassen die eindrucksvolle Arena auf uns wirken. 30.000 Zuschauer konnten von den Rängen den grausamen Gladiatorenkämpfen zuschauen.

Kroatien Pula Oval Theater

Das mächtige Oval des Amphitheaters

Das imposante Bauwerk aus römischer Herrschaft ist eines von sieben noch erhaltenen Amphitheatern im Mittelmeerraum. Das 133 Meter lange Oval war über einen unterirdischen Gang mit dem Meer verbunden. Heute wird die großartige Kulisse für Festspiele genutzt.

Auch die Römer waren schon hier

Wenige Straßenzüge weiter befinden wir uns schon mitten in der Altstadt. Eine Pause genießen wir auf dem großen Platz Trg Republike unter den Sonnenschirmen eines Restaurants.

Zur Zeit der römischen Herrschaft war dies das Forum, vis à vis erhebt sich der Augustustempel mit seinen sechs Eingangssäulen und korinthischen Kapitellen (Foto). Er gehört er zu den ältesten noch komplett erhaltenen Bauwerken römischer Architektur, die in Kroatien zu sehen sind. Nebenan befand sich einst der Dianatempel, dessen Überreste geschickt in das Rathaus aus venezianischer Epoche integriert wurden. Nicht weit davon entfernt wurde 1959 das Rimski Mosaik, der Mosaikfußboden eines Wohnhauses, entdeckt. Neben Ornamenten, Vögeln und Delphinen ist auch die Bestrafung der Dirke, eine beliebte Szene aus der griechischen Mythologie, zu sehen. Am Ende der Fußgängerzone schreiten wir noch durch den Triumphbogen der Sergier, ein überdimensionaler Gedenkstein der bereits über 2000 Jahre lang an dieser Stelle steht.

Kroatien Pula Tempel

In den nächsten Tagen genießen wir noch den südlichsten Zipfel Istriens, erkunden mit unserem kleinen Boot die Buchten und Inselchen und setzen unsere Reise schließlich über die Landstraße 21 durchs Inland fort. Labin thront auf einem grünen Hügel und kann seinen Festungscharakter nicht leugnen. Beim einstigen Stadttor St. Ploro aus dem 16. Jahrhundert beginnt unsere Entdeckungstour. Schmale Treppengassen mit glatt geschliffenem Pflaster führen uns bis zum oberen Platz, von wo sich ein beeindruckender Blick auf die Kvarner Inseln eröffnet.

In Plomin haben wir wieder die Küste erreicht, wo die „Magistrale“ teilweise dicht am Meer entlang führt. Dank des milden Klimas wird der Küstenstreifen zwischen Mošçenicka Draga und Opatja als „Rivjera“ bezeichnet. Der hohe Ucka-Berg hält die kalten Borawinde ab, so dass sogar Palmen gedeihen. Dementsprechend früh hat sich der Tourismus in dieser Region etabliert. Inzwischen ist dieser Bereich durchgehend besiedelt. Die alten Palais wurden zu Hotels umfunktioniert. In Opatja erinnern noch viele Prachtbauten an die alte Donau-Monarchie.

Kroatien Opatja

Opatja

Die Fassaden bieten ein Potpourri kopierter Stilrichtungen: vom Tiroler Dach über Barockelemente, venezianischer Gotik bis Wiener Jugendstil ist so ziemlich alles vertreten. Opatja ist zum Zentrum des Massentourismus aufgestiegen oder sollte man besser sagen herabgestiegen? Der Kurpark - ein wohltuender Fleck mit Bänken und Schatten in dichter Vegetation wurde 1845 von einem betuchten Kaufmann aus Rijeka angelegt. Damals hatten viele reiche Reeder aus Rijeka ihre Sommerresidenz hier in Opatija. Wir bevorzugen den Nachbarort Iciçi mit kleinem Hafen und glasklarem Meer. Den Namen verdankt der attraktive Küstenort den uralten Lorbeerbäumen. Auf einer Restaurantterrasse nahe dem Meer genießen wir leckere Fischgerichte und den letzten Tag an der Adria.

Augenlose Grottenolme und weiße Lipizzaner

Auch wenn es einen kleinen Umweg bedeutet, so planen wir noch einen Besuch in einer Tropfsteinhöhle ein. Pivka Jama, Crna Jama, Otoška Jama, Postojna Jama - die Karstlandschaft nördlich Istriens ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Alle zusammen bilden mit 24 Kilometern das längste Höhlenlabyrinth der Welt, das unter dem Begriff Postojna oder Adelsberger Grotten bekannt ist. Über 11.000 Menschen sollen zu Rekordzeiten durch die fantastische Unterwelt geschleust worden sein. In warme Lodenmäntel gehüllt warten wir geduldig auf die nächste Bahn, die uns vier Kilometer weit in den Berg hinein bringt.

Kroatien Ort im Landesinneren

Malerischer Ort im Landesinneren

Auf dem Rundgang geht es hautnah an den Tropfsteingebilden vorbei, an meterdicken Säulen, an Orgelpfeifen, Sintervorhängen, Faltenvorhängen und hauchdünnen Stalaktiten, die wie Spaghetti von der Decke hängen. In den klaren Wassern leben seit Urzeiten die Grottenolme. „Sie können bis zu 25 cm lang werden“, klärt uns der Führer auf. „Ihre Augen entwickeln sich in den Höhlen nicht, dafür verfügen sie über einen perfekten Geruchssinn. Der Grottenolm ist ausgesprochen flexibel. Er kann mit der Lunge und den Kiemen atmen. Er vermehrt sich durch Eier, die das Weibchen gut bewacht, sie kann unter bestimmten Umständen aber auch lebend gebären, dann reifen ihre Eier im Körper heran.

Kroatien  Camping am ufer

Stellplatz am Ufer

Kurz vor Triest beschließen wir unsere Runde mit einem Besuch der weltberühmten Lipizzaner. Ihren Namen haben die begabten Dressurpferde von den alten Linden (Lipica) die auf dem großen Gestüt wachsen. Seit über 400 Jahren werden hier reinrassige Lipizzaner gezüchtet, die durch die Wiener Hofreitschule Weltruf erlangten. Bei einer Dressurvorführung erfahren wir, dass nicht jeder Lipizzaner ein Schimmel wird. „Bei der Geburt ist Ihr Fell grau, braun oder schwarz“ sagt das Mädchen zu unserer Rechten. „Bei den meisten Tieren verändert sich die Farbe zwischen drei und sieben Jahren und nur die Schimmel haben Chancen in der Hofreitschule aufgenommen zu werden. Dass die Kinder auch einmal auf einem Lipizzaner reiten wollen, damit hatten wir schon gerechnet.

 

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