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Helm auf, Handschuhe an, den Zündschlüssel umgedreht: Es röhren die Motoren. Ein leichter Daumendruck auf den Gashebel am rechten Lenkergriff, und ab geht die Post. Der Trail hat uns wieder, nach drei Tagen auf Strecke ein fast schon familiäres Gefühl. 600 Kilometer sind wir ihm bereits gefolgt, durch tief verschneite Wälder und kahle Bergrücken, über schwierige Buckelpisten, auf denen wir unsere Schlitten ritten wie Rodeo-Cowboys, und über highwaybreite Geraden, auf denen wir lustvoll  “la vitesse“ erlagen.

Kanada / Quebec - Motorschlitten 2
© Ministerium für Tourismus / Québec
Fotograf: Didier Dorval

Dass Ski-Doos keine Autos sind, haben wir auf den ersten 400 Kilometern zwischen Montmagny am St.-Lorenz-Strom und Matane am eigenen Leib erfahren. Denn das Bändigen dieser kleinen Kraftprotze erfordert Geschicklichkeit und manchmal auch Kraft, vor allem aber Konzentration, die mangels Routine keine Sekunde nachlassen sollte. Wer übermütig voranpreschte, fand sich im nächsten Augenblick im hüfttiefen Pulverschnee neben dem Trail wieder. Wer in Kurven träumte, wurde leicht aus den Spurrillen getragen und landete irgendwo im Dickicht. Und wer an Berghängen nicht die rechte Schräglage fand, konnte nachher von Kufen in der Luft und sekundenlangem Herzstillstand berichten.

Das heutige Tagesziel ist Bonaventure an der Südküste der Gaspé-Halbinsel. Bis dahin folgt die Trans-Québec Wegen, die Holzfällern und Parkrangern vorbehalten sind. Autostraßen gibt es nicht. Hohe Berge, unnahbar und schön, und tiefe Täler, begraben unter einer unberührten Schneedecke: Wir fahren durch die Phantasielandschaft meiner alten Modelleisenbahn.

Kanada / Quebec - Motorschlitten 3

Hier haben noch nie Menschen gelebt, wie überall im Innern der schwer zugänglichen Gaspésie. Mir fallen Henry David Thoreau`s Worte ein, mit denen er die Wälder von Maine beschrieb: “Die Natur hier hat etwas Wildes und Schreckliches und ist dabei doch schön .. Das ist die Erde, von der man uns berichtet, sie sei aus dem Nichts und der ewigen Finsternis entstanden ..“ An einer kleinen Brücke machen wir Pause. Das Tauwetter der letzten Nacht hat dieses Tal verschont, der Pulverschnee ist leicht und flockig und liegt gut einen Meter hoch. Neben der Brücke hat ein  Waldbewohner eine breite Furche im Schnee hinterlassen. Die Eindrücke sind frisch, der Schnee an den Kanten bröckelt noch. Der Elch stakste zu einem gefrorenen Wasserfall, der, wie mitten in der Bewegung erstarrt daliegend, aus der Wand der Bäume hervorschaut. Bevor wir kamen, war der Elch das einzige Lebewesen in dieser kalten Stille, ein beunruhigender und faszinierender Gedanke zugleich. So muss es vor der Ankunft des Menschen auf dem Planeten ausgesehen haben.

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