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Dr. Johan Friedrich
Struensee

Ein neuer Wind weht im absolutistischen Staate Dänemark: in Kopenhagen werden die Straßen gepflastert, der Park um Schloss Rosenborg für die Bürger zugänglich, eine Krankenanstalt mit Findelhaus errichtet, es entsteht eine Quarantänestation für Neuankömmlinge aus Übersee, die Friedhöfe werden vor die Tore der Stadt verlegt, die Pressefreiheit eingeführt, im ganzen Land die Folter abgeschafft und, und, und. Rund 1800 Erlasse prasseln auf die Bürger in weniger als 16 Monaten herab, alle im Namen König Christian VII., der 1766 als junger Mann den Thron bestieg. Doch hinter den revolutionären Veränderungen steckt nicht der neue Hoffnungsträger des Staates, sondern sein Leibarzt Dr. Johan Friedrich Struensee (1737-1772) aus Halle. Der König lernt in Struensee zum ersten Mal einen Menschen kennen, der ihm zuhört, dem er vertraut, der wie ein älterer Bruder für ihn ist. Der geisteskranke König unterschreibt alles und hinterfragt nicht, was ihm vorgelegt wird. Struensee nutzte die Macht, die er durch den König hat, nicht um sich zu bereichern, sondern setzte seine Reformideen zum Wohle des Volkes um.
Johan Friedrich Struensee hatte bereits als 14jähriger "Wunderknabe" in seiner Studierstube gierig jede Schrift der Aufklärer verschlungen. Er hörte von den neuen Fabriken in England und den neuen Wirtschaftstheorien. Als Stadtphysikus in Hamburg - Altona, das seinerzeit zu Dänemark gehörte und Landarzt hatte er 12 Jahre lang die Probleme der Bevölkerung hautnah erlebt, doch überall stießen seine Reformen auf heftigen Widerstand. Schließlich konnte der junge Medicus die Pockenschutzimpfung einführen. Durch bessere Hygiene versuchte er weitere Krankheiten schon im Keim zu ersticken. Die Fesseln der Pressezensur spürte der Hobbyjournalist am eigenen Leibe. Als "rechte Hand des Königs" konnte er all dies endlich ändern, mit alten verkrusteten Missständen aufräumen.
Dänemark steckte nach hundert Jahren Absolutismus in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, der Staat war haushoch verschuldet, die Landwirtschaft - "Lebensader" des Agrarstaats war marode, überall herrschte Vetternwirtschaft und Bestechung. Es setzte eine Landflucht ein, der die Hauptstadt eines Reiches, das von der Elbe bis nach Lappland reichte, nicht gewachsen war. Die Armut versteckte sich hinter Puder und Perücken.

So praktiziert knapp 20 Jahre vor der Französischen Revolution in Dänemark ein Bürgerlicher die Revolution von oben. Monatelang blieb er im Schutze des Königs Christian VII. unentdeckt, bis im Januar 1771 der Geisteszustand des Monarchen so offensichtlich war, dass Dr. Struensee sich als "heimlicher Herrscher" zu erkennen gab. Von nun an wendet sich das Blatt gegen den Reformer: Struensee sieht allerdings nur sein Ziel, die Staatsschulden zu senken und verliert dabei zunehmend den Kontakt zur Basis. In Presseberichten - die Pressefreiheit hatte er selbst eingeführt - wird er verleumdet, die Priester wettern von der Kanzel gegen ihn und in Handzetteln wird der Tod des inzwischen verhassten Arztes gefordert. Gerüchte von einem Verhältnis mit der Königin machen die Runde. Als Caroline Mathilde am 7.Juli 1771 eine Prinzessin zu Welt bringt, glaubte keiner daran, dass der geisteskranke König der Vater des Kindes sein konnte. Im Geheimen wurde schon lange an einem Komplott gegen Struensee geschmiedet. Am 17. Januar 1772 schließlich wird er im Schlaf überrascht und verhaftet. Auf die Anklage "Ehebruch mit der Königin" stand die Todesstrafe. Johan Friedrich Struensee wurde im Gefängnis des Kastells eingesperrt und am Morgen des 28. April 1772 unter großem Menschenauflauf zum Schafott geführt und hingerichtet.

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