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Warten auf bessere Zeiten

Sensationen gibt es hier nicht. Der Tag vergeht nur langsam, und so wandern wir in die „Cantinho da Amizade“ (Kantine der Freundschaft), wo man bei ein, zwei Gläschen Grogue, dem Zuckerrohrschnaps der Insel, auf bessere Zeiten wartet und politisiert. Im Innenhof wachsen Bananenstauden, und der Bruder des Konsuls der Kapverdischen Inseln in Berlin erklärt uns, dass es nur eine einzige Politik gebe. Dabei zeigt er seine Faust: “Work hard and get money!“

Kapverden Santo AntãoIm ebenfalls ausgetrockneten Flussbett des Ribeira da Torre wandern wir auf einer Piste durch brütende Hitze und den feinen Staub des Harmattan, auch bruma seca, trockener Nebel, genannt. Es handelt sich dabei um einen Wüstenwind aus der Sahara, der feinen Sand mit sich bringt und die monumentale Bergwelt Santo Antãos eintrübt. Links und rechts an den Steilhängen kleben kleine Häuschen. Man pflanzt Bananen, Mais und Zuckerrohr für den Grogue auf Terrassen, die in die steilen Berghänge eingehauen sind. Schweine wohnen in aus Natursteinen gefertigten Rondells und gucken mal kurz raus, um zu sehen, wer vorbeikommt. Eine abgemagerte Kuh und ihr Kalb pressen sich in den Schatten. Ziegen und Hühner laufen herum und verirren sich schon mal in die Wohnhäuser.

Wie immer werden wir von Kindern ein Stück des Wegs begleitet. Manche erzählen ein wenig auf portugiesisch, der Amtssprache, Umgangssprache ist jedoch auch Creolo, eine Mischung aus Portugiesisch und afrikanischen Sprachen. Doch meistens heißt die Losung: „Bonjour! Stylo? Bonbon? Foto? Money?“ Und dann verabschiedet man sich wieder.

Ein barfüßiger Kleiner mit einem bis auf einen Knopf geöffnetem Hemd, versucht mir zu erklären, dass seine Eltern einen Laden haben, in dem es kaltes Bier gibt. Da der Schweiß bei achtundzwanzig Grad im Schatten in Strömen rinnt, gehen wir auf dem Rückweg an seinem Haus, das hoch oben auf einem Felsen thront, vorbei. Drei Leute grüßen freundlich herunter, wir klettern mühsam nach oben. Der kleine João erwartet uns freudig. Niemand sagt ein Wort oder rührt sich von der Stelle. Der Laden, der wie immer als solcher von außen nicht zu erkennen ist, ist geschlossen!

Das verrückteste Dorf der Welt

Auf einer atemberaubenden Wanderung die spektakuläre Steilküste entlang erreichen wir den hübschen Ort Fontainhas, dessen farbig getünchte Häuser an den grauen Basaltfelsen kleben, und betreten einen kleinen Dorfladen mit integrierter Bar. Ein Deutscher kommt durch den bunten Vorhang aus Plastikstreifen in die Bar und fällt mir fast um den Hals. „Endlich mal ein deutsches Wort! Weißt du, ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich habe heute eine Einheimische geheiratet! Nachdem ich nun mal eine Woche nüchtern war, muss ich heute wieder kräftig saufen!“. Sprach´s und bestellte drei Bier, zwei Grogue und einen Pontche (Grogue mit Zuckerrohrmelasse, Zitronenscheiben, Orangenschalen und ein paar Nelken verfeinert) beim Kellner.Das hier sei das verrückteste Dorf der Welt, versichert er uns. An seinem Hals baumelt ein Lederband mit Plastikperlen.

Kapverden Santo Antão Steilküste
Steilküste auf Santo Antão

All das kommt mir vor wie etwas, das ich schon oft erlebt habe. Selbst in den hinterletzten Winkeln dieser Welt findet sich immer ein deutscher Aussteiger, der froh ist, einen zu treffen und einem das einfache Leben der Bevölkerung anpreist. Dieser hier ist zufrieden: „Wenn du hier in die Berge gehst und dich neben einen alten Neger in den Staub setzt, dann weißt du, was das Leben wirklich ist. Prost!“.

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