
Trendbarometer für Nordamerika

Ein Streifzug durch die
kanadische
Multi-Kulti-Metropole Toronto
Text und Fotos: Hilke Maunder
„Tarantua
- Treffpunkt“ nannten
vor Hunderten von Jahren die Huron-Indianer ihre Siedlung am Ontario-See,
und die Bezeichnung stimmt bis heute: Toronto ist eine multikulturelle
Metropole, deren Stadtviertel die Herkunft oder den Lebensstil ihrer
Bewohner spiegeln - von ethnisch bis edel. Im roten Mantel wartet sie Ecke Spadina Avenue und leckt an einem „Lucky Candy“, einem Erdbeer-Lolli in roter Folie: Shirley Lum, ein Energiebündel aus Kanada mit chinesischen Wurzeln. 1993 gründete sie „A Taste of the World Neighbourhood Bicycle Tours and Walks“. Das ganze Jahr hindurch bietet sie Stadtspaziergänge und Fahrradtouren an, die die Metropole aus neuen Blickwinkeln zeigen. Zu Halloween begibt sie sich mit ihren Gästen auf Geistersuche, im Winter folgt sie den Spuren von Charles Dickens oder zeigt, wie sich die Waterfront von Toronto vom Industriegebiet zum „Urban National Park“ gewandelt hat: Wo einst Fabrikschlote die Luft verpesteten, säumen heute Restaurants, Hafenbecken für Ausflugsboote und kleine Jachthäfen das Seeufer.
Eine kulinarische Weltreise
An diesem Mittwoch jedoch steht eine kulinarische Weltreise durch Chinatown und Kensington Market auf dem Programm. Die Gruppe ist klein, drei Einheimische, zwei Gäste aus Europa, die Neugier groß. Beim Frühstück mit Rugelach, Schoko-Zimt-Hörnchen, und Boreka, Teigtaschen mit Spinat und Feta, lässt Lum die Geschichte des Viertels Revue passieren - mit Anekdoten und Ansichten von einst.

Das Gebiet um die Kensington Markets spiegelt die Einwanderungswellen der Stadt wider. Besonders Juden aus Osteuropa, dem Nahen Osten und den Mittelmeerländern siedelten hier - deshalb hießen die Kensington Markets um 1920 auch noch Jewish Market. Später fanden hier Boat People aus Vietnam ein neues Zuhause - sozusagen in nächster Nähe zu China.
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