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Wer mag kleine Bananen?

Das Dörfchen San Andrés erreicht man auf einer Fahrt durch scheinbar endlose Bananenplantagen, die durch unschöne Plastikplanen geschützt sind. Warum? Die kleine, verschrumpelte, kanarensische Zwergbanane, „Cavendish Enana“, wird in Europa nicht gekauft. Schlechter Markt, die großen, genormten und billigeren lateinamerikanischen Bananen beherrschen seit Jahren den Markt. Das Problem ist bekannt. Nun versucht man auch hier auf die größere, die „Giant Cavendish“, umzusteigen. Und die braucht besondere Pflege – und Plastikplanen.

Spanien / Kanaren / La Palma / Bananen

Kanarische Bananen (Foto: Ralf Nestmeyer)

Auf der Plaza von San Andrés steht eine gedrungene Wehrkirche, die Schutz vor Piratenüberfällen bieten sollte. Ein Restaurant lädt zu tapas ein. Ich kaue auf meinem „pulpo“ herum und schlürfe einen kräftigen Roten von der Insel. Langsam natürlich. Drei Männer versuchen eine Mauer anzustreichen: Einer streicht, zwei kommentieren, und die Zeit geht dahin ... Erschreckt stelle ich nach einer Stunde fest, wie viel Zeit schon vergangen ist und zahle. „Bueno!“, sagt der Kellner wie alle hier anstatt „Buenos días!“ oder „Buenas tardes!“. Sparsam – ohne s – und ruhig.

Spanien / Kanaren / La Palma / Innenhof

Typischer Innenhof auf La Palma

Inés fragt, was ich heute zu tun gedenke, und ich antworte, die Vulkane im Süden umwandern. Natürlich ist Inés entsetzt. Viel zu viel Stress! Ihre Erläuterung dauert eine halbe Stunde. Mindestens. Sie hat Zeit, wie ich inzwischen weiß, und ich versuche, ihr zu erklären, dass ich jetzt wirklich losmuss, sonst wird es immer heißer.

Tanz auf dem Vulkan

Und heiß ist es wirklich im Süden. Bei Fuencaliente, einem kleinen, sonnenverwöhnten und – richtig geraten! – verschlafenen Dorf biegt die Straße zum Vulkan Teneguía ab. Durch rötlich-braune und schwarze Lavafelder geht es zum Parkplatz. Linkerhand gibt´s Kamelritte zum Kraterrand. Das Geschäft mit dem Vulkan boomt. Immer ist da der Ruch des gefährlichen, verbotenen, abenteuerlichen, der Tanz auf dem Vulkan. Eine Rundwanderung führt auf porösem, bröselndem Lavageröll durch die schwarze Mondlandschaft. Vorbei an zackigen Felsen geht es zum Geschrei der Möwen bergab, vorbei am gelben Roque de Teneguía zum Vulkan San Antonio.

Übergroße Wolfsmilchgewächse säumen den Weg, in der Tiefe leuchtet der dunkelblaue Atlantik, in der Ferne kann man die Insel La Gomera erkennen. Doch noch geht es weiter: Aufstieg zum rötlich-gelben Kraterrand des Vulkans San Antonio. Die Hitze flimmert, der schwarze Boden wirft sie zurück. Der Blick auf die gegenüberliegende Wand ist beklemmend, der auf die schroffe Küste einmalig, und ich wünsche mir etwas Kühles, drunten in der Bar am Leuchtturm, die ich von hier aus in den Passatwolken versteckt erahnen kann. Doch weiter! Auf zackigem Geröll wieder hinunter und den gegenüberliegenden Hang des Teneguía, im weichen Lavasand, wieder hinauf. Einen Meter hochsteigen und zwei wieder zurückrutschen. Die Hitze wird unerträglich. Ganz kurz denke ich an Inés. Tranquilo! Rechts vor mir wachsen die grünen Blätter des köstlichen Weins auf schwarzem Grund. Mmmmh! Na, wenn schon! Fast bin ich oben auf dem Teneguía, der 1971 zuletzt ausgebrochen ist, als mich zwei Kamele samt Führer und Touristen auf den Höckern aufschrecken. Zur Strafe mache ich ein Foto von ihnen.

Endlich: ein Gläschen Wein

Jetzt ab an die Punta de Fuencaliente, wo es neben dem alten und dem neuen Leuchtturm einen kleinen Holzschuppen gibt, wo fangfrischer Fisch hervorragend zubereitet wird. Dazu gibt´s papas arrugadas (ungeschälte Kartoffeln, in Salzwasser gekocht). Bestellt wird am Tresen. Meine Träume vom kräftigen, trockenen Teneguía-Wein materialisieren sich, dazu das sanfte Rauschen der Wellen, Schatten unter einem Wellblechdach, eine sanfte Brise vom kühlenden Atlantik her. Und noch eine copita, ein Gläschen, die Füße hoch, tief durchgeatmet und tranquilo!

Spanien / Kanaren / La Palma / Landschaft

Im Nordosten der Insel

Eine andere, kühlere Wanderung führt durch den ursprünglichen Lorbeerwald von Los Tilos, den best erhaltenen von den wenigen Lorbeerwäldern, die es überhaupt noch gibt. Daher wurde er auch 1983 von der UNESCO als „Biosphärenreservat“ ausgewiesen. Durch dichten, schattigen Urwald, tiefe Schluchten, vorbei an immergrünen Klettergewächsen, mannshohen Farnen, Efeu, begleitet von zahllosen Schmetterlingen und Vogelgezwitscher wandere ich auf einem schmalen Steig steil empor zum Mirador de las Babandas. Von hier aus hat man einen weiten Blick über den tiefgrünen, undurchdringlichen Wald und bis nach Los Sauces und den Atlantik.

Zurück in Santa Cruz, berichte ich Inés von den Schönheiten ihrer Insel. „Sííí!“, ruft Inés, „La Palma ist schön, sehr schön - und ruhig!“

Reiseinformationen zu La Palma


Auskünfte:

Spanisches Fremdenverkehrsamt
Myliusstr. 14
60323 Frankfurt/M.
Tel. 0 69 / 72 50 33
Fax 0 69 / 72 53 13

Appartements:
Apartamentos La Fuente
Calle A. Pérez de Brito, 49
E-38700 Sta. Cruz de La Palma
Tel.: 00 34 / 9 22 / 41 56 36
Fax 00 34 / 9 22 / 41 23 03

 

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