Reisemagazin schwarzaufweiss

Unter der Sonne des Südens

Die Schönheiten Istriens

Text und Fotos: Renato Diekmann

In Istrien braucht es keine Schauspieler, um Lebensfreude zu zeigen. Land und Leute verkörpern das, was man heutzutage so gerne als authentisch bezeichnet. Die fruchtbare Landschaft, die Oliven, Weintrauben und Trüffelpilze hervorbringt, und fischreiche Gewässer rund um die herzförmige Halbinsel im Norden Kroatiens sind den Menschen genug.

Kroatien - Istrien - Brsec, Kvarner Bucht , hinten Rijeka

Blick auf die Kvarner Bucht und den Ort Brseč

Wir sitzen bei Sonnenuntergang und einem „Bellini“ auf weichen Kissen in einer verwunschenen Bar für Verliebte und Träumer, auf felsigem Grund in der Nähe des Hafens, saugen die mediterrane Stimmung in uns auf, angetan vom Licht und seinen Farben – mal lieblich, mal betörend, aber immer überwältigend. Rovinj, die schönste Küstenstadt Istriens, ist beliebt und allemal ein Besuch wert. Im Ort herrschen Ruhe und Gelassenheit. Kein Autolärm, kein Stress, kein hektisches Treiben plagen Anwohner und Besucher der Altstadt, deren Ursprünge bis ins 3. Jh. zurückreichen. Niemand hat es hier eilig. Und Zeit, um alles schön der Reihe nach erledigen zu können, gibt es reichlich – irgendwann jedenfalls, morgen vielleicht.

Traumhaft schön

Kroatien - Istrien - Rovinj

In der Altstadt von Rovinj

Rovinj ist ein romantischer Ort mit venezianischer Architektur und italienischem Flair, der die mediterrane Atmosphäre hinter dem morbiden Charme seiner Altstadtfassade zu bewahren versteht. Ein Labyrinth aus verwitterten Steinhäusern, die vom schlanken, 59 m hohen Campanile und der alles beherrschenden Pfarrkirche stolz überragt werden. Während auf dem glitzernden Wasser unser Kreuzfahrtschiff ankert und Fischer in dümpelnden Booten ihr Abendmahl angeln, öffnen in der malerischen Stari Grad urig eingerichtete Konobas und gepflegte Restaurants ihre Pforten. Dazwischen liegen liebevoll eingerichtete Läden, verschwiegene mit Pflanzkübeln dekorierte Innenhöfe, blumengeschmückte Treppen und Terrassen, schattige Torbögen und geheimnisvolle Winkel, hübsche Boutiquen und kleine Galerien, in denen Künstler ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Besonders romantisch ist vor allem der geschützte Hafen mit unzähligen Booten, die sanft auf den Wellen hin und her schaukeln.

Kroatien - Istrien - Rovinj

Blick über den Hafen von Rovinj

Versunken im Meer

Die zauberhafte Landschaft Istriens bietet ein reichhaltiges Kontrastprogramm: weite Täler, stille Seen, lichte Höhen, beschauliche Bergdörfer, liebliche Weinfelder und reihenweise Bäume mit Lecino- und Pendolino-Oliven.  Die Muschelgerichte vom Limski Kanal gelten unter Feinschmeckern als die delikatesten und leckersten im ganzen Land. Ursprünglich eine Bucht, bezeichnen die Anwohner ihren Limski Kanal als schönsten Fjord Kroatiens, der sich am besten von einem Aussichtspunkt am Nordhang überblicken lässt, wo der Kreuzfahrer erfährt, dass die weiland 25 km lange Karstschlucht Limska draga schon vor mehr als 10.000 Jahren im Meer versank.

Kroatien - Istrien - Limski Kanal

Am Limski Kanal

Weltkulturerbe

Es geht weiter nach Poreĉ. Unseren Rundgang durch die historische Altstadt unterbrechen wir vor dem vergoldeten Portal der Euphrasius-Basilika. Es führt in das prachtvolle, säulengeschmückte Atrium des rund 1700 Jahre alten Kirchengebäudes, das 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die byzantinischen Mosaiken mit ihren kunstvollen Darstellungen biblischer Geschichten und das oktogonale überkuppelte Baptisterium sind meisterhafte Werke romanischer Architektur und erfreuen das Auge eines jeden Kunstliebhabers. Allein der Blick vom Glockenturm auf die roten Dächer der mittelalterlichen Hafenstadt ist Grund genug, Poreĉ ins Herz zu schließen.

Kroatien - Istrien - Porec - Euphrasius Basilika

Euphrasius Basilika

Stadt des Weines und der Trüffel

Besser könnte die Lage nicht sein! Auf einem freistehenden Bergkegel erhebt sich die stolze Handelsstadt Motovun erhaben über die Weinebene im fruchtbaren Tal der Mirna. Aus den Häusern, die mit dem beigen Karstgestein verwachsen sind, blicken die Bewohner aus 288 Metern Höhe in alle Himmelsrichtungen auf das grüne Panorama der istrischen Hügellandschaft. So sanft die Hügelketten aus der Ferne betrachtet auch aussehen, so lieblich die Gegend auch wirken mag – steht man einmal mittendrin, gerät man leicht ins Schwitzen. Erst recht, wenn an einem Herbsttag bei 30 Grad Celsius im Schatten die blauen und grünen Trauben geerntet werden (müssen).

Kroatien - Istrien - Blick auf Motovun

Blick auf Motovun

Geh doch in die Oberstadt...

Eine holprige, kopfsteingepflasterte Gasse führt von der romanisch-gotischen Unterstadt Motovuns in die Oberstadt mit einer gut erhaltenen Kastellmauer. Auf dem Weg nach oben locken Geschäfte und Weinstuben zur Einkehr, in denen nicht nur erlesene Tropfen, sondern auch antike Möbelstücke überzeugen. Wer etwa zu viel des Weines intus hatte, konnte sich früher gleich nebenan in das hölzerne Bett legen, das heute die Einrichtung des Lokals dekorativ schmückt. Auf der Aussichtsterrasse hinter dem Stadttor werden wir mit einem fantastischen Blick auf das Mirna-Tal belohnt. Den von üppigen Kastanienbäumen bestandenen Hauptplatz bewachen Rathaus, Glockenturm, Stephanskirche und Polesini-Palast.

kroatien - Istrien - Motovuns

Kolonie der Künstler

Viele Maler, Musiker und Bildhauer sind im Künstlerdorf Goržnjan zuhause. An jeder Ecke gibt es unplugged Musik, Ateliers, Galerien und Ausstellungen. Die modernen Werke setzen lebendige Akzente und harmonieren wunderbar mit der alten istrischen Bausubstanz, die  kreative Bewohner in gemeinsamer Anstrengung vor dem Verfall gerettet und liebevoll restauriert haben. Die Innenhöfe, Gassen und Balkone sind farbenprächtig geschmückt – und auch der Dorfplatz am Maja br, das Herzstück der vitalen Künstlerkolonie mit grandioser Aussicht auf die Landschaft, ist eine Augenweide und animiert zum Bleiben.

Kroatien - Istrien - Groznjan

Im Künstlerdorf Goržnjan

Genuss für die Sinne

Vor der Konoba-Taverne „Bastia“ in Grožnjan duftet es intensiv nach hochwertigem Olivenöl, aromatischen Trüffelpilzen und fruchtigem Malvazija. Alle drei sind die Hits der istrischen Küche und eignen sich auch für daheim als erlesene Mitbringsel, die in großer Auswahl in einem hübsch dekorierten Shop gekostet und käuflich erworben werden können. Unter betagten Kastanien gibt es als Auftakt unseres ländlichen Menüs luftgetrockneten, istrischen Schinken, serviert mit Schafskäse, Oliven, Brot, Wasser und Wein. Danach speisen wir schwarze Trüffel an hausgemachter Pasta und - natürlich - Eis zum Nachtisch.

Kroatien - Istrien - Groznjan - Trüffelgericht

Trüffelgericht in Grožnjan

Klein, kleiner, am kleinsten

Ob Hum – unser nächstes Ausflugsziel tatsächlich „die kleinste Stadt der Welt“ oder nur ein guter Werbegag ist, konnte uns niemand wirklich beantworten. Klein ist die Stadt auf jeden Fall. Der mittelalterliche Ort profitiert offensichtlich bestens von dem bescheidenen Titel, den sich die 18 Einwohner haben einfallen lassen, denn auch uns zieht es in den über 900 Jahre alten Weiler mit zwei Dutzend verwitterten Häusern, zwei engen Gassen, einer Kirche und dem wuchtigen Glocken- und Verteidigungsturm.

Kroatien - Istrien - Hum

Hum

Die ersten Touristen

Unsere Weiterfahrt führt spektakulär in Serpentinen am östlichen Ufer entlang. Die kurvenreiche Straße entlang bewaldeter Hänge mit idyllisch gelegenen Bergdörfern gilt als die schönste Route Istriens. Zwischen Esskastanien und Lorbeerbäumen entdecken wir schließlich am Lungomare die herausgeputzten Villen und aufwändig restaurierten Prachtbauten aus der guten alten k.u.k-Zeit. Kein Zweifel, wir sind in Opatija, einem nostalgischen Kurort, mondän, beschwingt, und noch immer behaftet mit einem Schuss „Wiener Schmäh“. Während der Donaumonarchie gehörte es zum guten Ton, in Opatija an der Kvarner Bucht zu überwintern, das 1894 mit dem Treffen Kaiser Wilhelm II. und Franz Josef I. von Österreich-Ungarn Weltruhm erlangte.

Belle-Époque und Wiener Melange

Kroatien - Istrien - Opatija - Bronzestatue „Gruß an das Meer“

Bronzestatue „Gruß an das Meer“

Wie eh und je flanieren die Kurgäste vorbei an Opatijas Wahrzeichen, der hinreißenden Bronzestatue „Gruß an das Meer“, trinken auf der großen Terrasse des ehrwürdigen Hotels „Kvarner“ zu Apfelstrudel und Sacher-Torte Wiener Melange, und vertreten sich anschließend die Beine im nahegelegenen Park Angiolina. Vor den bunten Blumenrabatten der klassizistischen, rosafarbenen Villa gleichen Namens traf sich um 1900 die Créme de la créme der Wiener (Hof)Gesellschaft zum Stelldichein. Die fehlt zwar heutzutage, aber niemanden würde es wundern, auf dem Lungomare zwischen Lovran, dem ältesten Ort der Opatijska riviera, und dem Fischerdorf Volosko, im Schatten der Mammut- und Zitronenbäume, Akazien und Zedern "elegante Damen in langen Kleidern prominieren zu sehen und die Klavierübungen höherer Töchter zu hören," wie ein Reiseführer so treffend beschreibt – eine schöne Illusion, die durch Besucherscharen aus Italien, Deutschland, Österreich und Slowenien rasch relativiert wird.

Kroatien - IStrien - Opatija - Kvarner

Blutige Kämpfe

Die größte Attraktion der geschäftigen Hafenstadt Pula ist das am Meer gelegene Amphitheater – das fünftgrößte der Welt. Die historischen Gemäuer zwischen den gepflegten Grünanlagen stammen aus römischer Zeit, ebenso das häufig erneuerte Rathaus und der vollständig erhaltene Augustus-Tempel am Forum, dem Platz der Republik. Unter den Römern, die seit Kaiser Augustus (27v.-bis 14 n.Chr.) über die ehemalige Wallburg der Histrer herrschten, gab es hinter den Arkadenbögen des antiken Theaters blutige Gladiatorenkämpfe und halsbrecherische Wagenrennen.

Wer auf dem Sandplatz der Arena steht, wird wieder an Kriegsgefangene, Sklaven und Christen erinnert, die unter dem tosenden Beifall der Zuschauer den Tod fanden. Heute ist das beeindruckende Bauwerk Aufführungsort unvergessener Events. Auf der einzigartigen Freilichtbühne werden Verdi-Opern, Rock-Konzerte, Film- und Schlagerfestivals inszeniert. Internationale Stars, wie Placido Domingo, Montserat Caballé und Sting, traten dort auf und begeisterten hunderttausende Fans.

Kroatien - Istrien - Amphitheater in Pula

Amphitheater in Pula

 

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