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Kritsa

Panagia i Kera in Kritsa (Kreta)

Die Panagia i Kera

Cineasten erinnern sich vielleicht an den 1956 von Jules Dassin gedrehten Film "Der Mann, der sterben muss" nach dem Roman "Griechische Passion" von Nikos Kazantzakis. Der Regisseur sah in Kritsa und seinen Bewohnern die geeignete Spielstätte - obwohl die Filmhandlung eigentlich in Kleinasien spielt.

Heute wird Kritsa tagsüber von Hunderten von Touristen aufgesucht, die die zahlreichen Souvenirläden bevölkern und kretischer Dorfatmosphäre nachspüren wollen. Bekannt ist Kritsa für seine Häkel- Strick- und Webarbeiten, die fast an jeder Ecke angeboten werden. Lediglich abseits der großen Gassen, oder abends, wenn die Touristen sich wieder in ihre Hotels am Meer zurückgezogen haben, lässt sich noch ein wenig die im Film vermittelte Atmosphäre nachempfinden.

Kunstgeschichtlicher Höhepunkt der Dorfes und ein kunstgeschichtliches Highlight der gesamten Insel ist die kleine spätbyzantinische Kirche Panagia i Kera gleich am Ortseingang. Ihre kretisch-byzantinischen Freskenzyklen aus dem 13. und 14. Jh. sind unübertroffen auf Kreta und dokumentieren ein Stück kretischer Malereigeschichte. Die drei Kirchenschiffe wurden in unterschiedlichen Bauphasen errichtet, entsprechend unterscheiden sich auch die Fresken im Stil.

Die Panagia i Kera : Mehr...

Die Panagia i Kera von innen

Das Mittelschiff aus dem 13. Jh. markiert den ältesten Teil des Gotteshauses. Die Malereien umfassen Themen verschiedener Evangelien und sind nur noch in Resten erhalten. Deutlich ist hier noch die Strenge und Unbewegtheit der Figuren erkennbar, wie ein Vergleich mit den Figuren des südlichen Seitenschiffs zeigt. In der Kuppel einmal nicht - wie sonst allgemein üblich - das Bildnis des thronenden Christus, sondern vier Engel und die Darstellung der vier zentralen Feste der orthodoxen Kirche. Unterhalb davon die zwölf Propheten als Vorboten der Menschwerdung und die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die die göttliche Verkündigung verbreiten. Im südlichen Teil mehrere Felder, die apokryphen Texten entstammen, also Texten, die dem anerkannten Kanon biblischer Texte sehr ähnlich sind. Darunter die Darstellung des "Kindermordes" und der Abstieg in die Unterwelt.

Bemerkenswert ist unter anderem die Darstellung des heiligen Franziskus von Assisi auf dem nordwestlichen Pfeiler, eine römisch-katholische Figur inmitten orthodoxer Heiliger, was auf den Einfluss der Venezianer hindeutet.

Das südliche Kirchenschiff ist der heiligen Anna geweiht und birgt Szenen aus ihrem und aus dem Leben Marias, wobei die realistisch wirkende Abbildung der Anna in der Wölbung der Apsis aus dem 14. Jh. besonders beachtenswert ist. Weitere porträthafte Figuren und Details wie Tischbesteck und Kleidung faszinieren durch ihre wirklichkeitsnahen Darstellungen.

Einen ähnlichen, wenngleich weniger expressiven Stil weisen die Malereien im nördlichen Schiff auf, das dem heiligen Antonius geweiht ist und unter anderem Darstellungen des Jüngsten Gerichts enthält. Eine Besonderheit ist die Abbildung der Stifterfamilie - Mann, Frau und Tochter - an der Nordwand: eine einzigartige Portraitdarstellung aus dem venezianischen Kreta des 14. Jhs., die die Bekleidung jener Zeit wiedergibt. Die Darstellung der zu erwartenden Höllenqualen an der Westwand des nördlichen Schiffs beschreibt die zu erwartenden Strafen als Mahnung für sündige Gläubige.

Café und Souvenirladen direkt neben der Kirche versorgen die Besucher mit einer Erfrischung ebenso wie mit Bildbänden zu den Fresken - Fotografieren ist in der Kirche nämlich nicht erlaubt.

Ausflüge von Kritsa aus

Von Kritsa aus kann man mehrere Ausflüge unternehmen.

Etwa eine Stunde dauert von hier aus der Fußmarsch zur Ausgrabungsstätte von Lato, die natürlich auch per PKW erreichbar ist.

Lato (Kreta)

Steinerne Reste aus dorischer Zeit findet man in Lato

Drei bis vier Stunden muss man für eine Wanderung von Kritsa aus über das Nachbardörfchen Kroustas nach Kalo Chorio und Istro veranschlagen, wo man dann in den Bus nach Agios Nikolaos steigen kann. Man kann aber auch mit dem Taxi oder Bus nach Kroustas fahren und von dort loswandern. An der Dorfeinfahrt von Kroustas geht es übrigens links zur Taverne Panorama, die ihren Namen in der Tat verdient: Der Blick reicht hinunter bis in den Hafen von Agios Nikolaos.

Die ca. 13 km lange Kritsa-Schlucht, die bis in den Nachbarort Tapes reicht, zeigt sich von beeindruckender Wildheit und sollte nur mit festen Wanderschuhen und nie allein begangen werden. Unterwegs sind außerdem kleine Kletterabschnitte zu überwinden.

Die über 1000 Meter hoch gelegene Katharo-Hochebene westlich von Kritsa ist nur über eine enge und kurvenreiche, 17 km lange Straße zu erreichen. Im Sommer zieht sich ein Teil der Bewohner Kritsas in dieses angenehmere Klima zurück. Es gibt hier zwar einige bescheidene Kafenia, Übernachtungsmöglichkeiten werden jedoch nicht angeboten. Hier oben ist neben Wiesen und Feldern ein einmaliger Waldbestand zu entdecken: der größte Zedernwald Kretas.

 

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