
1000 Km auf der Trans-Québec
Mit Motorschlitten durch's winterliche
Kanada:
Herausforderung für Abenteuerlustige
Text: Ole Helmhausen
Fotos: Archiv Ole Helmhausen
Nachts hat das Wetter verrückt gespielt. Erst regnete es, dann stürzte die Temperatur ab. Jetzt zeigt das Quecksilber minus 25. Die Wildnis draußen liegt unter Glas: Äste und Zweige sind von einer zentimeterdicken Eisschicht umhüllt und glitzern im Morgenlicht wie geschliffene Diamanten. Dachrinnen, Fenstergriffe und Motorschlitten, alles im Relais Faribault hat Mutter Natur vakuumverpackt. Als ich mich dieser Motorschlitten-Tour durch die menschenleere Gaspé-Halbinsel in Québec anschloss, hatte ich Horrorvisionen, zu frieren und nie mehr wieder warm zu werden. Außerdem wollte ich nicht einfach nur Kilometer knüppeln, sondern schauen und genießen. Aber meine Befürchtungen waren umsonst.
Ich schlüpfe in meinen Thermoanzug und die filzgefütterten Spezialstiefel und trete vor die Tür. Die knackige Morgenluft lässt die Seele abheben. Gefroren habe ich bislang nicht. Stattdessen sind Schnee und Eis in den letzten drei Tagen meine Spielgefährten geworden. Über dem Küchenhaus des Camps steigt eine Rauchfahne in den wolkenlosen Himmel. Die anderen sitzen schon beim Frühstück. Früher war das Relais hier im Naturgebiet Réserve faunique de Matane ein Holzfällercamp. Heute ist es eine einfache Gemeinschaftsunterkunft für Motorschlitten-Piloten, mit roh gezimmerten Trennwänden, einfachen Waschräumen und einem Bullerofen in der Mitte. Ich genieße unsere Exklusivität. Denn dieses Camp unweit der 1200 m hohen Monts Chic-Choc ist nur auf Kufen zu erreichen.
Motorschlitten sind "winter fun machines", oder, wie man in Québec sagt, "maudite bonnes machines". Geländegängig und pfeilschnell zugleich, katapultieren sie die einen in Geschwindigkeitsbereiche um 200 km/h, während sie anderen unberührte Winter-Wunderlandschaften erschließen. In Québec hören sie auf den Kosename "Ski-Doo" und sind Kulturgut: 1922 baute Joseph-Armand Bombardier hier den Urahn aller Motorschlitten. Im Bombardier-Museum in Valcourt bei Montréal ist er noch zu sehen, der bedrohlich aussehende Schleudersitz mit Ford-T-Motor und Windschraube am Heck. Das Ski-Doo in seiner heutigen Form hob Bombardier, der sich bald zum weltweit renommierten Fabrikanten tüchtiger Allzweckfahrzeuge emporgearbeitet hatte, 1959 aus der Taufe. Seitdem ständig verbessert, stehen heute Ski-Doos für jeden Bedarf zur Verfügung: robuste Versionen für die Inuitsiedlungen im Norden, verlängerte Modelle für Ski-Doo-Marathons, und Formel-1-artige Skidoo-Boliden für ganz hartgesottene Fans.
Wen wundert es da noch, dass sich 32000 Kilometer Motorschlitten-Trails kreuz und quer durch die Provinz ziehen und die "Féderation des Clubs de Motoneigistes du Québec" rund 160 000 begeisterte Mitglieder hat?
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