
In den "Relais" und "Clubs" am Trail stoßen ökologische Bedenken ohnehin auf Unverständnis. In diesen Hochburgen der "motoneigistes", vor denen die Ski-Doos geparkt stehen wie die heißen Öfen auf zwei Rädern, wird über Marken und Typen gefachsimpelt, über Bombardier aus Québec und Arctic Cat und Polaris, die Konkurrenten aus den USA. Man hängt seinen Thermoanzug zu den anderen, legt den Helm irgendwo ab und stapft zur Theke. Gekocht wird wie bei Muttern, nichts Besonderes, dafür aber herzhaft und kalorienreich. Die Skihütten-Atmosphäre verlangt keine Etikette: Die "motoneigistes" sind ein aufgeschlossenes Völkchen. Nicht in`s Gespräch zu kommen, ist so gut wie unmöglich. Gern erinnere ich mich an den "Club Chez Sonia", ein einfaches Holzhaus irgendwo in der weißen Kälte. Ein großer, leerer Raum mit ein paar Tischen und Stühlen, einer Theke, einem Billardtisch, dazu Lautsprechern und einem verwaisten Schlagzeug: sozialer Mittelpunkt in den Wäldern, Treffpunkt der Dorfjugend am Wochenende - und natürlich nur mit Motorschlitten zu erreichen. Auf einer Tafel an der Wand standen die Ergebnisse des letzten Ski-Doo-Rennens. Der schnellste, ein gewisser Claude Belliveau, war mit 184,3 km/h eingetragen - schlechte Rahmenbedingungen, sagte Sonia beinahe entschuldigend. Bei einem "Café Cheminaud", einem Kaffe mit Kognak im Saftglas, grübelte ich über die Ergebnisse bei "guten Rahmenbedingungen" nach ..
Bonaventure erreichen wir nach Einbruch der Dunkelheit. Die heutige Etappe verlief glatt und ohne Zwischenfälle. 800 Kilometer stehen jetzt auf dem Kilometerzähler. Die restlichen 200 nach Percé sind, so glauben wir, ein Kinderspiel. Der letzte Tag beginnt mit Sonnenschein. Am späten Vormittag jedoch ist die Sonne nur ein fahler Punkt am kalten Himmel. Dann fängt es zu regnen an. Das Wasser friert auf meinem Visier, ich fahre nur noch der roten Schlussleuchte meines Vordermannes hinterher. Als wir in Percé ankommen, sind wir restlos geschafft. Die "Gas-Daumen" sind taub, Arme und Schultern schmerzen nicht schlecht, und vom berühmten Felsen, dem "Rocher Percé", sehen wir in der Waschküche so gut wie nichts. Der lange ersehnte "letzte Abend" wird kürzer als erwartet.
© Ministerium für
Tourismus / Québec
Fotograf: Sylvain Majeau
Auf die unvermeidliche Frage zuhause, wie es denn war, werde ich trotzdem "toll" antworten. In dem schlichten Adjektiv werden der Stolz mitschwingen, es geschafft zu haben, und die Euphorie, die ich in der menschenleeren Wildnis gespürt habe. Und die müde Zufriedenheit am Ende des Tages, die man in den Städten kaum noch kennt und die ich schon fast vergessen hatte.
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