Nørrebro
Wer in der City z.B. nach Antiquitäten sucht, findet sicher auserwähltes, doch die "Schnäppchen" schon längst nicht mehr.

Große Nachfrage hat die
Preise in die Höhe getrieben. Versuchen Sie es deshalb einmal in Nørrebro,
im Norden der City. Eine Wahre Fundgrube für Sammler ist dort die
Ravnsborggade. Das Angebot reicht vom kleinen Teddybären bis zur Kommode,
vom Akkorden bis zum Clubsessel. Die Szene des Viertels trifft sich
zum Frühstück beispielsweise im Pussy Galores Flying Cirkus,
dem Eckcafé am Sankt Hans Torv. Da isst das Auge mit: der Geräucherte
Schinken eingerollt in eine Käsescheibe und aufgestellt wie der Schornstein
eines Dampfschiffs, am Bug ein Stück Pampelmuse und am Heck eine Scheibe
Melone, dazu Pfannkuchen neben Rührei mit knusprig gebratenem Speck...
Man sitzt auf Stühlen aus den 60er Jahren nach Entwürfen des Designers Arne Jacobsen in der Ecke, schon
etwas abgenutzt, die bequemen Sessel aus der gleichen Epoche nebst
kleinen Nierentischen. Szenenwechsel für Minuten wenn das Handy klingelt,
danach wendet sich Mette wieder ihrer Freundin zu.
Wer mehr auf Bistro steht wählt Sebastopol an der Ecke zur
Guldbergsgade. Kleine Rundtische, langer Tresen, pain aux hocolat
wie in Paris und auf der Speisekarte Quiche in verschiedenen Varianten.
Bei Sonnenschein stehen Tische und Stühle der Cafés auf dem belebten Sankt Hans Torv, der das Zentrum des einstigen Arbeiterviertels
"sorte firkanten" bildet. Den Spitznamen "schwarzes
Quadrat" hatten dem Viertel die rauchenden Fabrikschlöte, die
an dieser Stelle standen, eingebracht. Zur Zeit der Studentenunruhen
in Deutschland und Frankreich fanden auch in Kopenhagen Hausbesetzungen
Stadt. In Christianshavn wurde
ein ganzes Kasernengelände eingenommen und der Freistaat Christiania ausgerufen. In Nørrebro waren es Häuser, die von Wohnungsspekulanten
abgerissen werden sollten.

Gegen die Umwandlung des einstigen Arbeiterviertels in ein modernes Wohngebiet mit entsprechend hohen Mieten wehrten sich die Bürger noch bis in die 1970er Jahre, doch ohne den Erfolg den man sich erhofft. In den wenigen noch vorhandenen Baulücken haben die Anwohner liebevoll kleine Grünanlagen geschaffen, mit Wasserläufen und Spielmöglichkeiten für den Nachwuchs, kunstvolle Graffiti zieren die kahlen Zwischenwände.
Und was verbirgt sich da in der Erde neben der Bushaltestelle? Ein Bunker der als Verkaufsraum für 2nd Hand Klamotten dient. Der Bunker 301 ist überraschend klein, doch es gibt viele davon in diesem Stadtteil
Die Musikkneipe Rust liegt
gleich ums Eck. Sie wird ebenso als Top-Adresse in Nørrebro gehandelt,
wie die Bananenrepublik.
Sehenswert ist der Assistens Kirkekård. Der alte Prominentenfriedhof ist nicht nur ein Platz der Ruhe und Andacht, er wird im Sommer von
den Anwohner auch als Park genutzt. Hier ruhen so berühmte Personen
wie Hans Christian Andersen, der Wissenschaftler Henrik Hertz und
Kernphysiker Niels Bohr. Aber auch die Jazzgröße Ben Webster und der
Philosoph Søren Kirkegaard. 1760 wurde der Friedhof auf Initiative
von Dr. Struensee vor die Tore
der Stadt gelegt, um der Ausbreitung von Epidemien in der engen Stadt
vorzubeugen.