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Die Geier lauern schon

Kenia Kimana KursteilnehmerAuf dem Rückweg zur Lodge entdecken wir plötzlich ein einzelnes, am Boden liegendes Zebra. Wilfred stoppt den Wagen. „Woran erkennt ihr ein verletztes Zebra?“ Dass es allein ist, antwortet Peter. Dass es am Boden liegt und nicht frisst, ergänzt Simone. Als das Zebra sich erhebt, sind seine Wunden an Kopf und Hinterschenkel zu sehen. „Das sieht mir nach einer Hyäne aus“, meint Wilfried, während er durch seinen Feldstecher blickt. „Ein Fall für Dr. Kashmiri“, und greift zum Funkgerät.

Wenn der Buscharzt vom Senior Warden einen Notruf erhält, weiß er, dass es um Leben oder Tod geht. Als die Zweimotorige aus Mombasa gelandet ist, fahren alle zum Zebra. Es liegt kraftlos noch fast am selben Platz. Beim Annähern versucht es, mit einer unsäglichen Anstrengung sich aufzurichten. Kashmiri setzt es mit dem Betäubungsgewehr außer Gefecht. Spannung, Beklemmung und Sorge graben sich bei den Hobby-Rangern in die Magengrube. Als alle vor ihm stehen, ist das Elend des armen Tieres offensichtlich. Was aus der Ferne nicht zu erkennen war, sind die Stich- und Schnittwunden an Auge und Hals, das Auge völlig zerstört.

Kenia Kimana Geier
Die Geier suchen ein "gefundenes Fressen"

„Das beruht auf Menschenhand“, analysiert Dr. Kashmiri und erklärt kurz den Konflikt zwischen den Plantagenbauern und eindringenden Wildtieren, die das von den Massai angepflanzte Gemüse als „gedeckten Tisch“ verstehen. Da das Zebra links blind, nur noch auf der anderen Seite sehen konnte, konnte die Hyäne linksseitig angreifen und ihm einen großen Fetzen aus dem Hinterschenkel, Muskeln und Sehnen herausreißen. Die Wunde war bereits voller Maden. Heilungschancen aussichtslos. Armes Zebra. Der Buscharzt Kashmiri kann nichts mehr für das Zebra tun; er erlöst es mit dem Revolver und überlässt es den schon überall lauernden Geiern. Das geht unter die Haut. Die Wildhüterstudenten sind erschüttert, aber irgendwie auch zufrieden. So nah an der oft grausamen Natur waren sie die Tage zuvor nie, und überhaupt noch nie.

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