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So will es die Tradition!

Kirgisien Tien-Shan alte Frau mit EnkelAuf einem Läufer mitten im Raum wartet das Essen, reichhaltig wie immer: Schmalzgebäck in verschiedenen Formen, frisches Brot, dicke Sahne als Aufstrich, Tomaten und Gurken, Käse, Marmelade und Wurst. Wir Touristen knien oder setzen uns auf den Boden, die Tochter des Camp-Managers bringt einen Topf. Beschbarmak gibt es heute: In heißer Brühe schwimmen Nudeln, Möhren, Kartoffeln und Lammfleisch. Sie füllt die Teller und kauert sich ans Ende der Tafel. Gießt Tee ein aus dem Samowar, oder Kumys aus der Flasche, schweigend bis zum Ende der Mahlzeit.

So will es die Tradition. Und der fühlen sich alle verbunden. Es sind nur Kirgisinnen und Kirgisen, keine Selbstverständlichkeit im Vielvölkerstaat Kyrgystan. "Russen verstehen das nicht", sagt Elmira knapp. "Sie steigen einfach über den Tisch, legen das Brot verkehrt herum oder geben es mit der linken Hand weiter." Dshildis ist 23, studiert Deutsch in Bishkek, hört gerne die Spice Girls und Cher. Nichtsdestotrotz sind ihre Eltern für sie "Heilige Menschen" und sie betrachtet es als ganz selbstverständlich, dass es die Pflicht des jüngsten Bruders in jeder Familie ist, für sie im Alter zu sorgen. Als selbstbewusste Personen, die stolz sind auf ihr Land, ihre Kultur und sich selbst, sollen die Angestellten den Touristen gegenübertreten - nicht als Almosenempfänger: Trinkgelder sind nicht erlaubt. Das klingt gut. Vielleicht aber auch nur naiv, in einem Land, das seit der Unabhängigkeit von hoher Inflation, Arbeitslosigkeit und einer katastrophalen Außenhandelsbilanz gebeutelt wird, und in dem das Geld zum Leben und Überleben an vielen Ecken und Enden fehlt.

Kirgisien Tien-Sahn beim Musizieren

Die Camps liegen vornehmlich in Gegenden, in denen Tourismus bisher keine große Rolle spielte. Gastfreundschaft dafür umso mehr. Und das soll so bleiben: Pro Saison wird keine Jurtensiedlung mehr als 60 Gäste aufnehmen, nie mehr als zwölf zur Zeit. Und die sollen wandern, reiten, schwimmen. Und, soweit sich das aus dem Dorfalltag ergibt, das Leben der Kirgisen kennen lernen - ohne dass besondere Folkloreveranstaltungen organisiert würden.

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